Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

812 Posttransportmittel. 
vielfach nachgeahmt worden. Nunmehr wurde auch dem Postwagenban größere Auf 
merksamkeit zugewendet. Die Erfindung der Federn und die Anwendung eiserner Achsen 
machten es mögliche Fahrzeuge von sanfterer Gangart herzustellen. Das Innere der 
Personenpostwagen richtete man nach und nach immer bequemer ein, und der äußeren 
Gestalt aller Postwagen gab man ein gefälligeres Aussehen. Ihre Farbe blieb die frühere, 
gelbe. Sie haben aber ihre Schwerfälligkeit verloren und rollen jetzt auf gut unter 
haltenen Straßen leicht dahin. Die gewöhnlichen Personenpostwagen sind hinten mit 
einem Magazine und vorn unter dem Postillonssitze mit einem Behältnisse zur Aufnahme 
von Postsendungen versehen. Bei den Omnibus-Postwagen finden letztere teils unter 
dem Postillonssitze, teils auf dem Verdecke Platz. Die bei den Posten als Hauptwagen 
kursierenden Fahrzeuge werden in der Regel für unmittelbare Rechnung der Postkasse 
angeschafft und unterhalten, die Beiwagen dagegen meistens von den Posthallern gegen 
Entschädigung hergegeben. Die Gestellung der Postillone und Pferde zu den Postfuhren 
erfolgt durch kontraktlich angenommene Posthalter gegen fest verabredete Vergütungs 
sätze. Nur in Berlin, Köln a. Rh. und Düsseldorf wird der Postfuhrbetrieb durch reichs 
eigene Posthaltereien von der Postverwaltung selbst wahrgenommen, weil an diesen 
Orten geeignete Unternehmer zu annehmbaren Bedingungen nicht haben gewonnen werden 
können. Die genannten drei Posthaltereien zählten im Jahre 1898 zusammen 922 
Postillone und 1259 Pferde. 
Außer den vorerwähnten Postengattungen, deren Unterhaltung für unmittelbare 
Rechnung der Postkasse erfolgt, finden auf Landstraßen zu Postbeförderungen auch noch 
Privatfuhrwerke Verwendung. Die Unternehmer empfangen dafür angemessene Ver 
gütungen aus der Postkasse. Die Abgangs- und Ankunftszeiten dieser Fuhrwerke bestimmt 
alsdann die Postverwaltung. 
Die frühere Stafettenbeförderung d. i. die sofortige Weiterbeförderung von be 
sonders aufgegebenen, nicht umfangreichen Gegenständen durch reitende oder fahrende 
Postillone hat mit der weiteren Ausbreitung der Eisenbahnen und Telegraphen ihre 
Bedeutung eingebüßt und ist jetzt ganz aufgehoben. Auch der Gebrauch der Extraposten 
mit ihrem Systeme geregelten Pferdewechsels behufs Weiterbeförderung von Reisenden, 
die sich weder eigener Pferde noch sonstiger Personenfuhrgelegenheiten bedienen wollen, 
ist sehr zurückgegangen. Es sind deren im ganzen deutschen Reichspostgebiete 1898 nur 
370 gestellt worden. 
Zur Fortschaffung der Postsachen auf Wasserstraßen werden Schiffsgelegen- 
heiteu benutzt. Preußen besaß früher auf der Ostsee eigene Postdampfer. Die deutsche 
Reichspost verfügt nicht über solche, sie läßt ihre Sendungen vielmehr durch Schiffe be 
fördern, die anderen Unternehmern gehören, und zahlt dafür entsprechende Vergütungen. 
Besonders umfangreich ist der Seepostverkeyr zwischen Deutschland und den Ver 
einigten Staaten von Amerika. Um an den Endpunkten der Seepostkurse die weiter 
gehenden Sendungen so schnell wie möglich auf die anschließenden Postrouten überführen 
zu können, wurden 1891 zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten besondere 
Seeposten eingerichtet, bei denen die Postgegenstände für die sofortige Weilersendung 
während der Seefahrt durch Postbeamte in ähnlicher Weise vorbereitet werden, wie es 
in den Bahnposten geschieht. Im Jahre 1898 machten diese Seeposten von Deutschland 
nach Amerika 75 Fahrten und nahmen auf jeder Fahrt durchschnittlich 147 000 gewöhn 
liche Briefe, 2203 Einschreibbriefe und 193 Säcke Drucksachen und Warenproben mit; 
in umgekehrter Richtung legten sie 76 Fahrten zurück und beförderten jedesmal im Durch 
schnitt 53 000 gewöhnliche Briefe, 712 Einschreibbriefe und 78 Säcke mit Drucksachen 
und Warenproben. 
Standen der deutschen Reichspost zur Vermittelung des Postverkehrs mit Amerika 
verschiedene von deutschen Häfen ausgehende Dampfschiffsverbindungen zu Gebote, so 
war dies hinsichtlich des überseeischen Verkehrs mit Asien, Afrika und Australien 
nicht der Fall. Zur Beförderung ihrer Sendungen nach diesen Erdteilen mußte sie sich 
vielmehr stets ausländischer Schiffe bedienen. Um diesem der Würde des Reichs wenig
	        
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