Full text : Bankpolitik

24.  Die  Grundsätze  der  Diskontbestimmung,  Nonstatierungstheorie  usw.  93

sie  auch  den  Höchstanforderungen  einer  Ronjunkturperiode  gewachsen
ist.  Um  ihre  5ituation  genügend  zu  würdigen,  hatte  sie  ihren  Status
im  Jahre  1902  jeweils  mit  jenem  der  gleichen  Termine  des  Jahres
1893  zu  vergleichen;  bei  den  Ausweisen  des  Jahres  1903  mußte  sie  die
gleichen  Tage  des  Vorjahrs  heranziehen,  um  sich  ein  Bild  über  das
Fortschreiten  der  Konjunktur  zu  schaffen  und  auch  die  gleichen  Tage
des  analogen  Jahres  1896  heranziehen.  Sie  konnte  also  nicht  aus  einem
an  sich  günstigen  Notendeckungsverhältnis  etwa  in  der  dritten  Maiwoche
  Konsequenzen  im  Sinn  der  Herabsetzung  der  Bankrate  ziehen,
sondern  mußte  sich  fragen,  ob  sich  der  Status  gegenüber  der  gleichen
Vorjahrszeit  verschlechtert  habe  und  welche  Entwicklung  das  laufende
Jahr  mit  sich  bringen  werde.  Nicht  der  momentane  Status,  sondern  die
Schätzungen  über  die  voraussichtliche  Belastung  der  Reichsbank  im
herbst  und  zu  Jahresende  entscheiden  für  die  Festsetzung  der  deutschen
Bankrate.
Nus  der  zahlreichen  Fülle  von  Belegen  für  diese  Praxis  greife
ich  einige  bezeichnende  Beispiele  heraus.
Seit  1906  wurde  dreimal  der  Diskont  auf  6,  beziehungsweise  6y 2 %
erhöht;  die  Deckungsverhältnisse  der  Reichsbank  gestalteten  sich  an
den  einzelnen  Terminen  folgendermaßen:

Deckung  der  Noten  Deckung  aller  Derbindlichkeiten

gegen  Metall

gegen  Gold

gegen  Metall

gegen  Gold

in  Prozenten

7.

Oktober  1906

42

30.5

31.8

23.8

23.

Oktober  1907

46.4

34

34.6

25.5

15.

November  1912

60.6

44.1

43.4

31.8

Im  Jahre  1907  fand  die  Diskonterhöhung  bei  günstigerem  Status
statt  als  1906  —  allein  beim  vergleich  war  zu  berücksichtigen,  daß  der
23.  Oktober  stets  weniger  angespannt  ist  als  der  7.,  der  noch  unter
dem  Einfluß  des  Ouartalsschlusses  steht.  —  Der  Status  vom  13.  November ­
  1912  war  ungleich  besser  als  die  beiden  Ausweise  der  vorangegangenen ­
  Periode,  wobei  zu  beachten  ist,  daß  der  15.  November
kein  leichterer  Jahrestermin  ist  als  der  23.  Oktober.  Die  Erhöhung  des
Diskonts  auf  6%  war  nicht  bloß  durch  den  Stand  der  Devisenkurse,
sondern  auch  durch  die  Besorgnis  vor  den  Ansprüchen  zum  Jahresende
in  jener  Kriegszeit  hervorgerufen.  Die  Diskonterhöhung  erfolgte  auf
dieselbe  höhe  wie  1906  und  1907,  obwohl  die  Notendeckung  über  14%
besser  war  (wobei  freilich  auch  die  Veränderung  infolge  der  Mehrausgabe ­
  kleiner  Noten  zu  berücksichtigen  war).
            
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