60. Die Aufgaben des Bankenplacement.
247
sonders starke Einwirkung des Bankenplacements hat zur Bevorzugung
der Obligationen auch bei den Gesellschaften geführt, die von fran-
zösischem Kapital im Auslande errichtet wurden. Vas zu große Ausmaß
dieser Obligationen, die bei russischen und südamerikanischen Bahn-
werten in manchen Zöllen zweidrittel des Investitionskapitals über
schreiten, und der dadurch verursachte Zwang zu hoher fester Verzinsung
hat bei schlechtem Geschäftsgang bei einer Reihe so finanzierter Unter
nehmungen Schwierigkeiten hervorgerufen und mitunter den Fort
bestand des Unternehmens gefährdet. Die Geschichte der österreichi
schen Südbahn liefert hierfür das markanteste Beispiel. In der Industrie
ist die Bemessung der Obligationen noch schwerer durchzuführen als
bei Verkehrsunternehmungen.
3. In den vereinigten Staaten suchte man dem Nachteil der Ver
zinsungspflicht, welcher den Obligationen anhaftet, zum Teil dadurch
obzuhelfen, daß man auf Grund des Gegenwartsertrags Vorzugsaktien
schuf, die in ihrer Dividende fix begrenzt waren und zumeist aus den
Gewinnen künftiger Jahre Ersatz für das Unterbleiben oder die
Verkürzung der Dividendenzahlungen in einem Jahre erhalten sollte.
Auf dem Kontinent haben sich Vorzugsaktien nur wenig eingebür
gert, da sie das Placement der gewöhnlichen Aktien vielfach benach
teiligen.
4. Der Ausgabe von Obligationen sind enge Grenzen gesetzt, die
Vorzugsaktien konnten sich auf dem Kontinent überhaupt nur wenig
einbürgern, hier galt es somit die gewöhnlichen Aktien dem Banken
placement einzufügen. Um dieses Ziel zu erreichen, gingen die Banken
für ihre Aktien zur stabilen Dividendenpolitik über. In den ersten Zeiten
der Aktienbanken wurde entsprechend den Anforderungen der Börse aller
Reingewinn ausbezahlt und die Dividende schwankte daher noch in der
Gründerperiode außerordentlich stark. Die Anglo-österreichische Bank
z. L. erhöhte noch im Jahre 1868 ihre Dividende von 15 auf 78% ohne
dabei die Reserven über das statutenmäßige Rlaximum hinaus zu sor
tieren. Seit Anfang des achten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts
begannen einzelne Kreditbanken, unter welchen die Deutsche Bank, der
Credit Lyonnais, die österreichische Boden-Kredit-Anstalt und die bel
gische 8ooi6t6 göneralo besonders konsequent vorgingen, große stille und
offene Rücklage zu machen und auf eine Stabilisierung der Dividende
hinzuarbeiten, indem sie die Gewinne aus einmaligen Geschäften nament
lich aus Konsortien und Effektentransaktionen ganz oder zum Teil un-
verrechnet ließen und an die Aktionäre nur eine Ouote des gesamten
Reingewinns verteilten. Dieser Vorgang wurde bald so allgemein,