Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Belgien.  Dieses  großartige  Institut,  das  man  noch  heutzutage  in  verschiedenen  Ländern
gar  nicht  kennt,  hat  in  Deutschland  jetzt  eine  solche  Ausdehnung  erreicht,  daß  nicht  bloß
jede  Ortschaft,  sondern  sogar  jedes  einzeln  stehende  Haus  mit  Ausnahme  des  Sonntags
täglich  Postverbindung  hat.
Namentlich  ist  seit  1880
zur  Verbesserung  der  Landbestelleinrichtungen ­
  sehr  viel
geschehen.  Die  Einrichtung
von  Posthilfsstellen  in
den  ländlichen  Ortschaften
hat  den  Bewohnern  der  letzteren ­
  die  Annehmlichkeit
verschafft,  am  Orte  selbst
jederzeit  Sendungen  einliefern ­
  und  Postfreimarken
ankaufen  zu  können,  ohne
erst  die  Ankunft  des  Landbriefträgers ­
  abwarten  zu
müssen.  Ferner  ist  für  viele
Orte  die  Zahl  der  Verbindungen ­
  vermehrt  worden.
Während  1880  eine  werktäglich ­
  zweimaligeBestellung
der  Postsachen  nur  nach  sr».  Ui-rMiger  Gmmbuspostwugen.
3015  Landorten  stattfand,
war  dieselbe  im  Jahre  1895  bereits  auf  72  771  Orte  ausgedehnt.  Nach  979  Orten
fand  sogar  eine  täglich  drei-  oder  mehrmalige  Bestellung  statt.  Auch  hat  die  Postverwaltung ­
  durch  Einführung  der  Sonntagsbestellung  nach  einer  bedeutenden  Anzahl  von
Orten  dem  hervorgetretenen  bezüglichen  Verkehrsbedürfnisse ­
  in  zuvorkommendster  Weise  Rechnung
getragen.  Eine  wesentliche  Beschleunigung  des
Bestell-  und  Beförderungsdienstes  ist  durch  Ausrüstung ­
  einer  Anzahl  von  Landbriefträgern  mit
Fuhrwerk  erreicht  worden.  Nebenbei  bietet  diese
neue  Einrichtung  den  Landbewohnern  eine  oft  sehr
erwünschte  Reisegelegenheit  dar.  Im  Jahre  1898
gab  es  im  deutschen  Reichspostgebiete  schon  2365
fahrende  Landbriefträger.  Die  Zahl  der  bei  den
Postanstalten  für  Landbewohner  eingegangenen
Sendungen  hat  1895  sich  ans  494  Millionen  belaufen. ­
  Davon  sind  40  Millionen  abgeholt,  die
übrigen  den  Adressaten  ins  Hans  gebracht  worden.
Zur  Bestellung  dieser  Sendungen  hat  das  damals
beinahe  30  000  Mann  zählende  Landbriefträgerpersonal ­
  zusammen  eine  Wegestrecke  von  204  Millionen ­
  Kilometer  im  Jahre,  oder  560  000  km
täglich,  d.  i.  das  Vierzehnfache  des  Erdnmkreises
zurückzulegen  gehabt,  und  es  sind  dafür  über  ^4.  Deutscher  Landbri-ftr-s-r.
19  Millionen  Mark  aufgewendet  worden.  Die
überall  gern  gesehenen  Landpostboten,  welche  mit  ihrer  ledernen  Tasche  von  Dorf  zu
Dorf  wandern  und  ihre  Ankunft  in  den  Orten  durch  den  schrillenden  Ton  einer  Metallpfeife ­
  verkünden,  wirken  segensreicher  auf  den  Verkehr  als  das  Begehen  der  Bezirke
durch  den  Gendarmen,  so  nötig  dieser  auch  sein  mag.  Mit  jedem  Briefgange  wird
            
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