Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Volkswirtschaft.

auszuschließen  und  den  Staat  zu  einem  selbständigen  Wirtschaftsgebiete  zu  machen,  das
alles  Notwendige  innerhalb  seiner  eigenen  Grenzen  hervorbringt,  so  ging  man  jetzt  von
dem  Grundsätze  aus,  daß  vernünftigerweise  jedes  Land  sich  auf  die  Hervorbriugung  jener
Erzeugnisse  werfen  solle,  aus  die  es  seiner  Natur  nach  angewiesen  ist.  Der  Grundsatz
der  internationalen  Arbeitsteilung  und  des  wechselseitigen  Austausches  der  Produkte  beherrschte ­
  unter  dem  Schlagworte  des  Freihandels  die  Handelspolitik  der  Staaten  um
die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts.  Ein  neues  Zeitalter  schien  angebrochen,  das  der
Weltwirtschaft.  Die  ungeahnte  Entwickelung,  die  das  Verkehrswesen  durch  Eisenbahn
und  Dampfschiffahrt  nahm,  schien  diese  Entwickelung  zu  fördern.  Gleichzeitig  erlitt  die
industrielle  Produktion  durch  eine  Reihe  von  Erfindungen  auf  dem  Gebiete  des  Maschinenwesens ­
  und  durch  Dienstbarmachung  der  Dampfkraft  eine  tiefgreifende  Umwälzung,  der
fabriksmäßige  Großbetrieb  wurde  die  herrschende  Betriebsform.  Ihren  Ausgang  nahm
diese  Entwickelung  von  England,  das  dank  seiner  insularen  Lage  von  den  das  Festland
durchtobenden  Kriegsstürmen  verschont  geblieben  war,  ja  durch  eine  Erweiterung  seines
Kolonialbesitzes  aus  denselben  nur  neue  Kräfte  gezogen  hatte  und  jetzt  allen  anderen
Staaten  in  der  Entwickelung  voraneilte.  Es  schien  zur  Zentralwerkstätte  der  Welt  geworden ­
  zu  sein.  Bald  war  seine  Landwirtschaft  nicht  mehr  imstande,  die  infolge  der
industriellen  Entwickelung  rasch  wachsende  Bevölkerung  zu  ernähren.  Es  wurde  daraus
angewiesen,  einen  Teil  seines  Getreidebedarses  regelmäßig  von  außen  einzuführen.  Mit
der  Vielseitigkeit  und  dem  Umfange  seiner  Industrie  stieg  gleichzeitig  sein  Bedarf  an
fremden  Rohstoffen,  und  den  Gegenwert  für  diese  massenhafte  Einfuhr  mußte  es  in  der
Ausfuhr  seiner  Jndustrieprodukte  suchen.  Dieser  Umstand  und  der  Vorsprung,  den  es
in  industrieller  Beziehung  vor  den  übrigen  Staaten  erlangt  hatte,  machte  es  zum  naturgemäßeu
  Vertreter  des  Freihandels,  denn  er  bedeutete  für  England  den  ungehinderten
Absatz  seiner  überlegenen  Industrie  ins  Ausland  und  den  ungehinderten  Bezug  von
Nahrungsmitteln  und  Rohstoffen.
Mittlerweile  hatte  sich  jedoch  auf  dem  Fcstlande  ein  Umschlag  in  den  Verhältnissen
vorbereitet.  Die  lange  Friedensperiode  in  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrh,  hatte  in  den
festländischen  Staaten  zu  einer  Erstarkung  ihrer  eigenen  Volkswirtschaft  geführt.  Die
nationale  Idee,  geboren  unter  dem  Donner  der  Napoleonischen  Kriege,  empfing  eine
mächtige  Förderung  aus  der  Erkenntnis,  daß  die  kleinen  Splitterstaaten,  in  welche  die
bis  dahin  noch  nicht  national  geeinten  Völker  zerfielen,  den  großen  wirtschaftlichen  Aufgaben ­
  der  neuen  Zeit  nicht  gewachsen  seien.  Man  wies  darauf  hin,  daß  der  Freihandel
wohl  für  das  vorgeschrittene  England,  nicht  aber  für  die  zurückgebliebenen  Staaten  des
Festlandes  die  angemessene  Handelspolitik  sei,  mau  verlangte  die  Bildung  eines  großen
deutschen  Wirtschaftsgebietes,  als  der  ersten  Voraussetzung  einer  kräftigen  Entwickelung
der  deutschen  Volkswirtschaft,  und  die  Rückkehr  zu  einem  System  des  Schutzzolles  gegen
die  übermächtige  Industrie  Englands,  deren  Konkurrenz  die  Entfaltung  einer  heimischen
Industrie  in  den  übrigen  Staaten  unmöglich  machte.  Der  erste  Ausdruck  dieser  Bestrebung ­
  war  die  Bildung  des  deutschen  Zollvereins.  Es  folgte  in  den  Jahren  1866
und  1871  die  politische  Einigung  Deutschlands  und  Italiens.
Damit  beginnt  ein  neuer  Abschnitt  zunächst  für  die  wirtschaftliche  Entwickelung
dieser  Länder,  weiterhin  aber  für  die  Volkswirtschaft  überhaupt.  Der  Bestand  einer
starken  Zentralgewalt  im  nationalen  Einheitsstaat,  welche  volle  Machtentfaltung  nach
außen,  stetige  Entwickelung  im  Inneren  sicher  stellt,  war  die  Grundlage  der  wirtschaftlichen
Blüte  in  Frankreich  und  England.  Verspätet  war  diese  Grundlage  jetzt  auch  in  Deutschland ­
  und  Italien  geschaffen  worden,  und  in  Deutschland  war  damit  der  plötzliche  Aufstieg ­
  zu  einer  Machtstellung  ersten  Ranges  verbunden.  Naturgemäß  suchte  man  nunmehr
auch  auf  wirtschaftlichem  Gebiete  das  Versäumte  nachzuholen.  Anfänglich  widerstrebend
begann  man  auf  die  Mittel  der  merkantilistischen  Politik  teilweise  zurückzugreifen.  Wollte
man  die  eigene  Industrie  entwickeln,  so  war  ihr  Schutz  gegen  die  Konkurrenz  der  vorgeschrittenen ­
  Industriestaaten  des  Westens,  vor  allen  Englands,  ein  unerläßliches  Gebot
der  Notwendigkeit.  Nach  derselben  Richtung  hin  drängte  die  von  dem  Wettbewerbe  der
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