Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

786  Posten  und  Postwesen.

rührt.  Friedrich  Wilhelm  I.,  der  sparsame  Monarch,  wußte  den  volkswirtschaftlichen
Wert  der  Post  besser  zu  würdigen,  als  sein  prachtliebender  Vorgänger,  er  schrieb  für
die  Postverwaltung  mit  eigener  Hand  den  Grundsatz  vor:  „Die  Posten  sollen  angelegt
werden  von  Ort  zu  Ort,  ich  will  haben  ein  Land,  das  kultiviert  sein  soll;  höret  Post
dazu."  Demgemäß  war  er  auch  mit  Eifer  bemüht,  das  Postwesen  durch  Verbesserung
und  Erweiterung  der  Postanlagen  und  Verbilligung  der  Posttarife  nach  Kräften  zw
fördern.  Daß  unter  Friedrich  dem  Großen  die  wichtigste  Staatsverkehrsanstalt  nicht
zurückblieb,  wird  der  Erwähnung  kaum  bedürfen.  Doch  zeigte  der  große  König  für
die  finanziellen  Erfolge  der  Posten  weit  größeres  Interesse,  als  für  ihre  volkswirtschaftliche
  Bedeutung.  Er  ließ  sich  verleiten,  die  Verwaltung  der  Posten  1766  iw
französische  Regie  zu  geben,  um  daraus  einen  höheren  Reinertrag  zu  erzielen.  Die
Regiebeamten  hatten  nichts  Eiligeres  zu  thun,  als  die  Posttaxen  sämtlich  bedeutend  zw
erhöhen.  Die  von  dieser  Maßregel  erwarteten  glänzenden  Finanzresultate  blieben  aber
aus.  Die  Posteinnahmen  gingen  im  Jahre  1768  gegen  das  Vorjahr  um  109000  Thaler
und  im  folgenden  Jahre  um  weitere  25000  Thaler  zurück.  Der  König  erkannte  den
Mißgriff  bald  und  machte  der
unheilvollen  Wirksamkeit  der
Regie  beim  Postwesen  schon  nach
drei  Jahren  mit  der  Sentenz  eiw
Ende:  „Ich  will  keine  Franzosen ­
  mehr,  sie  seynd  gar  zw
ltderlich  und  machen  lauter  liderliche ­
  Sachen."  Die  Posttaxew
wurden  zwar  alsbald  wieder  ermäßigt, ­
  zu  ihrer  Herabsetzung
auf  die  früheren  billigeren  Sätze
ließ  sich  der  König  jedoch  nicht:
bewegen.  Die  von  der  Regie
der  Post  zugefügten  Schäden  glich
eine  umsichtige  Verwaltung  baldwieder
  aus,  und  das  Institut  entwickelte ­
  sich  in  naturwüchsiger
Kraft  stetig  weiter.  Als  im  Jahre
1784  die  Roheinnahmen  der
Post  zum  erstenmal  die  Höhe  einer  Million  Thaler  erreichten,  machte  Friedrich  am  Rande
des  ihm  vorgelegten  Berichts  die  Bemerkung:  „Das  ist  admirabel!"  Was  Ivürde  der
große  König  erst  bei  der  Nachricht  gesagt  haben,  daß  jene  Einnahme  im  Jahre  1865„
dem  letzten  vor  den  großen  Umwälzungen  in  Deutschland,  sich  auf  das  Dreizehnfache
jener  Summe  belief,  wovon  ein  Reingewinn  von  mehr  als  1  x / 9  Millionen  Thalern  zur
Staatskasse  floß?  Durch  Ausgabe  einer  neuen  Postordnung  im  Jahre  1782  erfuhren  die
Bestimmungen  der  älteren  Postordnung  mehrfache  Abänderungen  und  Ergänzungen.
Die  kriegerischen  Wirren,  welche  in  dem  letzten  Jahrzehnt  des  18.  Jahrhunderts
ihren  Anfang  nahmen  und  sich  bis  zum  Jahre  1815  fortsetzten,  schlugen  der  preußischen.
Post  tiefe  Wunden,  deren  Heilung  erst  nach  längerer  Zeit  gelang.  Nach  Beendigung  dev
Kriege  wurde  die  Organisation  des  Postwesens  in  den  neuerworbenen  Landesteileu  mit
Eifer  betrieben.  Unter  Leitung  des  1821  zum  Chef  der  Postverwaltung  ernannten
Generalpostmeisters  von  Nagler  ging  man  mit  Verbesserungen  auf  postalischem  Gebieb
energisch  vor.  Zunächst  fand  noch  in  demselben  Jahre  eine  durchgreifende  Reform  des-Postzeitungswesens
  und  zugleich  die  Errichtung  einer  Zentralstelle  für  den  Zeitungsvertrieb ­
  unter  dem  Namen  „Zeitungscomtoir"  in  Berlin  statt,  das  als  „Post-Zeitungsamt"
  noch  heute  besteht.  Zur  gleichen  Zeit  wurden  behufs  Beschleunigung  der  Posttransporte ­
  Schnellposten  eingerichtet,  die  sich  bald  der  Gunst  des  Publikums  erfreuten,
und  in  der  Folgezeit  eine  solche  Ausbreitung  gewannen,  daß  im  Jahre  1837  deren  182:

794.  Preußischer  Persaiieiipostulagen  uus  der  ersten  Hülste
des  18.  Jahrhunderts.
            
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