456 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
die Herzogtümer Jülich und Berg, dem Hause Brandenburg
aber das Herzogtum Kleve und die Grafschaften Mark und
Ravensberg zufallen sollten. Vertreten waren damit also
beide Häuser. Von ihnen gewann aber das eine, das branden⸗
burgische, unter dem Großen Kurfürsten engere Beziehungen zu
den Niederlanden: der Kurfürst hatte den wesentlichsten Teil
seiner Erziehung dort genossen, er heiratete eine Oranierin, und
er blieb in engem Ideenaustausche mit den geistigen Vertretern
des Landes. Dabei war aber seine Stellung zu den Nieder⸗
landen doch von vornherein einseitig; denn schon seine persönlichen
Beziehungen, nicht minder seine dynastischen Interessen führten
ihn auf die Seite der oranischen Partei. Wenn nun dabei
nur die Herrschaft der Oranier unbestritten gewesen wäre!
Aber das war keineswegs der Fall; ja Anfang der fünfziger
Jahre, nach dem Tode Wilhelms II. (1650), dem in Wil—
helm III., dem späteren englischen Könige, nur ein posthumer
Erbe geboren wurde, ging die Führung der Staatsgeschäfte viel⸗
mehr auf lange Zeit auf die Aristokraten der Provinz Holland
über. Diese aber hatten nicht mit den Herrschern der benachbarten
rheinischen Fürstentümer, sondern mit deren kraftvoll und eigen—
artig entwickelten Ständen die nächsten Beziehungen: was sie
in einen gewissen Gegensatz im Grunde zu dem Brandenburger
und dem Pfälzer; bei den besonderen Beziehungen des Branden⸗
burgers zu den Oraniern aber doch auch wieder zu einer ge⸗
wissen Annäherung an den Pfälzer brachte.
Es ist klar, daß sich aus diesem merkwürdigen Neben- und
Gegeneinander von Verbindungen und Machtverhältnissen am
Niederrhein und in den nördlichen Niederlanden die mannig-—
faltigsten, seit dem Siege der Aristokratenpartei den deutschen
Interessen im allgemeinen nicht günstigen Konstellationen er—
geben mußten; deutlich kam diese Lage zum Vorschein, als der
Große Kurfürst in dem sogenannten Düsseldorfer Kuhkriege
den mißlungenen Versuch machte, seine Rechte zum Nachteil
der pfälzischen Herrschaft zu erweitern. Und griffen nun nicht
diese niederrheinisch-niederländischen Dinge, indem das Haus
Brandenburg in sie verstrickt war, zugleich auch in den deut—⸗