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Postwertzeichen.
zu erlegen, kann er diesen jetzt in den meisten Fällen durch Aufkleben von Freimarken
entrichten und die so frankierten Gegenstände durch Einlegen in Briefkasten der Post zur
Beförderung überliefern. Zum Bezüge des Bedarfs an Postwertzeichen in beliebigen
Mengen findet er nicht nur bei den Postanstalten Gelegenheit, sondern auch bei den Brief
trägern und bei zahlreichen amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen, welche in ver
schiedenen Orten errichtet sind. Da die Inhaber solcher Verkaufsstellen im Reichspost
gebiete für den Vertrieb der Marken keinerlei Vergütung von der Post beziehen, so zeigen
sie für diesen Geschäftszweig wenig Interesse. Daher kommt es, daß der Absatz an Wert
zeichen bei den gedachten Stellen nur gering ist. Die schweizerische Postverwaltnng ge
währt den Markenver
käufern eine Entschädi
gung von einem Pro
zent des von ihnen aus
dem Verkaufe der Wert
zeichen erzielten Er
löses. Ja, in Spanien
ist man so weit ge
gangen, den ganzen Ein
zelvertrieb der Brief
marken den Tabaks
verkäufern gegen Bezug
bestimmter Prozentsätze
vom Erlöse zu über
tragen und die Post
annahmestellen von
diesem Geschäfte ganz
zu befreien. Natürlich
tritt dadurch eine sehr
bedeutende Verminöe-
rung des Verkehrs an
den Postschaltern ein,
und es wäre angesichts
des an letzteren bei uns
häufig vorkommenden
Gedränges wohl die
Frage der Erwägung
wert, ob nicht auch in
814 bis 817. Briefkasten verschiedener Art. Deutschland zur Ab-
813 Hölzerner Briefkasten der vreußischen Post (1850—1860), 814 Gußeiserner Briefkasten rk-.ir-
(1860—1870), 816 Gußeiserner Briefkasten der deutschen Reichspost (seit 1876), leniuug eines L.eiis oes
816 Emaillirter Landbrtefkasten (1892). Verkehrs VvN beit Post-
annahmestellen durch
Bewilligung angemessener Remunerationen an die Markenverkäufer eine erheblich größere
Inanspruchnahme der gedachten Stellen durch das Publikum sich erreichen ließe. Die
Herstellung der Postwertzeichen für das deutsche Reichspostgebiet erfolgt durch die Reichs
druckerei in Berlin.
Das Sammeln von Postwertzeichen aller Gattungen und Länder findet seit drei
Jahrzehnten viele Liebhaber, und der Austausch, sowie der An- und Verkauf von benutzten
Freimarken u. s. w. hat sich zu einem umfangreichen und gewinnbringenden Geschäfts
zweige herausgebildet. An verschiedenen Orten bestehen sogar Börsen, die lediglich den
Handelsverkehr mit solchen Werten vermitteln. Im Jahre 188 l wurde zu Wien die erste
öffentliche Ausstellung von Postwertzeichen veranstaltet, der bald weitere in München,
Dresden, Stuttgart, Antwerpen, New Jork und au anderen Orten folgten. Eine der
größten Briefmarkensammlungen der Well befindet sich im britischen Museum zu London.