Contents : Bankpolitik

62.  Die  Wirksamkeit  der  Banken  auf  dem  Kapitalmarkt.  253
höher  als  jene  des  englischen,  Oer  Industrieunternehmer  hat  bei  diesem
Sgstem  in  der  Bank  eine  Verbindung,  die  all  seinen  Kapitalbedürfnissen
Rechnung  trägt,  ihm  Kredit  in  jeder  Form  beschafft,  die  eventuelle  Finanzierung ­
  leitet  und  auf  die  Führung  des  Unternehmens  vom  finanziellen ­
  Standpunkt  aus,  namentlich  auf  dis  Oividendenpolitik  unter
Berücksichtigung  künftiger  Emissionen  Einfluß  nimmt.
Anlagekredit  und  Konsortialgeschäft,  Börse-Emission  und  Effektenkommission,
  Bankplacement  und  Industriekontrolle  stehen  bei  den  Banken ­
  deutschen  Systems  in  engem  Zusammenhang.
Gegen  dieses  Sgstem  wurden  mehrere  ernste  Vorwürfe  erhoben,
vie  Oepositenkassen  der  Kontinentalbanken,  von  Frankreich  abgesehen,
durchziehen  ihr  Land,  so  wurde  vielfach  behauptet,  mit  einem  Netz  von
Wechselstuben,  deren  Existenzmöglichkeit  zu  sehr  erheblichem  Teil  durch
das  Effektenkommissionsgeschäft  begründet  ist.  Es  würden  dadurch
zahlreiche  Stätten  der  Spekulation  geschaffen  und  das  Börsenspiel  in
Kreise  hineingetragen,  in  welche  es  bei  anderer  Organisation  nicht
hineinkommen  würde.
von  Verteidigern  des  deutschen  Banksgstems  wurde  dieser  Kritik
lebhaft  widersprochen.  Aber  wie  alle  Erfahrung  zeigt,  mit  Unrecht,
vie  Kreditbanken  mitteleuropäischen  Sgstems  müssen  am  Spekulationsgeschäft ­
  teilnehmen,  nicht  bloß  wegen  der  Gewinne,  die  das  risikolose
Kommissionsgeschäft  mit  sich  bringt,  sondern  im  Interesse  der  Unterbringung ­
  der  eigenen  Emissionen,  die  nur  bei  Hochkursen  erfolgen  kann.
Wegen  des  eigenen  Finanzgeschäftes  sind  die  Banken  an  der  Hochhaltung
der  Kurse  zur  Emissionszeit  interessiert  und  daß  sie  ihre  Kunden  im
entgegengesetzten  Sinn  beraten,  ist  nicht  anzunehmen.
Die  Ausdehnung  des  Spekulationsumfangs  infolge  der  Errichtung
der  vepositenkassen  ist  unleugbar.  Ob  das  Publikum  dabei  besser  oder
schlechter  fährt  als  bei  sonstiger  Beratung,  ist  schwer  zu  entscheiden.  Im
ersteren  Sinne  wirkt  die  Rücksicht  auf  die  sonstigen  Beziehungen  zum
Kunden,  bei  starken  Spekulationsbewegungen  das  genauere  Urteil  über
die  wirtschaftliche  Entwicklungsrichtung,  im  letzteren  das  Emissionsinteresse ­
  das  die  Lank  zur  Partei  macht,  und  die  Ersetzung  des  Bankiers
durch  den  Kleinbeamten  der  vepositenkasse.  Bei  weiterer  Durchbildung ­
  der  äußeren  Organisation  wäre  es  den  Lanken  wohl  möglich,  aus
ihrer  Kenntnis  der  gesamten  Vermögensverhältnisse  heraus  einen  Unterschied ­
  zwischen  dem  Investor,  dem  Kapitalanleger,  und  dem  Spekulant
praktisch  durchzuführen.  Sie  könnten  ihre  Kunden  nach  Vermögenslage
und  Temperament  in  eine  der  beiden  Gruppen  einreihen  und  darauf,
nicht  auf  die  Beseitigung  der  Spekulation  kommt  es  volkswirtschaftlich
            
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