Full text : Bankpolitik

62.  Die  Wirksamkeit  der  Bansen  auf  dem  Kapitalmarkt.  255
Den  Kreditbanken  deutschen  Systems  steht  die  Verfügung  über
bedeutende  Summen  von  Depositengeldern  und  die  Leitung  eines  Teils
der  Kapitalanlage  zu.  Sie  bevorzugen  ihrer  Organisation  nach  den
Effektenmarkt  —  eine  Kreditbank  kann  nicht  gut  Häuser  kaufen  oder
Grundstücke  erwerben.  Sie  steht  dagegen  mit  dem  Effektenmarkt  in
naher  Fühlung  und  wird  das  Kapital  des  Publikums  sowohl  im  Interesse ­
  der  ihr  nahestehenden  Unternehmungen  wie  auch  ihres  Kommissionsgeschäftes ­
  wegen  auf  den  Effektenmarkt  hinlenken.  Die  Klagen
über  einseitige  Dirigierung  der  vermögen  zum  Effektenmarkt  namentlich ­
  zu  Gunsten  der  großen  Unternehmungen  sind  begründet,  aber  ihnen
ist  kaum  Abhilfe  zu  schaffen,  da  die  Begünstigung  der  Großunternehmungen
  im  Interesse  des  Placements  und  des  Effektenkredits  liegt  und
die  Banken  mit  dem  nicht  organisierten  Kapitalmarkt,  von  dem  Handel
in  nicht  notierten  lverten  und  der  Hypothekenvermittlung  abgesehen,
nur  wenig  Fühlung  haben.
Die  Banken  des  deutschen  Systems  sind  durch  den  Anlagekredit
an  dem  Schicksal  des  Unternehmens  und  an  dessen  Prosperität  interessiert
und  wirken  in  diesem  Sinne  vornehmlich  auch  beim  Abschluß  von  Kartellen. ­
  In  einigen  Fällen  ist  die  Macht,  welche  die  kurzfristige  Kündbarkeit ­
  des  Anlagekredits  den  Banken  gewährt,  dazu  ausgenützt  worden,
widerstrebende  Unternehmungen  gewaltsam  durch  Drohung  der  Kreditentziehung ­
  für  eine  von  den  Banken  gewünschte  Kombination  gefügig
zu  machen.  Würden  sich  derartige  Fälle  in  großer  Zahl  ereignen,  so
würde  wohl  eine  starke  Strömung  für  staatliches  Eingreifen  einsetzen.
Die  Banken  in  den  vereinigten  Staaten  haben  mit  den  Banken
deutschen  Systems  wesentliche  Grundzüae  gemeinsam.  Der  Unterschied ­
  liegt  darin,  daß  die  verschiedenen  Betätigungen  auf  dem  Anlagemarkt ­
  nicht  von  einem  Institut,  sondern  von  einer  Reihe  miteinander ­
  in  enger  Beziehung  stehenden  Banken  ausgeübt  wird.  Die
großen  New  porker  Finanzhäuser  haben  entscheidenden  Aktienbesitz  bei
einer  Reihe  von  Kreditbanken,  sie  üben,  wenn  auch  innerhalb  der  dort
weit  enger  gezogenen  gesetzlichen  Schranken  eine  starke  Wirkung  auf
die  Verwendung  der  Gelder  der  ihnen  nahestehenden  nationalen  Staatenbanken ­
  und  haben  in  den  Trustcompanies  eine  Art  Placementorganisation ­
  geschaffen.  Die  Banken  haben  im  wesentlichen  eine  gleichartige ­
  Position  auf  dem  Kapitalmarkt,  wie  die  deutschen  Institute,  jedoch ­
  mit  zwei  Unterschieden:  die  geistige  Leitung  liegt  bei  den  Finanzbanken- ­
  während  bei  den  deutschen  Instituten  die  Interessen  der  verschiedenen ­
  Geschäftszweige  gegen  emander  abgewogen  werden,  liegt
es  in  New  Pork  nahe,  die  Rücksicht  auf  einen  Emissionsgewinn  in  den
            
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