Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

— 424 — 
und die allmähliche Abdeckung der Vorschußkredite an die noch nicht endgültig abgefundenen Ge- 
schädigten, 
Für Zwecke des Wiederaufbaues weist der Etat für 1925 insgesamt 330,56 Millionen fr. ohne die Kosten 
des Verwaltungsapparates aus. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß weder die neu entschiedenen Ent- 
schädigungsanträge mit den für sie ausgestellten Titres d’Indemmitees im Etat erscheinen. Für die Beur- 
teilung des Fortschritts des Wiederaufbaues ist dies indessen unerheblich, da die Mittel für die Durch- 
führung der Arbeiten auf dem Kreditwege vor der endgültigen Entscheidung bereits zur Verfügung gestellt 
werden. Über den Umfang dieser Kredite im Jahre 1925 sind Angaben ebenfalls nicht vorhanden. Da nach 
den amtlichen Verlautbarungen der Wiederaufbau von Industrie, Handel und Landwirtschaft schon 1924 
als beendet angesehen werden kann, so ist anzunehmen, daß 1925 die erwähnten Kredite nur noch in 
geringem Umfange erweitert worden sind. Sie können demnach bei der Errechnung der Gesamtsumme, 
die 1925 für den Wiederaufbau verwendet werden sollte, unberücksichtigt bleiben. 
Die Kosten für den Wiederaufbau setzen sich daher im Etat für 1925 zusammen aus den Mitteln für 
weitere Wiederherstellung des staatlichen Besitzes und der staatlichen Betriebe sowie aus Überweisungen 
an gewisse Kommunen, die den Wiederaufbau ihres Verwaltungsapparates nur mit Hilfe des Staates be- 
wirken können. Die wichtigsten Posten innerhalb dieser Ausgaben sind 190,6 Millionen fr. für Eisenbahn- 
reparaturen, 104,8 Millionen fr. Überweisungen an Kommunen, 24,3 Millionen fr. für Kanalbauten, 
4,5 Millionen fr. für Post, Telephon- und Telegraphenlinien, 
Das Budget des Wiederaufbaues wird im Jahre 1926 zum letztenmal gesondert ausgewiesen. Der Wieder- 
aufbau ist damit effektiv beendet, doch bleibt dem Staat die Aufgabe, die für die Finanzierung des Wieder- 
aufbaues aufgenommenen Schulden allmählich abzutragen, 
d. Italien. 
Die Behandlung der Ausgaben für den Wiederaufbau der italienischen Kriegsgebiete wird erschwert 
durch das Fehlen eingehenderer Darstellungen der Organisation und/des Fortschritts des Wieder- 
herstellungswerkes. Wenn auch das Kriegsgebiet auf italienischem und ehemals österreichischem Boden 
einen beträchtlichen Umfang hat, so sind die Schäden, die die Kriegsführung hier hinterlassen hat, doch 
nicht annähernd so bedeutend, wie in Nordfrankreich oder Belgien, da der Krieg in Italien nicht mit der- 
selben Intensität geführt wurde, wie an der französisch-belgischen Front. Der Wiederaufbau konnte daher 
verhältnismäßig früh abgeschlossen werden. Das Ministerium für die befreiten Gebiete ist bereits im Jahre 
1923 aufgelöst worden. In seinem Schlußberichte wird der Aufwand für den Wiederaufbau mit 10.703 
Millionen Lire angegeben. Nach der Vorbemerkung zum Etat von 1925/26 sind verausgabt worden: 
bis 1921 KR er 5 820 Millionen Tire 
im- Jahre 1922 +. re 1807 » » 
WENN tr ala a DL 850 » 
Für die folgenden Jahre bestehen keine Angaben mehr; kleinere Posten sind in den Etats noch ausgewiesen, 
so z. B. in dem der vorliegenden Arbeit zugrunde liegenden Etat für 1925/26 eine Summe von 30 Millionen 
Lire für Wiederaufbauarbeiten. Der Staatsschatz hat im wesentlichen nur noch die Schulden zu liqui- 
dieren, die er für die Finanzierung des Wiederaufbaues hat aufnehmen müssen. 
Der Fortschritt der Wiederaufbauarbeiten wird durch folgende Angaben beleuchtet. 
Das besetzte oder unter Feuer genommene Gebiet betrug in Venetien 1.149 800 ha, in Südtirol 394 278 ha. 
Die Anbaufläche betrug in Venetien im Jahre 1914 1 054 870 ha, im Jahre 1921 nur 971 470 ha. Der an- 
gemeldete Schaden an Ackerland wurde auf 2198 Millionen, an landwirtschaftlichen Gebäuden auf 484 
Millionen Lire Vorkriegskaufkraft angegeben. 
Die Anzahl der beschädigten und zerstörten Baulichkeiten betrug 163 000 in etwa 2000 Ortschaften; 
davon waren bis zum Anfang 1923 145 000 wiederhergestellt. Der Schaden wurde auf 1 330 Millionen Lire 
Vorkriegskaufkraft geschätzt. 
Die Schäden, die von Industrie- und Handelsbetrieben angemeldet waren, beliefen sich auf 1330 Mil- 
lionen Lire Vorkriegskaufkraft. Die Kriegsfolgen sind hier schon seit 1923 Vollständig beseitigt. 
Der Schaden, den die öffentliche Hand erlitten hat, wird auf 1536 Millionen Lire Vorkriegskaufkraft 
angegeben. Bis 1923 waren etwa */, dieser Schäden behoben. 
Der rasche Fortschritt des Wiederaufbauwerks kommt deutlich in der Bevölkerungsbewegung zum Aus- 
druck. Schon Ende 1921 wurden die letzten Gemeinden des ehemaligen Kriegsgebietes zum Wiederein- 
tritt freigegeben. Die ortsanwesende Bevölkerung belief sich in den 5 Provinzen des Kriegsgebietes im 
Jahre 1921 auf 2 561 301 gegenüber 2 275 270 bei der letzten Vorkriegszählung, so daß eine Bevölkerungs- 
zunahme von 12!/, vH zu verzeichnen ist.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.