Kälte empfinden konnten, doch herzlich gegen Freunde
und wunderbar zart und liebreich gegen Kinder. Das
war der Geistliche und der Dichter. '
Die andere war die des tapferen Ritters, ge-
wappnet für den Kampf, den er nah und fern suchte,
‚;. mit der Gabe, Unrecht zu entdecken, griff er es
sofort mit der feurigen Glut einer Natur an, deren
Enthusiasmus um so heftiger war, wenn ihm die Ge-
wohnheiten und die Veranlagung des Gelehrten Be-
schränkungen auferlegten. Er gebrauchte alle seine
Waffen gleichzeitig: Logik, Sarkasmus, Tadel, Dicht-
kunst — und bekräftigte alles mit einem strengen ‚So
spricht der Herr!‘ Das war John Pierpont, der Re-
formator, und ‚.. wenige Namen hatten höheren
Klang in diesem sorglosen, blühenden Land als der
seinige.”
Pierpont hatte keinen Erfolg als Rechtsanwalt,
hatte keinen Erfolg als Kaufmann — als Geistlicher
gewann er Ruhm. Aber er konnte seiner Gemeinde
weder Ruhe noch Frieden verschaffen, und überall
wandte sie sich schließlich gegen ihn. Seine wichtigste
Kanzel war die Unitarische Kirche in der Hollis Street
in Boston. „Unfehlbar’, schreibt ein Zeitgenosse, „er-
öffnete er seine sonntäglichen Predigten mit der
Alkohol- oder Sklavereifrage oder mit beiden. Er pre-
digte Enthaltsamkeit vom Alkohol einer Gemeinde
von Leuten, die Alkohol tranken, Alkohol verkauften,
Alkohol herstellten , .. natürlich beleidigte er sie
tödlich,” Und weiter: „Sein Kampf dauerte sieben
Jahre, einer gegen viele, Armut gegen Reichtum,
Recht gegen Unrecht,‘ Also ein‘ Rebell jener Tage!
Endlich wurde er von einem kirchlichen Rat vor
ein förmliches Gericht gestellt und angeklagt, „über
ärgerniserregende Gegenstände zu predigen” und in
seinem Betragen „Mangel an christlicher Milde” zu
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