Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Dic  großen  Hauptlinien  des  Weltverkehrs  zu  Lande.

Kataugazweig  der  Kap—Kairo-Bahn  ist  am  12.  Dezember  1909  dem  Betrieb  übergeben
worden.  Es  sieht  neuerdings  so  aus,  als  ob  dieser  ursprüngliche  Seitcnzweig  sich  allmählich ­
  zur  Hauptstrecke  der  Kap—Kairo-Linie  auswachsen  wird,  indem  durch  weitere  vorhandene ­
  und  geplante  Bahnlinien  im  Kongostaat  schließlich  durch  Katanga  hindurch,  unter
Umgehung  des  Tanganjika  und  über  den  Kongo  hinweg  zum  Nil,  das  Nord-  und  das
Südstück  der  Kap—Kairo-Bahn  bogenförmig  miteinander  verbunden  werden.  Außerdem  aber
wendet  sich  ein  weiterer  Zweig  von  Katanga  nach  Westen  und  lvird  in  wenigen  Jahren  mit
einer  andren  britischen  Bahn  zusammenwachsen,  die  vom  Hafen  Benguella  in  Portugiesisch-Westafrika
  ziemlich  genau  ostwärts  ebenfalls  auf  Katanga  fortschreitet.  Ta  die  Kap—Kairo-Bahn
  von  Bnluwayo  aus  auch  nach  Osten  Anschluß  ans  Meer,  an  den  wichtigen  Hafen  Beira
in  Mozambique,  hat,  so  wird  dann  eine  (späterhin  noch  abzukürzende)  ost-westliche  Überlandbahn ­
  durch  Afrika  zlvischen  Beira  und  Benguella  zustande  kommen.
Solche  afrikanische  Ost-West-Bahnen  werden  sich,  im  Zusammenhang  mit  der  fortschreitenden ­
  Erschließung  der  einzelnen  Kolonialländer,  noch  an  verschiedenen  Stellen
ganz  von  selbst  ergeben.  So  ist  neuerdings  die  Möglichkeit  einer  künftigen  Überlandlinie
Benguella—Daressalam  oder,  im  Anschluß  an  die  1911er  Kongopolitik  des  Teutschen
Reiches  und  unter  Einbeziehung  der  Kongo-Wasserstraße,  von  einer  (zunächst  noch  stark
phantastisch  anmutenden)  deutschen  Überlandlinie  Dnala  —  Daressalam  die  Rede  gewesen. ­
  Und  andrerseits  ertönt  auch  von  Jahr  zu  Jahr  lebhafter  der  Ruf  nach  einem
Anschluß  der  deutschen  Bahnen  an  das  Bahnnetz  Britisch-Südafrikas,  dessen  Herstellung
aber  >vohl  erst  in  Jahrzehnten  erreicht  werden  lvird,  aller  Voraussicht  nach  unter  Benutzung ­
  der  heutigen  Otavibahn  auf  dem  Wege  Swakopmnnd—Caprivizipfel—Viktoriafälle—Bulu ­
  tu  a  l)o—Beira.
Auch  in  Australien  plant  man  energisch  die  Schaffung  von  transkontinentalen  Überlandbahnen, ­
  die  dort  von  besonderer  Bedeutung  sein  würden,  weil  die  wichtigsten  Städte
des  Erdteils  bekanntlich  gerade  im  Südosten,  also  in  den  von  den  Hauptstraßen  des  Weltverkehrs ­
  entferntesten  Teilen  liegen.  Es  handelt  sich  dort  vornehmlich  um  eine  ziemlich
in  der  Mitte  verlaufenden  Nord-Süd-Bahn  zwischen  Port  Darwin  und  Adelaide
und  eine  Ost-West-Bahn  zwischen  Perth  und  Sydney,  die  beide  ungefähr  gleich
wichtig  sein  würden.  —  Tie  erstere  würde  die  im  Norden  vorhandene,  320  km  lange  Bahn
Port  Darwin—Pine  Creek  und  die  im  Süden  befindliche,  1088  km  lange  Bahn  Adelaide—
Oodnadatta  miteinander  verbinden;  zu  diesem  Zwecke  müßten  1711  km  Bahnlinie  durch
großenleits  univirtliches,  menschenarmes,  z.  T.  vollkommen  wüstenartiges  Land  neu  gebaut ­
  werden.  Die  Nord-Süd-Bahn  würde  in  wirtschaftlicher  und  in  strategischer  Hinsicht
für  Australien  von  großer  Bedeutung  sein.  Noch  wichtiger  aber  wäre  sie  für  den  internationalen ­
  Reiseverkehr.  Von  Colombo  ans  Ceylon  bis  Sydney  dauert  gegenwärtig  die
Reise  im  günstigsten  Falle  18,  oft  20—22  Tage.  Künftig  würde  die  Fahrtdaner  sich  auf
15  Tage  verkürzen  lassen,  indem  dic  Reise  von  Colombo  über  Singapore  nach  Port  Darwin
10  Tage,  die  Eisenbahnfahrt  von  Port  Darwin  bis  Adelaide  3  und  von  Adelaide  bis
Sydney  2  Tage  beanspruchen  wird.  Noch  beträchtlicher  wird  die  Zeitersparnis  für  den
wichtigen  Reiseverkehr  zwischen  den  südaustralischen  Hauptstädten  und  Hinterindien,  China
und  Japan  sein.  Von  Adelaide  nach  Ostasien  tviid  man  künftig  12  Tage  schneller  als
gegenwärtig  gelangen  können.  Fährt  man  also  mit  der  Bahn  von  Europa  nach  Talni,
von  dort  zu  Schiff  nach  Port  Darwin  und  schließlich  mit  der  australischen  Nord-Süd-Bahn
nach  Adelaide,  so  ließe  sich  die  Reisedauer,  die  gegenwärtig  von  London  durch  den  Suezkanal ­
  nach  Adelaide  42—43  Tage,  nach  Melbourne  46—47  und  nach  Sydney  49—50
Tage  beträgt,  auf  29  —  32  Tage  abkürzen.
Auch  dic  australische  West-Ost-Transkontinentalbahn  würde  in  erster  Linie  für
Australiens  Wirtschaftsleben  selbst  von  Bedeutung  sein,  daneben  aber  auch  für  den  internationalen ­
  Reiseverkehr,  denn  die  durch  sie  ermöglichte  Vermeidung  der  Schiffahrt  parallel
der  Südküste  Australiens  wird,  wegen  der  oftmals  recht  unruhigen  Beschaffenheit  der  dortigen
Meeresteile,  vielfach  freudig  begrüßt  werden.  Tie  Fahrt  auf  der  nahezu  3000  km  langen
Bahn  würde  freilich  nicht  nur  verhältnismäßig  kostspielig  sondern  auch  etwas  unbequem
            
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