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Posten und Postwesen.
Sie ist diesem Institute durch ein Parlamentsmitglied geschenkt und im Laufe der Jahre
immer mehr vergrößert worden, so daß sie jetzt außer einer großen Menge von Brief
umschlägen, Postkarten, Streifbändern u. s. w. über 200000 Briefmarken umfaßt und
einen Wert von mehr als einer Million Mark repräsentiert.
Die Diensträume für den Betrieb der Postanstalten befanden sich ehedem meisten
teils in wenig befriedigendem Zustande. Sie waren eng, niedrig und dumpfig, so daß
der dauernde Aufenthalt in ihnen für die Beamten nicht selten eine Schädigung der Ge
sundheit mit sich brachte. Das Publikum erhielt seine Abfertigung entweder auf dem
Hausflur oder wohl gar auf der Straße an dem Fenster der Pvststnbe, wo es der Zug
luft und den Unbilden der Witterung ausgesetzt war. Diese elenden Zustände sind jetzt
überall beseitigt. Namentlich hat sich der Generalpostmeister von Stephan durch Her
stellung oder Anmietung besserer Dienstränme große Verdienste erworben. Während der
Zeit seiner Amtsthätigkeit an der Spitze der Postverwaltuiig sind gegen 300 reichseigene
Posthäuser mit einem Kostenanfwande von nahezu 120 Millionen Mark neu errichtet
oder umgebaut worden, deren äußere Gestalt der Würde des Reichs entspricht, und deren
innere Einrichtung ebenso den Bedürfnissen des Dienstes wie den Anforderungen der
Hygiene im vollsten Maße gerecht wird. Die für das Publikum bestimmten Räume sind
dabei im allgemeinen mit einer besseren Ausstattung bedacht worden als die sonstigen
Diensträume. Überall findet man bei den Postämtern schöne, hohe und geräumige Schalter
vorzimmer, die gegen Zugluft geschützt sind und in der kalten Jahreszeit erwärmt werden.
Sie gewähren den an den Postschaltern verkehrenden Personen einen behaglichen Aufenthalt
und sind mit Schreibvorrichtungen zum allgemeinen Gebrauche versehen. Welch ein Ab
stand gegen früher! Und wie sticht erst das Äußere der reichseigenen Posthäuser gegen
die Bauten der meisten anderen Verwaltungen ab? Hier büreaukratisches Schablonen
wesen, dort wahrhaft künstlerisches Schaffen. Unter den Fassaden der Posthäuser findet
man die verschiedensten Baustile vertreten, je nachdem der eine oder der andere davon sich
für den betreffenden Ort als passender erwies. Die Bauten sind alle mit gutem, dauer
haftem Material in gediegener, zum Teil kunstvoller Arbeit, doch ohne Luxus ausgeführt,
so daß sie Zierden der Städte bilden und schon mehrfach zur Nachahmung angeregt haben.
Für diejenigen Postämter, zu deren Unterbringung reichseigene Posthäuser nicht zur Ver
fügung stehen, werden die Dienstränme mietweise beschafft. Die Anmietung geschieht ent
weder für unmittelbare Rechnung der Pvstkasse oder durch den Post-Amtsvorsteher ans
seine Kosten. In letzterem Falle erhält er aus der Postkasse eine angemessene Miets
entschädigung. Wie sehr die Verwaltung bestrebt gewesen ist, für den Postbetrieb auch
mietweise bessere Räume zu gewinnen, geht daraus hervor, daß der Etatsansatz zur An
mietung von Postdiensträumen, der 1877/78 erst 2170000 Mark betrug, 1896/97 die
Höhe von 6464000 Mark erreichte. Bei den kleineren Postanstalten (Postagenturen),
deren Betrieb nur wenig Raum erfordert, werden die Postdienstgeschäfte meist in Zimmern
verrichtet, die auch noch zu anderen Zwecken dienen. Die Zahlung einer besonderen
Mietsentschädigung findet hier nicht statt.
Als Transportmittel werden von der deutschen Reichspost Eisenbahnen, Fuhr
werke, Fußboten und Schiffsgelegenheiten benutzt. Unter diesen nehmen die Eisenbahnen
die hervorragendste Stelle ein. Ihre weite Verbreitung und die Schnelligkeit, »nt der
die Beförderung auf ihnen stattfindet, haben die Postvermaltnng veranlaßt, von dem ihr
zustehenden Rechte, sich zur Fortschaffung der Postgegenstände der Eisenbahnen zu be
dienen, in ausgiebigstem Maße Gebrauch zu machen. Den Eisenbahnen in Deutschland
liegt gesetzlich die Verpflichtung ob, mit jedem regelmäßig verkehrenden Zuge auf Ver
langen der Postverwaltung einen von dieser gestellten Wagen unentgeltlich mitzunehmen.
Die freie Beförderung erstreckt sich auch auf den Inhalt des Wagens, soweit solcher aus
Briefsendungen, Zeitungen, Gold, Silber, Juwelen, Pretiosen und aus Paketen bis zum
Einzelgewichte von 10 kg besteht. Ferner steht dem zur Begleitung der Sendungen und
zur Verrichtung des Dienstes unterwegs erforderlichen Postpersonal freie Mitfahrt in
dem Wagen zu. Es mag auf den ersten Blick unbillig erscheinen, daß den Eisenbahnen