Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Postdiensträume.  Posttransportmittel.  809
ein  solches  Maß  unentgeltlicher  Leistungen  zu  gunsten  der  Post  auferlegt  ist.  Betrachtet  man
die  Sache  aber  genauer,  so  wird  man  finden,  daß  das  Verfahren  seine  volle  Berechtigung
hat.  Vor  Entstehung  der  Eisenbahnen  hatten  die  Posten  für  die  Vermittelung  nicht  nur
des  Briefverkehrs,  sondern  auch  des  Personen-  und  eines  großen  Teils  des  Güterverkehrs
zu  sorgen.  Als  dann  Schienenwege  hergestellt  wurden,  wählte  man  dazu  natürlich  die
verkehrsreichsten  und  einträglichsten  Linien.  Die  Überschüsse,  welche  die  Post  auf  diesen
Linien  erzielt  hatte,  waren  zum  Teil  dazu  verwendet  worden,  minder  verkehrsreichen
Gegenden  die  Vorteile  regelmäßiger  Verkehrsverbindungen  zuzuwenden,  zum  Teil  dienten
sie  mit  zur  Bestreitung  der  Ausgaben  für  allgemeine  Staatsbedürfnisse.  Nachdem  die
Eisenbahnen  die  Post  aus  ihren  den  meisten  Gewinn  abwerfenden  Stellungen  verdrängt
hatten,  hätte  die  letztere  fernerhin  weder  Beiträge  zur  Bestreitung  der  Staatsausgaben
liefern,  noch  diejenigen  Gegenden,  in  denen  Verkehrseinrichtungen  sich  nicht  genügend
bezahlt  machen,  mit  solchen  bedenken  können.
Dadurch  wäre  also  nicht  nur  der  Staat,  sondern ­
  auch  der  hilfsbedürftigere  Teil  der  Bevölkerung ­
  benachteiligt  worden.  Es  war  daher ­
  nur  ein  Akt  der  Gerechtigkeit,  bei  Konzessiouierung
  der  Eisenbahnen  von  diesen  für
die  ihnen  von  der  Post  abgetretenen  Rechte
Gegenleistungen  zu  verlangen,  durch  welche  die
Post  in  den  Stand  gesetzt  wurde,  dem  Staat
und  der  Bevölkerung  das  bis  dahin  Gebotene
auch  ferner  zu  leisten.  Die  beanspruchten  unentgeltlichen ­
  Dienste  der  Eisenbahnen  sind  gewissermaßen ­
  als  eine  diesen  auferlegte  Steuer
anzusehen,  die  für  sie  um  so  weniger  drückend
ist,  als  von  ihnen  dafür  besondere  Aufwendungen ­
  nicht  zu  machen  sind.
Post  und  Eisenbahn  sind  keineswegs
Konkurrenten  auf  dem  Gebiete  des  Transportwesens. ­
  Während  die  Eisenbahnen  zum  Teil
nach  und  nach  die  Personen-  und  Güterbeförderung ­
  absorbieren  werden,  bleibt  der  Post  vorzugsweise ­
  die  Aufgabe,  den  allgemeinen  Gedankenverkehr ­
  in  der  ganzen  Nation  und  mit
fremden  Völkern  zu  vermitteln.  Will  sie  diesen  sie.  Inneres  eines  Eisrnbahnpogwogens.
hohen  Beruf  vollständig  erfüllen,  so  muß  sie
die  geflügelte  Eile  der  Lokomotive  sich  nutzbar  machen.  Anfangs  geschah  dies  in  der
Weise,  daß  die  an  den  Eisenbahnen  gelegenen  Postanstalten  sich  gegenseitig  die  Postsachen ­
  in  Briefpaketeu,  Briefbeuteln  u.  s.  w.  mittels  der  Eisenbahn  zusandten.  Als  aber
die  Ausbreitung  der  Eisenbahnen  immer  größere  Fortschritte  machte,  war  ein  solcher
Verkehr  zwischen  den  sämtlichen  Eisenbahnpostanstalten  nicht  mehr  möglich.  Man
schritt  deshalb  dazu,  einen  Teil  des  Versendungsdienstes  auf  die  Schiene«  zu  verlegen
und  in  Eisenbahnwagen  Postbureans  einzurichten,  welche,  mit  den  Zügen  dahinbrausend, ­
  die  Entgegennahme  und  Ablieferung  der  Postsendungen  auf  den  einzelnen
Stationen  besorgen  und  während  der  Fahrt  die  empfangenen  Gegenstände  nach  ihren
Bestimmungsorten  sondern  und  zur  Ablieferung  bereit  stellen.  Je  schneller  die  Fahrt,
desto  größer  die  Eile,  mit  welcher  diese  Geschäfte  erledigt  werden  müssen.  Die  Eisenbahnwagen, ­
  in  welchen  der  Dienst  wahrgenommen  wird,  unterscheiden  sich  äußerlich
nicht  erheblich  von  den  Personenwagen,  sind  aber  im  Inneren  dem  Zwecke  entsprechend
eingerichtet.  Sie  enthalten  meist  einen  Geschäftsraum,  in  welchem  die  Briefschaften  bearbeitet ­
  werden,  und  einen  etwas  größeren  Packraum  zur  Niederlegung  der  Pakete.  Der
erstere  Raum  ist  mit  der  nötigen  Anzahl  von  Brieffächern  ausgestattet,  um  darin  die
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