Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

allein  an.  Einem  Industriellen  in  einer  kleinen  Provinzstadt  des  Rheinlandes,
  der  bei  einem  Jahreseinkommen  von  einer  Million  Mark  spekulative ­
  Engagements  in  höhe  von  einer  Viertelmillion  Mark  unterhält, ­
  ist  manchmal  die  Spekulation  die  einzige  Anregung,  die  er,  wenn
er  literarische  Bildung  nicht  besitzt,  in  der  Einöde  seines  Wohnortes
erhalten  kann.  Dem  Unternehmer,  der  sich  von  den  Geschäften  zurückgezogen ­
  hat,  kann  die  Spekulation  ein  Nachklang  an  seinen  Lebensberuf, ­
  eine  Art  Beteiligung  am  Leben  bedeuten,  die  Lektüre  der  Tagesblätter ­
  zum  mindesten  interessanter  gestalten.  Oie  Spekulation  kundiger
und  reicher  Personen  ist  volkswirtschaftlich  nötig,  da  sonst  die  Gründung
von  Aktiengesellschaften  mit  hohem  Unternehmerrisiko  unmöglich  wäre,
und  den  Kreditbanken  wäre  es  allein  unter  allen  Organisationen  möglich,
die  Spekulation  auf  diese  Kreise  zu  begrenzen,  vast  dies  derzeit  nur
in  wenigen  Zöllen  geschieht,  ist  allerdings  unleugbar,  allein  das  liegt
nur  in  der  gegenwärtigen  Praxis,  nicht  im  Wesen  der  Kreditbanken
begründet.
Die  Gleichzeitigkeit  der  Gewährung  von  Anlagekredit  und  der
Ausübung  eines  Einflusses  auf  die  Vividendenbestimmung  mag  begründete ­
  Besorgnis  erregen.  Es  liegt  der  Gedanke  nahe,  daß  eine  Lank,
die  die  Mobilisierung  des  Anlagekredites  vorbereitet,  durch  hohe  Gewinnausschüttung ­
  den  Aktienmarkt  günstig  beinflussen  will.  Aber  eine  derartige ­
  Praxis  widerstoßt  dem  Emissionskredit  und  wird  darum  von
ernsten  Banken  vermieden.
Mit  besonderem  Nachdruck  wird  die  Gefahr  der  Immobilisierung
für  die  führenden  Lanken  selbst  hervorgehoben  und  es  ist  zweifellos,
daß  die  Banken  dieses  Sgstems  im  Durchschnitt  nicht  so  mobil  sein
können  wie  reine  Geldmarktinstitute.  Indessen  kann  auch  bei  pflege
von  Anlagekredit  und  Finanzgeschäft  die  Flüssigkeit  gewahrt  bleiben,
wenn  die  Festlegungen  die  höhe  jener  Beträge  nicht  übersteigen,  welche
den  Banken  unter  allen  Umständen  zur  Verfügung  bleiben.
Die  Gewährung  von  Anlagekredit,  die  finanzielle  Führung  der
Unternehmungen  und  Mitwirkung  bei  der  Vividendenbestimmung
sowie  die  Leitung  der  Vermögensverwendung  des  Publikums  legen
in  die  Hand  der  Bankleiter  eine  so  große  Verantwortung,  daß  Mißgriffe ­
  über  die  Bilanz  der  Lank  hinaus  selbst  wirken  können.  Irrtümliche ­
  Beurteilung  der  kommenden  Konjunktur  kann  für  die  Kunden
schwere  Verluste  zur  Folge  haben.  Kein  Privatbankier  kann  auch  nur
entfernt  ein  so  großes  Effektengeschäft  aufbauen,  wie  eine  Berliner
Großbank,  und  Fehlgriffe  einer  einzigen  Persönlichkeit  wirken  darum
ungleich  intensiver  als  der  Irrtum  eines  Bankiers.
            
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