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Die Weltwirtschaft.
arbeitung der Baumwolle nach Norditalien und Venedig verbreitet hatte, drang sie von
hier im 13. Jahrhundert nach Deutschland vor, wo sich in Ulm und Regensburg eine
bedeutende Baumwollweberei (Barchentweberei) entwickelte. Mit den Umwälzungen, welche
die Entwickelung des Seeweges nach Ostindien sür den Welthandel im Gefolge hatte, ging
die führende Stellung in der Baumwollindustrie auf die Niederlande über, bis gegen Ende
des 17. Jahrhunderts mit dem Sinken der holländischen Seemacht England an seine Stelle
trat. Die Erfindung der Spinnmaschine und des mechanischen Webstuhles verschafften
diesem Lande lauge Zeit eine geradezu herrschende Stellung in der Baumwollindustrie.
Diese erfuhr noch eine Verstärkung, als im Anfange dieses Jahrhunderts der Anban der
Baumwolle in Nordamerika in größerem Umfange eingeführt wurde, und die Union die
alten Produktionsländer Ostindien, Ägypten und Vorderasien an Menge und teilweise
auch an Güte der erzeugten Baumwolle rasch überflügelte. Die überragende Stellung
Englands gründete sich jetzt nicht nur auf die hohe Entwickelung seiner Baumwollindustrie,
sondern auch auf seine günstige Lage zu dem nunmehr wichtigsten Produktionslande des
Rohstoffes. Der amerikanische Sezessionskrieg, der in den Jahren 1862 — 1864 die
amerikanische Baumwollausfuhr lahmlegte, verschaffte den anderen Produktivusländern
wieder eine erhöhte Bedeutung. In dieser Zeit nahm der Anbau der Baumwolle in Ost
indien, Ägypten und Südamerika wieder einen bedeutenden Aufschwung. Nach Wieder
herstellung des Friedens in Amerika trat zwar ein Rückschlag ein, doch behaupteten
diese Länder wenigstens in einem gewissen Umfange die wiedergewonnene Stellung. Viele
Abnehmer hielten die einmal eingegangenen Verbindungen aufrecht, zum Teil entstand
auch auf Grund des einheimischen billigen Rohmateriales eine inländische Baumwoll
industrie, und endlich war der europäische Bedarf an Baumwolle mittlerweile so sehr ge
stiegen, daß ihn Nordamerika selbst bei den glänzendsten Ernten nicht mehr voll befriedigen
konnte. Befördert durch Schutzzollmaßregeln erstarkte nämlich die Baumwollindustrie auf
dem europäischen Festlande, und während in den 30er und 40er Jahren der Baumwoll-
verbrauch Großbritanniens noch fast doppelt so groß war als derjenige des übrigen
Europa, bleibt er heute bereits hinter diesem zurück. Endlich hat in Amerika selbst die
Baumwollspinnerei und -Weberei eine überaus rasche Entwickelung genommen, so daß ein
großer Teil der amerikanischen Baumwolle im Lande selbst verbraucht wird.
Heute stehen an der Spitze der Länder, welche Rohbaumwolle erzeugen, die Ver
einigten Staaten, Ostindien und Ägypten. Letzteres ragt insbesondere durch die Güte
seiner Erzeugnisse hervor, während die ostindische Baumwolle wegen ihrer kürzeren Faser
und der weniger sorgfältigen Reinigung hinter der amerikanischen erheblich zurücksteht.
Eine große Bedeutung, namentlich für den russischen Markt, dürfte mit der Zeit der
Baumwollbau in Zentralasien (Turkestan) gewinnen. Im Durchschnitt der Jahre 1891
bis 1899 erreichte die Baumwollernte in den einzelnen Ländern folgende Höhe:
L ä n d r r
Millionen
kt?
% der
Wellerrne
Länder
Millionen
kg
% der
Welte: nie
Vereinigte Staaten von
Afrika außer Ägypten .
68,1
2,1
Nordamerika. . . .
2038,3
62,5
Brasilien
20,0
0,7
Ostindien. -
497,0
15,3
Mexiko
32,9
1,0
Ägypten
238,7
7,3
Westindien
C,4
0,01
Türkei
14,0
0,4
Columbien n. Venezuela
1,0
0,02
Persien
7,0
0,2
Peru
4,3
0,1
Asiatisches Rußland . .
61,0
1,9
Italien
0,6
0,02
China
258,7
7,9
Griechenland ....
1,7
0,04
Japan
13,0
0,4
Australien und andere
Französisch Cochinchina .
2,1
0,5
Länder
2,0
0,08
Welternte
3260,8
100,o
Von dem im Durchschnitte der Jahre 1886—1890 auf 2116,4 Millionen kg ge
schätzten Verbrauch an Rohbaumwolle entfielen auf: