Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

934 
Die Weltwirtschaft. 
arbeitung der Baumwolle nach Norditalien und Venedig verbreitet hatte, drang sie von 
hier im 13. Jahrhundert nach Deutschland vor, wo sich in Ulm und Regensburg eine 
bedeutende Baumwollweberei (Barchentweberei) entwickelte. Mit den Umwälzungen, welche 
die Entwickelung des Seeweges nach Ostindien sür den Welthandel im Gefolge hatte, ging 
die führende Stellung in der Baumwollindustrie auf die Niederlande über, bis gegen Ende 
des 17. Jahrhunderts mit dem Sinken der holländischen Seemacht England an seine Stelle 
trat. Die Erfindung der Spinnmaschine und des mechanischen Webstuhles verschafften 
diesem Lande lauge Zeit eine geradezu herrschende Stellung in der Baumwollindustrie. 
Diese erfuhr noch eine Verstärkung, als im Anfange dieses Jahrhunderts der Anban der 
Baumwolle in Nordamerika in größerem Umfange eingeführt wurde, und die Union die 
alten Produktionsländer Ostindien, Ägypten und Vorderasien an Menge und teilweise 
auch an Güte der erzeugten Baumwolle rasch überflügelte. Die überragende Stellung 
Englands gründete sich jetzt nicht nur auf die hohe Entwickelung seiner Baumwollindustrie, 
sondern auch auf seine günstige Lage zu dem nunmehr wichtigsten Produktionslande des 
Rohstoffes. Der amerikanische Sezessionskrieg, der in den Jahren 1862 — 1864 die 
amerikanische Baumwollausfuhr lahmlegte, verschaffte den anderen Produktivusländern 
wieder eine erhöhte Bedeutung. In dieser Zeit nahm der Anbau der Baumwolle in Ost 
indien, Ägypten und Südamerika wieder einen bedeutenden Aufschwung. Nach Wieder 
herstellung des Friedens in Amerika trat zwar ein Rückschlag ein, doch behaupteten 
diese Länder wenigstens in einem gewissen Umfange die wiedergewonnene Stellung. Viele 
Abnehmer hielten die einmal eingegangenen Verbindungen aufrecht, zum Teil entstand 
auch auf Grund des einheimischen billigen Rohmateriales eine inländische Baumwoll 
industrie, und endlich war der europäische Bedarf an Baumwolle mittlerweile so sehr ge 
stiegen, daß ihn Nordamerika selbst bei den glänzendsten Ernten nicht mehr voll befriedigen 
konnte. Befördert durch Schutzzollmaßregeln erstarkte nämlich die Baumwollindustrie auf 
dem europäischen Festlande, und während in den 30er und 40er Jahren der Baumwoll- 
verbrauch Großbritanniens noch fast doppelt so groß war als derjenige des übrigen 
Europa, bleibt er heute bereits hinter diesem zurück. Endlich hat in Amerika selbst die 
Baumwollspinnerei und -Weberei eine überaus rasche Entwickelung genommen, so daß ein 
großer Teil der amerikanischen Baumwolle im Lande selbst verbraucht wird. 
Heute stehen an der Spitze der Länder, welche Rohbaumwolle erzeugen, die Ver 
einigten Staaten, Ostindien und Ägypten. Letzteres ragt insbesondere durch die Güte 
seiner Erzeugnisse hervor, während die ostindische Baumwolle wegen ihrer kürzeren Faser 
und der weniger sorgfältigen Reinigung hinter der amerikanischen erheblich zurücksteht. 
Eine große Bedeutung, namentlich für den russischen Markt, dürfte mit der Zeit der 
Baumwollbau in Zentralasien (Turkestan) gewinnen. Im Durchschnitt der Jahre 1891 
bis 1899 erreichte die Baumwollernte in den einzelnen Ländern folgende Höhe: 
L ä n d r r 
Millionen 
kt? 
% der 
Wellerrne 
Länder 
Millionen 
kg 
% der 
Welte: nie 
Vereinigte Staaten von 
Afrika außer Ägypten . 
68,1 
2,1 
Nordamerika. . . . 
2038,3 
62,5 
Brasilien 
20,0 
0,7 
Ostindien. - 
497,0 
15,3 
Mexiko 
32,9 
1,0 
Ägypten 
238,7 
7,3 
Westindien 
C,4 
0,01 
Türkei 
14,0 
0,4 
Columbien n. Venezuela 
1,0 
0,02 
Persien 
7,0 
0,2 
Peru 
4,3 
0,1 
Asiatisches Rußland . . 
61,0 
1,9 
Italien 
0,6 
0,02 
China 
258,7 
7,9 
Griechenland .... 
1,7 
0,04 
Japan 
13,0 
0,4 
Australien und andere 
Französisch Cochinchina . 
2,1 
0,5 
Länder 
2,0 
0,08 
Welternte 
3260,8 
100,o 
Von dem im Durchschnitte der Jahre 1886—1890 auf 2116,4 Millionen kg ge 
schätzten Verbrauch an Rohbaumwolle entfielen auf:
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.