Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Posten  in  Afrika  und  Asien.

die  Reise  von  Kalgan  an  der  chinesischen  Mauer  bis  nach  Kiachta,  eine  Entfernung,  die
780  englische  Meilen  beträgt,  in  17  bis  19  Tagen.  Wenn  die  frommen  Boten  sich
indessen  etwas  mehr  beeilen  wollten,  so  könnten  sie  die  Reise  in  zehn  Tagen  vollbringen;
statt  dessen  aber  sprechen  sie  in  den  Jurten  vor,  erteilen  den  Segen,  trinken  Thee  und
verplaudern  manche  Stunde  mit  ihren  zopftragenden  Landsleuten.
Der  europäische  Reisende,  welcher  die  Mongolei  jetzt  durchreisen  darf,  seit  die  europäischen ­
  Westmächte  im  Jahre  1860  die  Eröffnung  Chinas  für  den  Weltverkehr  erzwangen,
bedient  sich  zur  Postfahrt  der  zweiräderigen,  ganz  geschlossenen  und  sehr  leicht  gebauten
mongolischen  Karren,  die  mit  vier  Pferden  bespannt  sind  und  im  Fluge  durch  die  Graswüste
  Gobi  hinsausen.  Die  Leichtigkeit,  mit  welcher  sich  die  mongolischen  Postillone  in  der
Wüste  zurecht  finden,  erregt  die  Bewunderung  aller  Reisenden.  Sie  bedürfen  gar  keiner
Landmarken  und  wissen  immer  genau,  wo  die  Brunnen  liegen,  nach  denen  sich  die  Reiselinie
  richtet.  Ihr  nomadischer  Instinkt,  der  ihnen  angeboren  ist  und  welchen  sie  im  hohen
Grade  weiter  ausgebildet  haben,  leitet  sie  stets  richtig.

784.  Nusstsch-chinestsche  post.

Ziemlich  geordnet  erscheint  das  Postwesen  in  China  schon  seit  den  ältesten  Zeiten.
Nirgends  fehlt  es  an  Straßen,  Chausseen  und  Kanälen,  an  Herbergen  und  Pferdestationen.
Die  Regierung  unterhält  Botenposten  und  Eilposten.  Die  ersteren  sind  auf  die  18  Provinzen ­
  des  eigentlichen  China  beschränkt  und  für  nicht  eilige  Sachen  bestimmt,  während
die  Eilposten  das  ganze  große  „Reich  der  Mitte"  von  einem  Ende  bis  zum  anderen  durchziehen ­
  und  nicht  allein  Briefe,  sondern  auch  Geldsendungen,  Steuerbeträge,  Tributgegenstände, ­
  Kupfer  aus  den  Minen  des  Iünnan  und  andere  Sachen  nach  der  Hauptstadt
des  Reiches  befördern,  ja  sogar  zur  Fortschaffung  von  Verbrechern  dienen.  Als  Beförderungsmittel ­
  kommen  Pferde  und  zweiräderige  Karren,  Kamele,  Maulesel  und  aus
den  Gewässern  Boote  zur  Anwendung.  Die  Zahl  der  Botenpostämter  ist  eine  sehr  große,
und  russischen  Angaben  zufolge  sollen  in  China  nicht  weniger  als  150000  Postbeamte
in  Thätigkeit  sein.  Die  Benutzung  dieser  Posten  durch  das  Publikum  war  jedoch  bis
vor  kurzem  ausgeschlossen,  sie  dienten  nur  den  Zwecken  des  Hofes  und  der  Regierung.
Zur  Besorgung  von  Privatsendungen  bestehen  in  den  Hauptorten  an  den  großen  Verkehrsstraßen ­
  des  Reiches  Privatanstalten;  dieselben  sind  aber  nur  mangelhaft  organisiert
und  befördern  vorzugsweise  Pakete,  nur  nebenher  auch  Briefe.  Zwischen  den  Unter-98

            
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