Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

826 Der Weltpostverein. 
gestelltes Floß, welches von Eilboten zum Übersetzen von Flüssen benutzt und durch 
Männer, welche neben dem Floß herschwimmen, geleitet wird. Ähnlich ist ein Floß, 
welches aus irdenen Töpfen und einem von den Eingeborenen gebrauchten Bett (Dscharpai) 
zusammengesetzt ist. Originell ist auch die Figur der Hurkara. Es sind dies Postboten, 
welche den Postsack über den Rücken geschnallt oder an einem Stock tragen, der an einem 
Ende mit kleinen Glöckchen, am anderen mit einem Spieß versehen ist. Die Glöckchen 
sollen giftige Reptilien verscheuchen und zugleich die Ankunft der Post verkünden. Die 
Abbildungen zeigen schließlich noch eine Kamelpost sowie einen Postboten auf dem Reit 
rad. In der japanischen Sammlung fällt uns besonders die bildliche Darstellung des 
gesamten Betriebes der japanischen Post in 16 auf weißer Seide gemalten Aquarellen 
auf. Außerordentlich reichhaltig ist die chinesische Abteilung, in der wir u. a. ver 
schiedene Bootmodelle, z. B. ein Ma-lom-teng (d. h. Pantoffelboot), das zur Be 
förderung eiliger Briefschaften auf dem Kantonflusse benutzt wird, ferner einen amtlichen 
Fußboten von der Insel Formosa, der von seinen Landsleuten „Tausendmeilenpferd" 
genannt wird, auch einen kaiserlichen Kabinettskurier finden. 
In den Abteilungen 8 bis 20 sind Gegenstände dargestellt, die auf das Telegraphen 
wesen Bezug haben. Die Abteilungen 21 bis 23 enthalten Urkunden und sonstige 
Schriftstücke, Bücher und Karten aus dem Verkehrsgebiete. In der 24. Abteilung wird 
uns eine sehr reichhaltige Sammlung von größtenteils unentwerteten Postfreimarken, 
Briefumschlägen, Formularen nebst Druckplatten und Stempeln vorgeführt, während die 
Abteilungen 25 bis 27 Büsten, Reliefbilder, Porträts, Denkmünzen und Verschiedenes 
darbieten. Das ganze, mit großem Fleiß zusammengetragene und wohlgeordnete Material 
des Reichspostmuseums bildet schon jetzt eine vorzügliche Illustration der Entwickelung 
des Verkehrswesens in allen Weltteilen. 
Der Weltpostverein. Wenn im Laufe der letzten Jahrzehnte die Wirtschaft 
immer mehr die nationalen und staatlichen Schranken durchbrach und zurWeltwirtschaft 
wurde, so konnte es nicht fehlen, daß das den Briefwechsel umfassende Verkehrsmittel 
auch immer mehr zu einem internationalen wurde. Verhindert wurde dieser Prozeß 
lange Zeit durch die Hemmnisse, welche in der Verschiedenheit der postalischen Ein 
richtungen der- einzelnen Staaten, in der Schwerfälligkeit des Übergangs aus einem 
Postgebiet in ein anderes, in der Engherzigkeit bei Abwickelung der Abrechnungen der 
verschiedenen Postverwaltungen untereinander und in der Höhe der Tarife für den 
internationalen Briefwechsel bestanden. 
Einen Anfang für die Erweiterung des deutschen Wirtschaftsgebietes hatte bereits 
der deutsch-österreichische Postverein gemacht. Auf Einladung der Vereinigten Staaten 
von Amerika traten im Jahre 1863 zu Paris Abgeordnete verschiedener Postverwaltungen 
zusammen, um für die Abschließung internationaler Postverlräge gewisse einheitliche 
Grundsätze zu vereinbaren. Die Ergebnisse dieser Konferenz entsprachen jedoch nicht 
den Erwartungen. 
Der deutschen Postverwaltung und vor allem ihrem ersten Chef, dem Staats 
sekretär Or. von Stephan, gebührt der Ruhm, die Anschauungen der Weltwirtschaft 
gegenüber allen kultivierten Staaten der Welt zur Geltung gebracht zu haben. Auf 
seine Anregung kamen im September 1874 Bevollmächtigte der Pvstverwaltungen von 
22 Staaten in Bern zusammen, um den von ihm entworfenen Plan der Gründung 
eines allgemeinen Postvereins zu beraten, und schon am 9. Oktober desselben Jahres 
wurde der aus diesen Beratungen hervorgegangene internationale Postvertrag unter 
zeichnet, welchem nach und nach fast alle Kulturländer der Welt beigetreten sind. Im 
Jahre 1875 umfaßte der Verein ein Gebiet von 33Üg Millionen Quadratkilometern 
mit ungefähr 332 Millionen Bewohnern; 1898 war das Vereinsgebiet auf 111 Millionen 
Quadratkilometer mit 1071 Millionen Bewohnern angewachsen. 
Das einfache Vereinsbriefporto beträgt allgemein 25 Centimes (20 Pfennig). 
Wenn man bedenkt, daß noch vor 30 Jahren ein frankierter Brief von Deutschland nach 
den Vereinigten Staaten von Amerika 1 Mark 20 Pfennig und nach der Westküste von
	        
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