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Der Welthandel. Geld und Kreditwesen.
kaukasischen Naphthawerke sind größtenteils in englischem Besitz, und deutsches Kapital
im Betrage von rund 160 Millionen Mark ist in Zweigniederlassungen der deutschen
Elektrizitätsgesellschaften, in Hütten- und Farbwerken angelegt. '
In manchen Ländern hat auch die Hypothekarverschuldung an das Ausland
bedeutenden Umfang angenommen, namentlich dort, wo im Hypothekarkredit die Form
des Pfandbriefes eingebürgert ist. So wird das Defizit der ungarischen Volkswirtschaft, die
gleichfalls mit einer passiven Handelsbilanz zu kämpfen hat, größtenteils durch den Ver
kauf von Bodenpfandbriefen an das Ausland gedeckt. In tropischen Ländern spielt auch
der Erwerb von Plantagenbesitz durch Ausländer eine Rolle. Durch alle diese ver
schiedenen Formen der Kapitalsanlage im Auslande zieht das kapitalreichere Volk einen
Teil des Ertrages der fremden Volkswirtschaft an sich, ähnlich wie im Privatleben der
Gläubiger einen Teil des Einkommens seines Schuldners, und die Einkünfte aus diesen
Anlagewerten werden naturgemäß in erster Linie zur Bezahlung der Rohstoffbezüge aus
den betreffenden Ländern verwendet. Die Kapitalsanlage im Auslande besitzt überdies
noch eine große politische Bedeutung. Die Ausbreitung des Wirtschaftsgebietes
unserer großen Industriestaaten, die moderne Kolonisation, erfolgt nicht nur durch förm
liche Besitzergreifung und Eroberung fremden Landgebietes, sondern in viel größerem
Maße, wenn auch unmerklich und langsam, durch Herbeiführung wirtschaftlicher Abhängig
keit, der oft viel später erst die politische folgt. Ein Beispiel hierfür bieten die Eisenbahn
konzessionen in China und der Türkei, die heute schon von den mit einander um den
Einfluß in diesen Gebieten ringenden Mächten als politische Angelegenheit ersten Ranges
behandelt werden.
Über die Höhe des im Auslande angelegten deutschen Kapitals wurden
im Jahre 1898 von der Reichsregierung Erhebungen veranstaltet. Danach befanden
sich 1214 Milliarden Mark ausländischer Effekten in deutschen Händen, außerdem waren
7 1 /., Milliarden in Industrie und Handel in überseeischen Ländern angelegt, und zwar
in Südamerika 2 Milliarden, in Mittelamerika, Mexiko und Westindieu gegen 1 Mil
liarde, in den Bereinigten Staaten und Kanada über 2 Milliarden, in Afrika ein
schließlich der deutschen Kolonien im ganzen l^/z Milliarden, in der Türkei und den
Balkanstaaten 400—500 Millionen, in Ostasien 370—400, im übrigen Asien 200—250,
in Australien und Ozeanien 560—600 Millionen Mark. Das in Europa, namentlich
in Rußland, Österreich-Ungarn, in den Skandinavischen Staaten und der Schweiz
arbeitende deutsche Kapital wird ungefähr ebenso hoch als das in der Übersee angelegte,
also ebenfalls auf etwa 7 1 / 2 Milliarden Mark eingeschätzt, so daß der gesamte Besitz
Deutschlands an ausländischen Kapitalsanlagen mit 271/2 Milliarden Mark anzunehmen
sein wird. Die gesamten Einnahmen aus dem Ertrage dieses Kapitals werden mit
1300—1400 Millionen beziffert. Schlägt man dazu noch die rund 300 Mill. Mark
betragenden Einnahmen aus der Reederei als die einzige ziffernmäßig bekannte unter
den übrigen Einnahmeposten, so ergibt sich nach Deckung des oben berechneten Fehl
betrages im Warenhandel noch rund eine Summe von 300—400 Millionen als Aktiv
bilanz der deutschen Volkswirtschaft. Die französischen Kapitalsanlagen im Auslande
bleiben heute hinter den deutschen schon erheblich zurück. Dagegen sind diejenigen Eng
lands weitaus größer.
Geld und Kreditwesen.
Das Bestehen eines internationalen Verkehrs bedingt das Vorhandensein eines
internationalen Zahlungsmittels, welches zum Ausgleich der aus dem Verkehre der ver
schiedenen Länder sich ergebenden, nicht durch Warenbezüge gedeckten Forderungen dient.
Dieses Zahlungsmittel muß vor allem die Eigenschaft der Marktgängigkeit haben, d. h. es
muß überall bereitwillig an Zahlungsstatt genommen werden, und man muß sicher sein,
dafür immer und überall andere Waren sich verschaffen zu können. Da es ferner nicht
nur der Wertübertragung sondern auch der Wertaufbewahrung zu dienen hat, muß es
außerdem noch dauerhaft und wertbeständig sein. Es darf weder dem Verderben noch