27. Oie Einschränkung der Goldansprüche an die Notenbank usw. 113
starker finanzieller Bedrängnis der Staaten. In Deutschland haben
sehr ernste Persönlichkeiten die Befürchtung ausgesprochen, daß die
Ersetzung des Goldumlaufs durch kleine Noten und die dadurch ver
ursachte Stärkung des Goldbestandes der Keichsbank zu einer laxen
Diskontpolitik führen würde, die in letzter Linie durch die bekannten
Wirkungen (Begünstigung auswärtiger Kapitalanlagen, Steigerung
der preise infolge Entfachung der Konjunktur und dadurch Verschlech
terung der Zahlungsbilanz) zu einem Goldabfluß führen müßte. Aehn-
liche Befürchtungen wurden in England gegen die Einführung der
1 L-Nots auch in neuester Zeit (zum Beispiel in den Interviews der
Monetary Commission) zum Nusdruck gebracht; allerdings besitzt in
England die Notenbank nicht die Möglichkeit, auf Grund ihres Gold
besitzes eine mehrfache Notensumme auszugeben, allein die Anhäu
fung eines ungewöhnlich großen Goldvorrats bei der Bank von Eng
land könnte nach den Stimmen erfahrener Bankiers zu einer Ueber-
schätzung der Kraft der Notenbank sowohl bei der Lankleitung selbst
wie beim Publikum führen, die in ihren Wirkungen einen Goldabfluß
verursachen würde. Gold werde in der Zirkulation weit besser im In
land festgehalten als Gold in der Notenbank.
Man kann gegen dieses Argument, das von mehreren ernsten
Persönlichkeiten ganz unabhängig von einander geltend gemacht wird,
nicht die Beispiele der französischen oder russischen Notenbank ins Tref
fen führen, die einen großen Goldbestand mit Erfolg festzuhalten ver
stehen; Frankreich ist überwiegend ein Nentnerland und niedriger
Diskont kommt dort der heimischen Industrie, die vom Bankkredit
fast ausgeschlossen wird, überhaupt kaum zugute. Rußland ist vor
wiegend Agrarstaat mit schwerfälliger Kaufmannschaft. England
und Deutschland aber sind Industrie- und Handelsstaaten mit Unter
nehmung?- und spekulationslustiger Bevölkerung. In beiden Reichen
sind mächtige Kreise der Wirtschaft an niedrigem Zins interessiert,
ein großer Teil der öffentlichen Meinung vertritt jede Forderung
nach Zinsherabsetzung mit Nachdruck und es ist der Bank von England
wie der Reichsbank nicht leicht, diesen Strömungen zu widerstehen.
Die Goldzentralisation wird daher nur dann Goldabfluß nicht zur
Folge haben, wenn die Notenbank von populären Forderungen un
beeinflußt die Bankrate nach denselben Richtlinien festsetzt, die sie vor
der Zentralisation beobachtet hat. Indessen kommt diese Frage nur
für die Durchführung des Uebergangs von Gold- zur Notenzirkulation
in Betracht; sie hatte die praktische Konsequenz, daß der Uebergang
in Deutschland in langsamem Tempo vorgenommen wurde, um nicht
Somar?, Bankpolitik. g