Die Volkswirtschaft von heute.
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Volks- und Weltwirtschaft von heule.
Allgemeines.
Das Bild des wirtschaftlichen Entwickelungsganges der Menschheit, wie es der vor
angegangene Abschnitt zu entwerfen versucht, bedarf einer Ergänzung durch eine Dar
stellung der in der Gegenwart wirksamen wirtschaftlichen Kräfte. Diese Darstellung wird
zunächst ausgehen müssen von einer Übersicht über die Ausdehnung und die Bevölkerung
der einzelnen Staaten. Denn wie der Boden die Grundlage aller Wirtschaft, so ist der
Anteil der einzelnen Völker an der bewohnten Erdoberfläche eine der grundlegenden Vor
aussetzungen für ihre weitere Entwickelung und dies in um so höherem Grade, je mehr
die Entwickelung auf die Bildung großer selbständiger Wirtschaftsgebiete und auf die
wirtschaftliche Abschließung der Nationen von einander hingeht. Der Landbesitz eines
Volkes bildet gewissermaßen den äußeren Rahmen für die Weiterentfaltung seiner wirt
schaftlichen Kräfte, den freien Ellbogenraum, den es sich im Wettbewerb der Völker für
die Zukunft vorweg gesichert hat, vorausgesetzt, daß es auch die Kraft besitzt, ihn gegen
die andringenden Nebenbuhler zu behaupten.
Den Maßstab für das Vorhandensein dieser Kraft, für die Fähigkeit eines Volkes,
sein äußeres Machtgebiet sich nutzbar zu machen, es zu behaupten und zu erweitern,
bildet zunächst die Größe und die Bewegung der Bevölkerung, sowie ander
seits die Art ihrer beruflichen Gliederung ein Bild feiner wirtschaftlichen Eigen
art liefert.
Vervollständigt wird dieses von der Betriebsstatistik, welche die in den landwirt
schaftlichen und gewerblichen Betrieben vollzogene Vereinigung der sachlichen und persön
lichen Produktivkräfte zur Darstellung bringt und hinüberleitet gxtr, SBefjjred&ung der Er
zeugung und des Verbrauches der wichtigsten Welthandelsgüter und der Bedeutung, welche
die einzelnen Produktionsländer hiefür besitzen. An diese reiht sich naturgemäß die
Darstellung des Güteraustausches zwischen den verschiedenen Produktionsgebieten des
Welthandels und der Stellung, welche die verschiedenen Völker darin einnehmen. Zum
Schlüsse soll versucht werden, das Ergebnis, das die wirtschaftliche Thätigkeit für ihren
Wohlstand, für die Höhe des Volkseinkommens und Volksvermögens in den ein
zelnen Ländern hatte, übersichtlich zur Darstellung zu bringen.
Boden und Bevölkerung.
Flächeninhalt und Bevölkerung der einzelnen Staaten.
Die jüngsten Zählungen und Schätzungen ergeben für die einzelnen Staaten und
die von ihnen beherrschten Gebiete die in der auf S. 888 bis 891 folgenden Tabelle
zusammengestellten Zahlen.
Diese Ziffern reden eine eindringliche Sprache. Sie sind ein Beleg für das, was
in dem vorangegangenen Abschnitte über die Bildung großer Wirtschaftsgebiete, über die
Macht- und Wirtschaftspolitik der großen Weltmächte gesagt wurde.
An der Spitze aller Knlturstaaten steht in Bezug auf die Ausdehnung seines Macht
kreises England; rund ein Viertel der bewohnten Erde und ein noch größerer Teil ihrer
Belvohnerschaft — einschließlich Ägyptens und des Sudans 25,7% — gehören dem
britischen Weltreiche an. Während die englischen Staatsmänner in ihren Reden be
teuerten, daß „der Grundzug der englischen Politik ein strenger Konservatismus sei,
tveil England wünsche, daß die Dinge so verbleiben, wie sie sind, weil es nach außen
hin nichts begehre", hat das britische Reich seinen Gebietsumfaog seit 1866 von
12,8 auf 32,17 oder mit Einrechnnng Ägyptens und des Sudans sogar auf 34,ie Millionen
Geviertkilometer ausgedehnt. Scheinbar war es ein friedliches Wachstum und thatsächlich
geschah es ohne Zusammenstoß mit einer gesitteten Macht, durch Verträge mit Barbaren
staaten, hei deren Abschluß allerdings dann und wann mit sanfter Gewalt nachgeholfen