194
III. Oer Kapitalmarkt.
Staatsrentenpreis. Kür den Kurs der Pfandbriefe ist die Gesamthaltung
des Rentenmarkts von entscheidender, die Taktik der einzelnen Hypothekenbank
von geringerer Bedeutung. Zu dem Rentenzins, den die
Pfandbriefe bedingen, müssen die Regiekosten, ein Betrag für Reservedotierung
und bei den Aktiengesellschaften ein Gewinn für die Aktionäre
hinzutreten, Da die Pfandbriefausgabe nur im Zusammenhang mit der
Kreditgewährung erfolgt, der Bank somit — vom eigenen Kapital abgesehen—
nicht Kapitalien zur Verfügung stehen, die um jeden preis
verwendet werden müssen, ist der Nutzen für die Aktionäre ein essentieller
Kaktor in der Kostenrechnung der Aktienbanken.
Kür die Versicherungsgesellschaften bildet die Rechnungsgrundlage
der Prämienreserve zuzüglich der kosten, Reservedotierung und bei
Aktiengesellschaften eines Gewinnzuschlags die Kostengrenze. Die Rechnungsgrundlage
steht mit dem Rentenzins in Zusammenhang, ist aber
für Jahrzehnte festgelegt, va für die Prämienreserve verwendungszwang
besteht, kann die Kostengrenze dann unterschritten werden, wenn
das Kapital der Versicherungsgesellschaften auf dem hppothekenmarkt
zum Teil entbehrlich ist und eine andere gleichwertige Anlagemöglichkeit
nicht besteht, das ist wenn auch die Rentenanlage weniger trägt als der
hgpothekenzins abzüglich der auf diesen Geschäftszweig verwendeten
Kosten. Vas letztere ist nur in Epochen sinkenden Rentenzinses der Kall,
somit in Zeiten, wo die Rentenanlage die Kurssteigerungschance bietet
und darum unter gleichen Bedingungen der Hypothek vorzuziehen ist,
während diese umgekehrt in Perioden steigenden Rentenzinses den
Vorteil der Vermeidung von Kursverlusten bietet. Dementsprechend
bevorzugen die Versicherungsgesellschaften bei gleichen Bedingungen
in Epochen des sinkenden Zinsfußes die Renten, in Epochen des steigenden
Zinsfußes den hgpothekenkredit.
vie Zinspolitik der Sparkassen endlich richtet sich nicht nach einheitlichen
Grundsätzen; bis vor nicht langer Zeit stand der Einlagenzins
in Zusammenhang mit dem Rentenzins, seitdem aber die Konkurrenz
der Kreditbanken um die Einlagen intensiv geworden ist, ist für
eine große Zahl deutscher und österreichischer Sparkassen die Rücksicht
auf die Bedingungen der rivalisierenden Banken maßgebend geworden,
und da diese für Spardepositen von der Lankrate abhängig sind, richtet
sich der Einlagensatz der meisten Sparkassen nach dem Banksatz; in Deutschland
bleibt er regulär y 2 his \% unter der Rate, in Oesterreich hält er
sich auf dem Niveau der Bankrate, in Ungarn geht er darüber hinaus.
Durch diese Politik der Sparkassen wird der Geldmarktsatz in den Kapitalmarkt
hineingetragen, nicht aus inneren geschäftlichen Gründen,