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III. Der Kapitalmarkt.
Auch die Unternehmeranlagen des nicht organisierten Rapital-
marktes konkurrieren mit dem Effektenmarkt. Oie Besitzer großer
Vermögen sind "an den Tiefpunkten der Epochen niedrigen Zinses ge
neigter sich an Gesellschaften als Partner oder kommanditarisch zu
beteiligen als in Zeiten, wo Renten 5—6% tragen.
50. Der Verkehr zwischen Geld- und Effektenmarkt.
Oer Verkehr zwischen Geld- und Effektenmarkt ist ungemein
innig- die Gleichartigkeit der Bewegungsrichtung von Geldmarkt- und
Rsntenzins ist von der Wissenschaft seit langer Zeit bemerkt worden
und hat für die Zinstheorie besondere Bedeutung geübt. Adam Smith
hat Renten- und Geldmarktzins als „landesüblichen Zins" zusammen
gefaßt und ihm ist die weitaus überwiegende Mehrheit der theoreti
schen Nationalökonomen gefolgt. Oen derzeit wohl herrschenden Stand
punkt vertritt von Wieser (im Grundriß der Sozialökonomik): „Alle Ab
teilungen des Geldmarktes und Anlagemarktes stehen untereinander
in wechselseitiger Verbindung, und immer werden ausgleichende Be
wegungen zu bemerken sein, durch welche Rapitalien von den Ab
teilungen geringeren Erträgnisses zu denen höheren Erträgnisses ge
bracht werden. Oie Theorie hat soweit das Recht, idealisierend einen
einheitlichen Markt anzunehmen, der nach einem einheitlichen Zinsfuß
strebt. Tatsächlich wirken die Rapitalbewegungen niemals im Sinns
voller Ausgleichung, immer wird der beweglichere kaufmännische
Zinsfuß sich vom ruhigeren Anlagezinsfuß deutlich abheben."
Eine Minorität dagegen, deren Anhänger sich im letzten Jahr
zehnt stark vermehrt haben, sieht den Unterschied zwischen den beiden
Zinsarten als begriffswesentlich an. So leugnet Lexis jeden Zusammen
hang zwischen Geldmarkt- und Rapitalmarktzins.
Bei einem Ueberblick über die Zinsepochen konstatieren wir zweifel
los eine parallelentwicklung von Leih- und Rentenzins,- das ist im
Grund befremdend, nicht bloß wegen der völligen Verschiedenheit
des Eharakters von Leihkredit und Staatsrenten, sondern auch wegen
des tiefgreifenden Unterschieds zwischen Geldmarkt und Rapitalmarkr.
Oie klassische Lehre hat eine Parallelität zwischen Zins und Un
tern ehmergswinn konstatiert. Am deutlichsten drückt dies von Böhm-
Lawerk aus: „Oer Zins bei Darlehen wird im großen ganzen parallel
gehen mit der höhe des ursprünglichen Rapitalzinses, der sich aus
der Ligenverwendung der Rapitalien in produktiven Unternehmungen
erzielen läßt; denn es ist aus die Dauer offenbar nicht möglich, daß