Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

teile  hingewiesen,  welche  die  Großziehung  der  Landwirtschaft  in  den
überseeischen  Ländern  der  nationalen  landwirtschaftlichen  Produktion
bereitet  und  haben  sich  darum  z.  B.  in  Frankreich  gegen  die  Gewährung ­
  von  hgpothekarkredit  und  den  Bau  der  Eisenbahnen  in  Argentinien ­
  durch  französisches  Kapital  ausgesprochen.  Die  übliche  Entgegnung, ­
  daß  die  Kapitalbewegungen  nur  den  natürlich  gegebenen
Standorten  von  Industrie  und  Landwirtschaft  folgen,  ist  in  unserer
Periode  staatlicher  Wirtschaftspolitik  nicht  aufrecht  zu  halten.
Die  alte  freihändlerische  Doktrin,  der  zufolge  das  Kapital  dem
höchsten  Zins  zu  folgen  hätte,  wird  heute  sowohl  von  den  Regierungen
wie  vom  Publikum  selbst  zurückgewiesen.  Es  ist  offenkundig  inkonsequent, ­
  wenn  durch  Schutzzölle  die  eigene  Industrie  gegenüber  jener
des  Auslandes  nach  Kräften  gefördert  wird,  dagegen  der  ausländischen ­
  Konkurrenz  die  Möglichkeit  der  Kapitalinvestition  verbilligt
wird.  Es  hat  sich  darum  vielfach  der  Grundsatz  durchgesetzt,  auswärtige ­
  Kapitalanlagen  nur  dann  vorzunehmen,  wenn  mit  ihnen  Lieferungsaufträge ­
  für  die  einheimische  Industrie  verbunden  sind.  Man
glaubte  dadurch  zweierlei  erreichen  zu  können:  die  Verschlechterung
der  Zahlungsbilanz  zu  vermindern  und  die  Entwicklung  zum  Rentnerstaat ­
  aufzuhalten.  Die  konsequente  Durchführung  dieser  Forderung
führt  aber  zur  Bevorzugung  der  Anleihen  der  Staaten  mit  unausgebildeter
  eigener  Industrie  und  daher  auch  mit  schwachen  Finanzen.
Man  konnte  diese  Forderung  den  Balkanstaaten  oder  China,  aber
nicht  der  Union,  Oesterreich  und  Rußland  gegenüber  stellen.
Frankreich  hat  die  auswärtige  Kapitalbegebung  als  Mittel  seiner
auswärtigen  Politik  zu  verwenden  versucht.  Ls  ist  kein  Zufall,  daß  dies
gerade  im  letzten  Jahrzehnt  scheinbar  so  erfolgreich  geschah.  Die  Periode ­
  der  großen  Kapitalinvestierungen  und  steigenden  Preise  seit  dem
Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  hat  deutlich  gezeigt,  daß  zu  den  Gläubigerstaaten ­
  der  Periode  der  fünfziger  und  sechziger  Jahre  des  vorigen
Jahrhunderts  nur  wenig  neue  hinzugetreten  sind.  Holland  und  die
Schweiz  haben  schon  im  achtzehnten  Jahrhundert,  England  seit  Beginn, ­
  Frankreich  seit  Mitte  des  neunzehnten  Jahrhunderts  Kapital
an  das  Ausland  verliehen.  Zu  diesen  Staaten  sind  seither  nur  Deutschland ­
  und  Belgien  hinzugetreten.  Italien  ist  als  Schuldner  von  den
auswärtigen  Märkten  fast  verschwunden,  alle  übrigen  Staaten  sind
aber  weiter  auf  ausländischen  Kapitaleinstrom  angewiesen,  und  zwar
nicht  bloß  wie  vor  einem  halben  Jahrhundert  die  vereinigten  Staaten,
Oesterreich  und  Spanien,  sondern  in  wachsendem  Maß  auch  die  englischen ­
  Kolonien,  das  lateinische  Amerika,  Rußland  und  Ostasien.  Eng-
            
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