Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

775

Die  russischen  Postanstalten.  Postwesen  in  der  Türkei.

angabe,  1  842  000  Pakete;  dagegen  wurden  1897  befördert:  333  Millionen  Briefe,
61  Millionen  Postkarten,  266  Millionen  Drucksachen,  Zeitungsnummern,  Geschäftspapiere
und  Warenprobensendungen,  17  245  000  Briefe  mit  Wertangabe,  5  227  000  Pakete.
Die  Einnahmen  aus  dem  Post-  und  Telegraphenwesen  bezifferten  sich  1897  auf
136  128  000  Mark,  die  Ausgaben  auf  105  694  000  Mark.
In  der  eigentlichen  Türkei  gab  es  noch  vor  70  Jahren  Posten  fast  gar  nicht.
Später  wurden  zwar  einige  Veranstaltungen  zur  Vermittelung  des  Postverkehrs  getroffen,
dieselben  erfreuten  sich  aber  so  wenig  des  Vertrauens  der  auswärtigen  Mächte,  daß  die
meisten  von  diesen  zur  Förderung  ihrer  Handelsinteressen  dazu  übergingen,  an  verschiedenen ­
  Orten  der  Türkei,  in  Verbindung  mit  dem  dort  mit  ganz  besonderen  Vorrechten
ausgestatteten  Konsulatswesen,  eigene  Postanstalten  zu  errichten.  So  befinden  sich  jetzt  in
der  Türkei  38  österreichische  und  sechs  deutsche  Postämter  (hiervon  zwei  in  Konstantinopel ­
  und  je  eins  in  Smyrna,  Beirut,  Jaffa  und  Jerusalem)  sowie  verschiedene  französische,
englische  und  russische  Postanstalten.  In  neuerer  Zeit  hat  die  hohe  Pforte  wiederholt
Versuche  gemacht,  die  fremden  Postanstalten  ans  ihrem  Betriebe  zu  verdrängen,  es  ist
ihr  dies  jedoch  nur  hinsichtlich  des  griechischen  und  des  ägyptischen  Postamts  in  Konstantinopel ­
  gelungen,  während  die  üvrigen  fremden  Mächte  ihr  entschiedenen  Widerstand
leisteten,  da  die  türkischen  postalischen  Einrichtungen  nicht  derartig  sind,  um  die  fremdländischen ­
  Postanstalten  in  genügender  Weise  zu  ersetzen.  Zwar  hat  die  Regierung  in
der  letzten  Zeit  große  Anstrengungen  gemacht,  um  ihr  Postwesen  in  die  Höhe  zu
bringen,  der  Erfolg  ist  aber  nur  ein  sehr  bescheidener  gewesen.  Der  Postverkehr  mit
dem  Auslande  wird  vorzugsweise  von  den  fremdländischen  Postanstalten  vermittelt;
die  Thätigkeit  der  türkischen  Postämter  erstreckt  sich  daher  mehr  auf  den  Verkehr
im  Inneren  des  Landes.  Dieser  ist  aber  nur  wenig  entwickelt,  weil  bei  den  meisten
Bewohnern  das  Bedürfnis  gegenseitiger  schriftlicher  Mitteilungen  noch  kein  reges,  auch
die  Zahl  der  schreibknndigen  Personen  nur  eine  geringe  ist.  Es  fehlt  hiernach  vielfach
noch  an  der  Grundbedingung  zum  schriftlichen  Austausch  der  Gedanken,  und  diesem
Mangel  abzuhelfen,  liegt  außerhalb  der  Aufgabe  der  Post.  Sie  kann  den  schriftlichen
Verkehr  wohl  erleichtern,  ist  aber  nicht  im  stände,  ihn  hervorzurufen.  Daß  unter  den
dargestellten  ungünstigen  Verhältnissen  die  auf  Verbesserung  der  postalischen  Zustände
gerichteten  Bestrebungen  der  türkischen  Regierung  nicht  erfolgreicher  gewesen  sind,  ist
begreiflich.  Ein  Teil  der  Schuld  davon  mag  übrigens  ans  die  Rechnung  des  Charakters
der  Türken  gesetzt  werden,  der  sich  in  ihrem  umständlichen  und  gemächlichen  Wesen  kundgibt ­
  und  sie  daran  verhindert,  den  raschen  Pulsschlägen  unseres  Verkehrslebens  zu  folgen,
denn  der  Grundsatz  „Zeit  ist  Geld"  kommt  bei  ihnen  noch  wenig  zur  Geltung.  Die
Beförderung  der  türkischen  Posten  geschieht  zu  Wagen  oder  zu  Pferde.  Auf  den  großen
Poststraßen,  z.  B.  zwischen  Angora  und  Bagdad,  Eskischehr  und  Damaskus,  Trapezunt
und  Wan  u.  a.  kursieren  in  der  Regel  einmal  wöchentlich  Kurierposten,  welche  von  Tataren
begleitet  werden  und  Briefe  sowie  Wertsendungen  befördern.  Zwischen  Damaskus  und
Bagdad  verkehrt  ebenfalls  einmal  wöchentlich  eine  Kamelpost,  die  aber  nur  Briefe  und
Postkarten  mitnimmt.  Sie  legt  ihren  Weg  in  zehn  bis  elf  Tagen  zurück.
Im  Jahre  1894  wurden  von  den  Posten  in  der  Türkei  (einschließlich  der  asiatischen
und  afrikanischen  unmittelbaren  Besitzungen)  versandt:  15896000  Briefe,  225000  Postkarten, ­
  4400000  Drucksachen,  Zeitungsnummern,  Geschäftspapiere  und  Warenprobeusendungen,
  319000  Pakete.  Postanstalten  waren  1048  im  Betriebe,  Briefkasten  gab  es
284.  Das  Postpersonal  bestand  aus  1357  Beamten  und  Unterbeamten.  Die  Einnahmen
beliefen  sich  auf  4  579000  Mark,  die  Ausgaben  auf  1471000  Mark.  Die  in  der  Türkei
befindlichen  fremden  Postanstalten  sind  hierbei  außer  Betracht  gelassen.
Das  deutsche  Postamt  in  Konstantinvpel,  welches  im  Jahre  1870  errichtet  wurde,
hatte  anfänglich  keinen  bedeutenden  Verkehr.  Der  letztere  hat  sich  aber  im  Laufe  der  Jahre
sehr  gehoben,  denn  1895  betrug  die  Zahl  der  durch  das  genannte  Postamt  expedierten  Briefpostsendungen ­
  schon  1218000,  der  Pakete  12000,  der  Postanweisungen  8270  Stück  über
544000  Mark  und  der  abonnierten  Zeitungen  1300  Stück  mit  mehr  als  250000  Nummern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.