Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Postverkehr  in  Amerika  und  Australien.  Das  ehemalige  Postwesen  Preußens.  785
Die  Doppelinsel  Neuseeland  erfreut  sich  eines  sehr  entwickelten  Postwesens;  es
waren  1897  bei  1533  Postanstalten  3083  Personen  beschäftigt.  Briefkasten  gab  es
2113.  Die  Postkurse  hatten  eine  Ausdehnung  von  40612  Kilometer.  Befördert  wurden
33  Millionen  Briefe,  2  Millionen  Postkarten,  19  Millionen  Bücher-  und  Mustersendungen,
196  000  Pakete,  314  000  Postanweisungen.  Die  Einnahmen  berechneten  sich  auf
274000  Pfund  Sterling,  die  Ausgaben  auf  199  900  Pfund  Sterling.
Das  ehemalige  Postwesen  Preußens  ward  um  die  Mitte  des  17.  Jahrhunderts
gegründet.  Zwar  bestanden  schon  vorher  zwischen  Berlin  und  anderen  bedeutenden  Städten
z.  B.  Küstrin,  Königsberg  i.  Pr.,  Stettin,  Leipzig,  Ansbach,  Kleve  u.  a.  Botenposten,
welche  den  Korrespondenzverkehr  des  Hofes  und  der  Regierung  vermittelten,  doch  verkehrten ­
  diese  Posten  nicht  regelmäßig,  sondern  nur  im  Bedürfnisfalle,  auch  war  ihnen  die
Mitnahme  von  Sachen  von  anderen  und  für  andere  untersagt.  Als  nach  Beendigung
des  Dreißigjährigen  Krieges  Handel  und  Verkehr  sich  wieder  zu  beleben  begannen,  hielt
der  Große  Kurfürst  Friedrich  Wilhelm,  der  weitschauende  und  weise  Regent,  den
Zeitpunkt  für  gekommen,  „zur  Förderung  der  Kommerzien,  zur  Erleichterung  des
Gouvernements  und  zur  Herstellung  eines  engeren  Zusammenhangs  unter  den  Territorien
der  brandenburgisch  -  preußischen
Lande"  mit  der  Errichtung  einer
auch  für  den  Privatverkehr  bestimmten ­
  Staatspost  vorzugehen.
Er  ordnete  deshalb  im  Jahre  1649
an,  daß  die  mit  seiner  Genehmigung ­
  schon  einige  Jahre  vorher
von  demKönigsbergerBotenmeister
in  Gang  gesetzten  Posten  zwischen
Memel  und  Kleve,  sowie  die  Verwaltung ­
  des  gesamten  Postwesens
in  seinen  Landen  vom  Staate  übernommen ­
  wurden,  und  wandte  dem
neugeschaffenen  Institute  besondere
Sorgfalt  zu.  Im  Anschlüsse  an
den  vorerwähnten  Postkurs  Memel-—Kleve,
  welcher  u.  a.  die  Städte
Königsberg  i.  Pr.,  Marienwerder,
Küstrin,  Berlin,  Halberstadt,  Minden,  Wesel  berührte,  wurden  allmählich  Seitenkurse  von
Memel  nach  Riga,  von  Königsberg  nach  Warschau,  von  Berlin  nach  Hamburg,  Leipzig,
Breslau,  von  Halberstadt  nach  Kassel,  von  Kleve  nach  Amsterdam  angelegt  und  in  dieses
Kursnetz  noch  verschiedene  wichtige  Verkehrsorte  hineingezogen.  Die  preußisch-brandenburgischen
  Posten  zeichneten  sich  bald  durch  Ordnung  und  Schnelligkeit  aus  und  wurden
von  dem  Publikum  um  so  lieber  benutzt,  als  die  Posttaxen  niedrig  waren.  Während  die
Post  in  den  ersten  Jahren  ihres  Bestehens  noch  eines  Zuschusses  von  etwa  6000  Thalern
jährlich  bedurfte,  lieferte  sie  1688,  dem  Todesjahre  ihres  Begründers,  bereits
39000  Thaler  Überschuß.
Anfänglich  war  die  obere  Leitung  des  Postwesens  dem  Geheimen  Staatsrate  anvertraut, ­
  als  aber  die  damit  verbundenen  Geschäfte  immer  mehr  zunahmen,  wurde  im
Jahre  1700  zu  deren  Erledigung  eine  besondere  Behörde,  das  „General-Postamt",  eingesetzt, ­
  welches  diese  Bezeichnung  noch  bis  zum  Jahre  1880  geführt  hat.  Die  erste
rechtliche  Grundlage  für  die  postalischen  Einrichtungen  bildete  die  unter  der  Regierung
des  Königs  Friedrich  I.  im  Jahre  1712  erlassene  Postordnung,  welche  zugleich  die
Rechte  und  Pflichten  der  Postbeamten  näher  bestimmte,  das  Verhältnis  der  Post  zum
Publikum  regelte  und  eine  Zusammenstellung  der  wichtigsten  Dienstvorschriften  enthielt.
Zu  jener  Zeit  erfolgte  auch  die  Einführung  von  Extraposten  in  Preußen.  Aus  Liebhaberei ­
  für  seine  oranische  Erbschaft  ließ  der  vorgenannte  König  an  den  Postnniformen
orangefarbige  Aufschläge  anbringen,  woher  das  noch  heute  gebräuchliche  „Postgelb"
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793.  plascnLrr  Postillon  aus  dem  17.  Jahrhundert.
            
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