Full text : Bankpolitik

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III.  Oer  Kapitalmarkt.

Einen  ähnlichen  Zweck  verfolgen  die  Zwangsanlagebestimmungen
zuin  Rentenkauf,  die  in  Preußen,  Lagern  und  Oesterreich  den  Sparfassen,
  in  mehreren  Staaten  den  privaten  Versicherungsgesellschaften
und  den  Instituten  der  Sozialversicherung  auferlegt  wurden.
In  besonders  wirksamer  lveise  haben  sich  auf  dem  europäischen
Kontinent  die  Kreditbanken  zu  Organisationen  für  die  Kapitalanlage
ausgebildet,-  vornehmlich  die  französischen  Institute  haben  seit  einer
Generation  die  Einrichtung  eines  weitverzweigten  Filialnetzes  zur
planmäßigen  Unterbringung  von  Emissionen  und  Deckung  des  Unlagebedarfs ­
  der  Bevölkerung  übernommen.  Sie  dringen  durch  ihre
Demarcheurs  in  die  Häuser  zu  Dienstmädchen  und  Kleinbürgern  und
kommen  selbst  an  den  kleinsten  Sparer  heran.  Die  Organisation  des
Placement  überwiegt  bei  ihnen  beinahe  die  Kredittätigkeit  und  für
die  Unterbringung  der  Effekten  in  die  letzte  Hand  haben  sie  unleugbar
viel  geleistet.  Eine  ähnliche  Entwicklung,  wenn  auch  nicht  in  so  weitreichendem ­
  Umfang,  hat  sich  in  Deutschland  und  Oesterreich  vollzogen.
Der  Verkehr  zwischen  den  Banken  und  dem  Publikum  trägt  ganz
anderen  Eharakter  als  jener  zwischen  der  Börse  und  dem  Publikum.
Denn  die  Banken  stehen  Kapitalanlegern  gegenüber,  welche  regelmäßige ­
  Ulehceinkünfte  verzinsen  wollen,  und  zwar  persönlich  bekannten ­
  Einlegern,  welche  auch  sonst  andere  Geschäftsverbindung  mit  ihnen
unterhalten,  Einlagenkonti  besitzen,  Finanzgeschäfte  machen.  Unvorsichtige ­
  Beratung  kann  Abbruch  der  Geschäftsverbindung  zur  Folge
haben,  Minderung  des  Vertrauens  zur  Bank  mit  sich  bringen.  Das
legt  erhöhte  Vorsicht  auf,-  die  Kenntnis  der  Vermögensverhältnisse
und  Vermögensbewegungen,  welche  die  dezentralisierte  Organisation
der  Lanken  ermöglichte,  gewährt  die  Möglichkeit  sicherer  Abschätzung
der  höhe  des  Kapitalangebotes.
59.  Die  Stellung  der  Banken  zur  Börse.
Lörsenplacement  und  Bankenplacement  stehen  in  der  Gegenwart ­
  unmittelbar  nebeneinander.  Die  Banken  des  Kontinents  und
dis  Finanzbanken  Amerikas  haben  die  Aufgabe  übernommen,  die
von  ihnen  geschaffenen  Effekten  beiden  Organisationen  anzupassen.
Die  Werte  schwankenden  Ertrags  gehören  überwiegend  dem  Börse-,
jene  stabilen  Ertrags  dem  Bankenplacement  an.
Wie  vorhin  ausgeführt  wurde,  verlangt  die  Börse  großes  Kapital, ­
  schwankenden  Ertrag  und  möglichste  Abstreifung  des  individuellen
Charakters  der  Unternehmungen.
            
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