Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

798  Postversendungsgegenstände.
stützung  benötigt  ist.  Hiernach  kann  man  im  allgemeinen  Interesse  nur  wünschen,  daß  die
Paket-  und  Personenbeförderung  da,  wo  sie  sich  bereits  in  den  Händen  der  Post  befindet,
dieser  auch  verbleibe.  Ja  es  hat  sich  in  neuester  Zeit  selbst  in  einigen  Ländern,  in  welchen
seither  die  Post  auf  die  Briesbeförderung  sich  beschränkte,  die  Überzeugung  Bahn  gebrochen,
daß  die  Mitübernahme  des  Pakettransports  durch  die  Post  eine  das  allgemeine  Wohl  der
Bevölkerung  fördernde  Maßregel  sei,  welche  außerdem  nicht  zu  verachtende  finanzielle
Vorteile  gewähre.  In  dieser  Erkenntnis  sind  z.  B.  die  Postverwaltungen  von  Italien,  den
Niederlanden,  Großbritannien  und  Irland,  deren  Betrieb  sich  zuvor  nur  auf  die  Beförderung
von  Briefpostgegenständen  erstreckte,  dazu  übergegangen,  auch  die  Fortschaffung  von  Paketen
in  den  Bereich  ihrer  Thätigkeit  zu  ziehen.  Die  Anregung  dazu  mag  wohl  der  Antrag  der
deutschen  Reichspostverwaltung  auf  Herstellung  eines  internationalen  Paketpostdienstes  gelegentlich ­
  des  Pariser  Postkongresses  gegeben  haben.  Von  den  genannten  drei  Verwaltungen
führte  zuerst  die  italienische  am  1.  Oktober  1881  den  Paketbeförderungsdienst  im
Inneren  des  Landes  ein;  ihr  folgte  am  15.  März  1882  die  niederländische  und  dieser  am
1.  August  1883  die  britische.  Die  segensreichen  Folgen  dieser  Erweiterung  des  Postbetriebes ­
  machten  sich  schon  nach  kurzer  Erprobung  derselben  in  vollem  Maße  geltend,
und  es  wird  allseitig,  namentlich  auch  in  der  Presse  der  betreffenden  Länder,  unumwunden
anerkannt,  daß  die  Postverwaltungen  der  drei  Staaten  der  Bevölkerung  der  letzteren  durch
die  Übernahme  des  Pakettransports  eine  große  Wohlthat  erwiesen  haben.  Die  Anschauung,
daß  Verkehrseinrichtungen  (auch  Eisenbahnen  u.  s.  w.),  weil  sie  überhaupt  für  die  von
einzelnen  Personen  betriebene  Privatindustrie  unmöglich  sind,  auch  nicht  in  den  Händen
von  Privatgesellschaften  sein  sollten  (welche  doch  eben  auch  eine  Beamtenhierarchie  u.  s.w.
voraussetzen),  sondern  von  der  Korporation  gehandhabt  werden  müssen,  welche  das  größte
öffentliche  Vertrauen  besitzt,  also  dem  Staate,  kommt  immer  mehr  und  mehr  zur  allgemeinen
Geltung  und  hat  in  neuerer  Zeit  namentlich  in  Preußen  zur  Verstaatlichung  einer  großen
Anzahl  von  Eisenbahnunternehmungen  geführt.  In  England  wurden  im  Jahre  1898
bereits  nahezu  72  Millionen  Pakete  durch  die  Post  befördert.  Wie  ungeheuer  der  Postpaketverkehr ­
  in  Deutschland  angewachsen  ist,  haben  wir  schon  oben  gezeigt.  In  Berlin
allein  belief  sich  die  Zahl  der  aufgelieferten  und  eingegangenen  Pakete  1898  auf
28  791  972  Stück.  Von  der  Massenhaftigkeit  dieser  Sendungen  kann  man  sich  nur
schwer  eine  Vorstellung  machen.  In  einen  Eisenbahngüterwagen  können  in  der  Regel
nicht  mehr  als  1400  Pakete  verladen  werden,  demnach  füllen  die  in  Berlin  in  einem
Jahre  eingegangenen  und  von  da  abgesandten  Pakete  nicht  weniger  als  20565  Eisenbahnwagen ­
  aus.  Zur  Bewältigung  dieser  Paketmassen  sind  natürlich  großartige  Vorkehrungen ­
  getroffen.  Das  gilt  namentlich  hinsichtlich  der  ankommenden  gewöhnlichen
Pakete,  welche  bei  einer  einzigen  Zentralstelle  (dem  Paketpostamt)  zusammenfließen.  Von
diesen  Paketen  werden  die  an  Abholer  gerichteten  in  besonderen  Räumen  übersichtlich  geordnet ­
  zur  Abholung  bereit  gestellt,  die  übrigen  dagegen  in  die  Bestell-Paketkammern  geschafft. ­
  Letztere  bestehen  aus  zwei  langgestreckten,  einander  gegenüberliegenden  und  durch
einen  ziemlich  breiten  Hof  getrennten  Räumen,  welche  106  Fachwerke  enthalten.  Die
ganze  Stadt  ist  in  ebenso  viele  Paketbestellreviere  eingeteilt,  so  daß  also  für  jedes  Revier
ein  Fach  vorhanden  ist,  in  welches  die  in  dem  Reviere  zu  bestellenden  Sendungen  niedergelegt ­
  werden.  Es  finden  wochentäglich  drei  Paketbestellungen  statt,  zu  denen  meistens
einspännige,  selten  zweispännige  Wagen  benutzt  werden.  Die  Zahl  der  bei  den  einzelnen
Bestellungen  zur  Verwendung  kommenden  Fahrzeuge  ist  verschieden  und  richtet  sich  nach
der  Menge  der  in  Betracht  kommenden  Sendungen.  Während  bei  der  ersten  Ausfahrt
oft  100  und  mehr  Wagen  einzustellen  sind,  reichen  bei  der  zweiten  und  dritten  jedesmal
etwa  60  aus.  Bleibt  die  Zahl  der  Wagen  hinter  derjenigen  der  Bestellreviere  zurück,  so
werden  einzelne  Fahrzeuge  zur  Bestellung  der  Pakete  in  zwei  oder  mehr  Revieren  benutzt.
Nachdem  die  Pakete  aus  den  Fachwerken  der  Bestell-Paketkammern  in  die  Wagen  verladen ­
  worden  sind,  fahren  diese  in  die  Reviere  ab,  was  in  den  freilich  selten  vorkommenden
Fällen,  wo  die  Abfahrt  sämtlicher  Wagen  gleichzeitig  erfolgt,  einen  ganz  imposanten  Anblick ­
  gewährt.  Bei  der  stetigen  erheblichen  Zunahme  des  Paketverkehrs  und  bei  der  an-
            
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