Full text : Bankpolitik

59.  Oie  Stellung  der  Banken  zur  Börse.

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1.  Demzufolge  waren  die  Banken  bestrebt  Unternehmungen  mii
starkem  Kapital  zu  schaffen.  Ein  Unternehmen  mit  großem  Kapital
ist  kreditfähiger  und  die  Ularktschaffung  für  große  Werte  ist  leichter
als  für  Aktien  kleiner  Unternehmungen,  die  nur  lokal  bekannt  sind.
In  Deutschland  und  Amerika,  in  Gesterreich,  Rußland  und  Italien
haben  darum  die  Kreditbanken  an  der  industriellen  Zusionsbewegung
lebhaftesten  Anteil  genommen.
2.  Oie  Börse  verlangt  schwankenden  Ertrag,-  in  vergangenen  Iahrzehnten
  wurden  in  der  Zeit  der  Depression  geflissentlich  spärliche
Dividenden  gezahlt,  dagegen  in  den  Tagen  der  Börsebewegung
hohe  Dividenden  und  Reserveausschüttungen  vorgenommen,  um  dadurch ­
  Kurssteigerungen  hervorzurufen,  welche  der  Emission  neuer
Aktien  zugute  kommen  sollten.  In  neuerer  Zeit  ist  den  Banken  die
Aufgabe  der  scharfen  Sonderung  zwischen  Anlagen  mit  gleichbleibendem ­
  und  Anlagen  mit  schwankendem  Ertrag  erwachsen,  die  schon  bei
der  Finanzierung  selbst  durchgeführt  werden  muß.
3.  Oie  Abstreifung  der  individuellen  Züge  des  Unternehmens  vom
Wertpapier  und  die  Schaffung  von  Tendenzmaterial  ist  die  wichtigste ­
  Aufgabe,  die  bei  der  Beziehung  zwischen  Banken  und  Börse
zu  lösen  ist.  Bei  Renten  und  Pfandbriefen  hat  sich  dieser  Prozeß  schon
vor  Generationen  vollzogen.  Ehedem  hatten  die  Gläubiger  des  Staates
individuelle  Deckung  und  die  Pfandbriefe  der  preußischen  Landschaften
wahren  die  Erinnerung  an  jene  Zeit,  wo  der  Pfandbriefgläubiger
durch  Zugriff  auf  ein  konkretes  ihm  verpfändetes  Grundstück  sich  bezahlt ­
  machen  konnte.  Die  moderne  Staatsrente,  die  auf  dem  Gesamtkredit ­
  des  Staats  beruht,  der  moderne  Pfandbrief,  der  auf  den  lögpothekardarlehen
  des  Pfandbriefinstituts  basiert,  hatten  individuellen
Charakter  verloren.  Bei  Aktienwerten  war  dieser  Prozeß  weit  schwerer
durchzuführen  als  bei  Renten.
Oie  Bewertung  der  Spekulationspapiere  in  ftüheren  Epochen
erscheint  uns  roh  und  sachlich  nicht  begründet.  Man  muß  indes  berücksichtigen, ­
  daß  bei  den  Börsenbewegungen  vergangener  Iahrhunderte
Konjunkturpapiere  im  Vordergrund  standen.  Aktien  eines  Kolonialunternehmens ­
  mußten  einen  höheren  Wert  bekommen,  wenn  sich
die  Kolonie  entwickelte,  Aktien  einer  Eisenbahn  mehr  Dividende  abwerfen, ­
  wenn  die  Produktion  in  den  von  der  Bahn  durchzogenen  Gebieten
sich  steigerte.  Aus  allgemein  optimistischer  Beurteilung  der  Wirtschaftsentwicklung ­
  heraus  konnte  man  in  der  Kolonial-  und  Eisenbahnzeit ­
  die  Aktien  der  führenden  Werte  erwerben.  Zn  den  letzten  dreißig
Iahren  aber,  in  den  Tagen  der  Vorherrschaft  der  Industriewerte  war
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