Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Postsparkassen.  Postwertzeichen.  805

der  Portosätze  und  desto  schwieriger  gestaltete  sich  deren  Anwendung.  Um  diese  zu  vereinfachen, ­
  kam  man  auf  den  Gedanken,  bei  Feststellung  der  Taxen  für  die  Sendungen
statt  der  wirklichen  Beförderungsstrecke  die  direkte  Entfernung  vom  Abgangs-  bis  zum
Bestimmungsorte  in  der  Luftlinie  zu  Grunde  zu  legen.  In  Preußen  fand  dieser  Grundsatz ­
  zuerst  in  dem  Portotax-Regulativ  vom  Jahre  1824  praktische  Verwertung.  Die  Folge
davon  war  eine  sehr  bedeutende  Herabsetzung  der  Zahl  der  Portosätze.  Später  haben
diese  durch  Verminderung  der  Entfernuugs-  und  Gewichtsstufen  eine  immer  größere  Einschränkung ­
  erfahren,  so  daß  man  schließlich  sogar  hinsichtlich  der  meisten  Briefsendungen
zu  einem  für  alle  Entfernungen  gültigen  Einheitssätze  gelangte.  Die  neueren  Bestrebungen
zur  Verbesserung  des  Posttaxwesens  sind  nun  vorzugsweise  darauf  gerichtet,  die  noch  bestehenden ­
  Gewichtsstufensätze  nach  Möglichkeit  zu  beseitigen,  um  damit  eine  weitere  Vereinfachung ­
  der  Taxen  zu  erreichen.  Diese  sollten  überhaupt  so  eingerichtet  sein,  daß  sie
von  jedermann  leicht  berechnet  werden  können.  Was  ihre  Höhe  betrifft,  so  wäre  diese  im
allgemeinen  so  zu  bemessen,  daß  durch  die  Einnahmen  nicht  nur  die  Betriebs-  und  Ver-803.

  Großbritannien  804.  Ver.  Staaten
1840.  von  Amerika  1842.

80b.  Brasilien
1843.

806.  Kanton  Genf
1843.

807.  Bayern
1649.

808.  Belgien
1849.

809.  Frankreich
1849.

810.  Spanten
1850.

811.  Preußen
1850.

812.  Sachsen
1850.

813.  iJiterreiO]
1850.

603  bis  813.  Die  ältesten  Postfreimarkrn.

waltungskosten  gedeckt,  sondern  auch  Mittel  erübrigt  würden,  die  in  erster  Linie  zu  Verbesserungen ­
  im  Verkehrswesen,  dann  aber  auch  als  Beitrag  zu  den  Staatsbedürfnissen
Verwendung  zu  finden  hätten.  Letzteres  dürfte  aber  nur  in  bescheidenem  Maße  geschehen,
weil  die  zu  große  Ausnutzung  der  Post  als  Finanzquelle  des  Staats  eine  übelangebrachte
Besteuerung  des  Postverkehrs  in  sich  schlösse.  Im  Deutschen  Reiche  werden  die  Posttaxen
für  die  gewöhnlichen  Briefe,  Geldbriefe,  Pakete  und  Zeitungen  durch  gesetzliche  Bestimmungen, ­
  für  die  übrigen  Gegenstände  und  für  den  Reiseverkehr  im  Berordnungswege
geregelt.  Die  Verrechnung  der  Portotaxbeträge  findet  jetzt  meistens  durch  Postwertzeichen ­
  statt,  welche  aus  Freimarken,  gestempelten  Briefumschlägen,  gestempelten  Postkarten ­
  und  Kartenbriefen,  sowie  aus  gestempelten  Postanweisungsformularen  bestehen.
Der  Buchdrucker  Chalmers  in  Dundee  gilt  als  Erfinder  der  heutigen  Briefmarke.  Sie
wurde  zuerst  in  England  im  Jahre  1840  eingeführt,  und  ihr  Gebrauch  hat  sich  schnell
über  den  ganzen  Erdball  verbreitet.  In  einigen  Kantonen  der  Schweiz  und  in  Brasilien
fand  sie  1843,  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  1847,  in  Bayern,  Belgien  und
Frankreich  1849,  in  Österreich,  Preußen,  Spanien  1850  und  später  in  allen  übrigen
zivilisierten  Ländern  Eingang.  Ihre  Verwendung  hat  sehr  wesentliche  Erleichterungen
im  Postbetriebe  zur  Folge  gehabt,  die  sich  zum  Teil  auch  auf  den  Verkehr  des  Publikums
bei  deu  Postannahinestellen  erstreckt  haben.  Während  der  Absender  früher  genötigt  war,
für  die  einzelnen  zu  frankierenden  Postsendungen  an  dem  Postschalter  den  Fraukobetrag  bar
            
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