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Kleinere neue Bahnbauten von Bedeutung.
unmittelbarer Anschluß zwischen den schwedischen und finnischen Bahnen noch nicht existiert.
Für das Verkehrsleben ist Skandinavien nicht eine Halbinsel, sondern eine Insel, und
sogar eine solche, die durch ein breiteres Meer als England vom Festland getrennt ist.
Dennoch ist durch einen großartigen Trajektverkehr die Lücke ausgeschaltet, und die Eisen
bahnzüge können zwischen den skandinavischen Reichen und Mitteleuropa verkehren, als
sei kein trennendes Meer vorhanden.
Das erste Trajekt wurde am 1. Oktober 1903 zwischen Warnemünde und
Gjcdser ins Leben gerufen und schafft in zwei Stunden die ganzen Eisenbahnzüge von
Mecklenburg zur Insel Laaland und umgekehrt, so daß man etwa zwischen Berlin und
Kopenhagen in zlvöls Stunden hin- und Herreisen kann, ohne den Eisenbahnwagen zu ver
lassen. Ein zweites, noch größeres Trajekt verkehrt seit dem 6. Juli 1909 zwischen Saß
nitz und Trelleborg und ermöglicht somit auch eine ununterbrochene Reise im Eisen
bahnwagen zwischen Berlin und Stockholm. — Dennoch wird auch damit vielleicht noch
nicht der schnellstmögliche Verkehr erzielt sein, denn die Seefahrt, die so viel langsamer
vor sich geht als die Eisenbahnfahrt, ist immerhin nicht völlig ausgeschaltet, und neuerdings
wird daher immer häufiger ein Projekt erörtert, eine über Fehmarn, Laaland und Seeland ver
laufende „feste Verbindung" zwischen Mitteleuropa und Skandinavien in der Weise zu schaffen,
849. Fährschiff des Trafekts Warnemünde—Gfevser mit der Fährantage in Warnemünde.
daß die nicht tiefen und nicht sehr breiten Meeresarme zwischen jenen Inseln bzw. den
Inseln und dem Festland untertunnelt werden. Doch hat die Verwirklichung dieses an
sich sehr interessanten und aussichtsreichen sogenannten „Fehmarn-Projektes", mindestens
aber die völlige Ausschaltung der Seefahrt, wohl noch gute Weile.
Auch nach Osten hin, nach Rußland, hat Skandinavien seine Verbindungen ganz er
heblich verbessert. Früher ließen diese, insbesondere im Winter, oft sehr zu wünschen übrig
und waren nicht selten für längere Zeit völlig unterbrochen. Seit dem 1. Oktober 1911
besteht zwischen Stockholm und ^bo jedoch ein viermal wöchentlich verkehrender Schifs-
fahrtsdienst mit anschließenden Schnellzügen zwischen ^bo und Petersburg über Helsingfors,
der auch im Winter unter allen Umständen aufrechterhalten wird, da große Eisbrecher
jederzeit bereit sind, den Schiffen den Weg freizumachen.
Fast ein größeres Hindernis als die Meere sind heute für die Abwickelung eines Schnell
verkehrs die Gebirge. Freilich haben auch diese viel von ihrer störenden Wirkung verloren,
seitdem man gelernt hat, immer größere Tunnels zu schaffen, so daß man heute die Über
schreitung der Pässe durch Bahnen tunlichst vermeidet und statt ihrer lieber die Züge in
niedrigeren Meereshöhen in Tunnels durch die Gebirgsstvcke treibt. 100 in Steigung
bedeuten für eine Eisenbahn auch unter günstigsten Umständen ebensoviel Zeit- und Kraft
verlust wie ein Umweg von 30 Uni — man wird also eine Bahn heute lieber einen Bogen