Full text: error

808 
Posten und Postwesen. 
Sie ist diesem Institute durch ein Parlamentsmitglied geschenkt und im Laufe der Jahre 
immer mehr vergrößert worden, so daß sie jetzt außer einer großen Menge von Brief 
umschlägen, Postkarten, Streifbändern u. s. w. über 200000 Briefmarken umfaßt und 
einen Wert von mehr als einer Million Mark repräsentiert. 
Die Diensträume für den Betrieb der Postanstalten befanden sich ehedem meisten 
teils in wenig befriedigendem Zustande. Sie waren eng, niedrig und dumpfig, so daß 
der dauernde Aufenthalt in ihnen für die Beamten nicht selten eine Schädigung der Ge 
sundheit mit sich brachte. Das Publikum erhielt seine Abfertigung entweder auf dem 
Hausflur oder wohl gar auf der Straße an dem Fenster der Pvststnbe, wo es der Zug 
luft und den Unbilden der Witterung ausgesetzt war. Diese elenden Zustände sind jetzt 
überall beseitigt. Namentlich hat sich der Generalpostmeister von Stephan durch Her 
stellung oder Anmietung besserer Dienstränme große Verdienste erworben. Während der 
Zeit seiner Amtsthätigkeit an der Spitze der Postverwaltuiig sind gegen 300 reichseigene 
Posthäuser mit einem Kostenanfwande von nahezu 120 Millionen Mark neu errichtet 
oder umgebaut worden, deren äußere Gestalt der Würde des Reichs entspricht, und deren 
innere Einrichtung ebenso den Bedürfnissen des Dienstes wie den Anforderungen der 
Hygiene im vollsten Maße gerecht wird. Die für das Publikum bestimmten Räume sind 
dabei im allgemeinen mit einer besseren Ausstattung bedacht worden als die sonstigen 
Diensträume. Überall findet man bei den Postämtern schöne, hohe und geräumige Schalter 
vorzimmer, die gegen Zugluft geschützt sind und in der kalten Jahreszeit erwärmt werden. 
Sie gewähren den an den Postschaltern verkehrenden Personen einen behaglichen Aufenthalt 
und sind mit Schreibvorrichtungen zum allgemeinen Gebrauche versehen. Welch ein Ab 
stand gegen früher! Und wie sticht erst das Äußere der reichseigenen Posthäuser gegen 
die Bauten der meisten anderen Verwaltungen ab? Hier büreaukratisches Schablonen 
wesen, dort wahrhaft künstlerisches Schaffen. Unter den Fassaden der Posthäuser findet 
man die verschiedensten Baustile vertreten, je nachdem der eine oder der andere davon sich 
für den betreffenden Ort als passender erwies. Die Bauten sind alle mit gutem, dauer 
haftem Material in gediegener, zum Teil kunstvoller Arbeit, doch ohne Luxus ausgeführt, 
so daß sie Zierden der Städte bilden und schon mehrfach zur Nachahmung angeregt haben. 
Für diejenigen Postämter, zu deren Unterbringung reichseigene Posthäuser nicht zur Ver 
fügung stehen, werden die Dienstränme mietweise beschafft. Die Anmietung geschieht ent 
weder für unmittelbare Rechnung der Pvstkasse oder durch den Post-Amtsvorsteher ans 
seine Kosten. In letzterem Falle erhält er aus der Postkasse eine angemessene Miets 
entschädigung. Wie sehr die Verwaltung bestrebt gewesen ist, für den Postbetrieb auch 
mietweise bessere Räume zu gewinnen, geht daraus hervor, daß der Etatsansatz zur An 
mietung von Postdiensträumen, der 1877/78 erst 2170000 Mark betrug, 1896/97 die 
Höhe von 6464000 Mark erreichte. Bei den kleineren Postanstalten (Postagenturen), 
deren Betrieb nur wenig Raum erfordert, werden die Postdienstgeschäfte meist in Zimmern 
verrichtet, die auch noch zu anderen Zwecken dienen. Die Zahlung einer besonderen 
Mietsentschädigung findet hier nicht statt. 
Als Transportmittel werden von der deutschen Reichspost Eisenbahnen, Fuhr 
werke, Fußboten und Schiffsgelegenheiten benutzt. Unter diesen nehmen die Eisenbahnen 
die hervorragendste Stelle ein. Ihre weite Verbreitung und die Schnelligkeit, »nt der 
die Beförderung auf ihnen stattfindet, haben die Postvermaltnng veranlaßt, von dem ihr 
zustehenden Rechte, sich zur Fortschaffung der Postgegenstände der Eisenbahnen zu be 
dienen, in ausgiebigstem Maße Gebrauch zu machen. Den Eisenbahnen in Deutschland 
liegt gesetzlich die Verpflichtung ob, mit jedem regelmäßig verkehrenden Zuge auf Ver 
langen der Postverwaltung einen von dieser gestellten Wagen unentgeltlich mitzunehmen. 
Die freie Beförderung erstreckt sich auch auf den Inhalt des Wagens, soweit solcher aus 
Briefsendungen, Zeitungen, Gold, Silber, Juwelen, Pretiosen und aus Paketen bis zum 
Einzelgewichte von 10 kg besteht. Ferner steht dem zur Begleitung der Sendungen und 
zur Verrichtung des Dienstes unterwegs erforderlichen Postpersonal freie Mitfahrt in 
dem Wagen zu. Es mag auf den ersten Blick unbillig erscheinen, daß den Eisenbahnen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.