Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

959  s

Kleinere  neue  Bahnbauten  von  Bedeutung.

Scheitelpunkt  zu  erreichen.  Die  Lokomotive  bezwingt  hier  also  eine  Höhe,  die  den  höchsten
Montblancgipfel  noch  um  24  m  übertrifft.  Es  waren  in  verschiedenen  Teilen  der  Anden
seither  noch  Bahnen  geschaffen  worden,  die  in  außerordentlich  große  Meereshöhen  emporsteigen ­
  —  der  Oroyabahn  hatte  es  bisher  noch  keine  gleichgetan.  Jetzt  aber  hat  seit  Anfang
Juli  1912  die  Oroyabahn  ihren  Ruf  als  höchste  Bahn  der  Welt  an  eine  andere  Linie
in  Bolivien  abtreten  müssen.  Schon  seit  längerer  Zeit  gibt  es  eine  Bahnlinie,  die  vom
chilenischen  Hafen  Antofagasta  nordostwärts  ins  bolivianische  Gebiet  hinein,  nach  Oruro,
läuft.  Sie  bewegt  sich  auf  beträchtliche  Entfernungen  in  sehr  großen  Höhen,  viele  Meilen
hindurch  läuft  sie  iu  einer  gleichbleibenden  Meereshöhe  von  3660  m  dahin,  und  ihren
höchsten  Punkt  erreicht  sie  bei  Aseatan  in  3956  in  Höhe.  Von  ihr  zweigt  nun  eine  Seitenlinie ­
  ab,  die,  gleich  der  Oroyabahn,  Höhen  von  mehr  als  4800  in  bezwingt.  Sie  läuft
von  einer  kleinen  Station  der  Linie  Antofagasta—Oruro,  namens  Rio  Mulati,  nach
Potosi,  der  genaue  Wert  der  von  ihr  erreichten  größten  Höhe  ist  noch  nicht  bekannt,  doch
ist  es  sicher,  daß  ihr  oberster  Punkt  mindestens  auf  4880  na  liegt.  —  Auch  in  anderen

851.  Großer  Viadukt  der  -key-Westeisenbahn.

Teilen  der  Anden  mehren  sich  die  sehr  großen  Eiscnbahnhöhen  neuerdings  rasch.  Die
bolivianische  Bahn,  die  vom  Titicacasee  nordwärts  zur  alten  Jnkahauptstadt  Cuzco
läuft  und  deren  Fertigstellung  unmittelbar  bevorsteht,  erreicht  eine  größte  Höhe  von  4751  m,
die  im  März  1912  eröffnete  Bahn  Arequipa—La  Paz  bringt  es  bei  Laguna  Blanca
auf  4624  in,  eine  Drahtseilbahn  auf  dem  Ostabhaug  der  Anden,  die  von  Chilecito
in  Argentinien  nach  Mejicana  läuft,  bleibt  nur  um  6  irr  hinter  der  letztgenannten  zurück.
Weitere  sehr  hohe  Scheitelpunkte  befinden  sich  auf  der  Strecke  Arequipa—Puno  (4470  m
bei  Vincocaya),  am  Titicacasee  bei  Portez  bei  Cruzera  (4270  m)  und  bei  Palacayo  in
Bolivien  (4152  in).
In  Afrika  verdienen  für  deutsche  Leser  neben  der  Kap-Kairo-Bahn  entschieden  das
meiste  Interesse  die  deutschen  Kolonialbahnen.  Solche  Bahnen  sind  um  so  notwendiger
in  unseren  Kolonien,  als  diese  nirgends  natürliche  Verkehrswege  von  hoher  Bedeutung
in  Gestalt  großer,  schiffbarer  Flüsse  besitzen.  Tie  mit  schönen,  schiffbaren  Strömen  ausgestatteten ­
  Kolonialländcr  Afrikas  sind  nahezu  durchweg  in  britischem  Besitz,  vereinzelt  auch
Jahrhunderte  altes  portugiesisches  Eigentum,  und  in  einem  Fall  hat  das  kleine  Belgien  das
Glück  gehabt,  sich  infolge  einer  eigenartigen  Entwicklung  in  neuester  Zeit  ein  Kolonialland
mit  einem  der  prachtvollsten  Ströme  zu  sichern.
Tie  deutschen  Kolonien  sind  von  der  Natur  nirgends  in  dieser  Weise  begünstigt.
Daher  müssen  wir  uns  die  Verkehrsmittel  daselbst  erst  künstlich  schaffen.  Das  vornehmste
Mittel  hierzu  sind  die  Eisenbahnen.  —  Tie  Anfänge  der  deutschen  Kolonialbahnen  reichen
            
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