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Posten und Postwesen.
zu den vorher geschilderten traurigen Zuständen zurück. Erst die Bundesverfassung vom
Jahre 1848 setzte dem verworrenen Treiben auf dem Gebiete des Verkehrslebens ein
Ziel, indem sie die Übernahme des gesamten Postwesens durch den Bund verfugte. Auf
Grund dieser Bestimmung wurde letzteres alsbald einheitlich geordnet und damit die
Grundlage für eine gedeihliche Entwickelung desselben gewonnen. Diese ließ denn auch
nicht lange auf sich warten. Unter einsichtsvoller und geschickter Leitung nahm das Post-
institut nunmehr einen solchen Aufschwung, daß die Schweiz jetzt zu denjenigen Staaten
zählt, in welchen dieser Verkehrszweig am meisten ausgebildet ist. Welchen Umfang der
letztere im Jahre 1898 gewonnen hatte, ergibt sich aus folgender Darstellung: Es waren
vorhanden 3472 Postanstalten, 9148 Briefkasten, 11124 Postbedienstete. Befördert
781. Schweizerischer Alpenpostwagen.
Nach einem Modell im Reichspostmuseum in Berlin.
wurden im ganzen 381 445 000 Sendungen, darunter 132 992 000 Briefe, 42 997 000
Postkarten, 169 934 000 Drucksachen, Zeitungsnummern, Geschäftspapiere und Waren
probensendungen, 6 217 000 Postanweisungen, 945 000 Postaufträge, 22613000 Pakete
und 216000 Briefe mit Wertangabe. Die Einnahmen beliefen sich auf 24998000 Mark,
die Ausgaben auf 24 163 000 Mark.
Begünstigt durch die Lage des Landes und den außerordentlich großen Fremden
zufluß ist der Postauslandsverkehr der Schweiz überaus bedeutend! er umfaßt beinahe
den dritten Teil sämtlicher Sendungen. Auch der Postreiseverkehr ans den großen Alpen
straßen, so weit die eisernen Schienenwege dahin noch nicht vorgedrungen'sind, ist recht
umfangreich. Zur Bewältigung desselben werden meist große, bequem eingerichtete,
vierspännige Postwagen verwendet, wie sie jetzt in anderen Ländern kaum noch zu
finden sind.
In Italien gab es vor dem Jahre 1860 sieben verschiedene Postverwaltungen,
deren Leistungen im allgemeinen auf sehr niedriger Stufe standen. Die geringe Aus
dehnung der einzelnen Gebiete hielt den Postverkehr in engen Schranken, und bei der