Full text : Bankpolitik

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4.  Das  Verhältnis  zwischen  passiv-  und  Mivgeschäften.

schreiten.  Die  Liquidität  der  Depositen-  und  Notenbanken  unterscheidet
sich  von  jener  aller  andern  wirtschaftlichen  Unternehmungen  durch  die
Notwendigkeit  täglicher  Bereitschaft,-  jede  dieser  Banken  muß  bereit
sein,  das  Höchstmaß  der  Abhebungen  oder  Einlösungen  sofort  leisten
zu  können,-  und  nach  diesem  Grundsatz  richten  sich  die  Aktivanlagen.
Die  Banken  erwerben  regulär  nicht  Eigentum,  sondern  gewähren
Kredit  und  zwar  in  solcher  Weise,  daß  ihnen  sofort  ein  großer  Teil  der
verliehenen  Mittel  wieder  zur  Verfügung  stehen  kann.  Dieses  Ziel
kann  von  den  Depositenbanken  entweder  durch  Verleihung  großer  Beträge ­
  auf  täglichen  oder  kurzfristigen  (on  cali)  Abruf  erreicht  werden,
wie  dies  der  englischen  und  nordamerikanischen  Bankpraxis  entspricht
(eigene  Liquidität),  oder  durch  Gewährung  von  Krediten,  die  im  Notfall ­
  an  die  Notenbank  weitergegeben  werden  können  (Wechselkredite),
wie  dies  Brauch  auf  dem  Kontinent  ist.
Im  letzteren  Fall  trägt  die  Notenbank  die  Hauptlast  der  Liquiditätssorge- ­
  sie  muß  darauf  gefaßt  sein,  nicht  bloß  allen  Ansprüchen,  die
aus  den  Kreisen  der  Noteninhaber  und  ihrer  Deponenten  an  sie  gestellt
werden,  zu  genügen,  sondern  auch  noch  allen  andern,  die  eventuell  von
den  Depositenbanken  herankommen.  Im  letzten  Jahrzehnt  wurde  in
vielen  Reichen  die  Frage  erörtert,  ob  die  Lösung  dieser  Aufgaben  den
großen  Notenbanken  möglich  sei.  Wie  und  innerhalb  welcher  Grenzen
dies  erreicht  werden  kann,  wird  im  Kapitel  über  die  Liquidität  der
Notenbank  untersucht  werden.  —
Die  Depositenbanken  rechnen  damit,  daß  ein  bestimmter  Prozentsatz ­
  der  fremden  Gelder  ihnen  dauernd  verbleibt;  diese  Quote  ihrer
Mittel  investieren  sie;  jenen  Teil,  den  sie  flüssig  erhalten  wollen,  legen
sie  in  solchen  Formen  an,  die  Rückberufung  in  kurzer  Frist  oder  Zutritt
zur  Notenbank  ermöglichen:  Oer  Betriebskredit  an  Industrie  und  Handel
und  der  Effektenkredit  entspricht  diesen  Forderungen;  den  Markt,  auf
dem  Angebot  und  Nachfrage  für  diese  Kredite  sich  begegnen,  bezeichnet
man  in  der  Praxis  als  Geldmarkt.  Oie  neuere  Entwicklung  hat  immer
mehr  dazu  geführt,  die  Notenbanken,  die  bis  in  die  zweite  Hälfte  des
19.  Jahrhunderts  die  Herrschaft  über  den  Geldmarkt  besaßen,  in  eine
Stellungzu  drängen,  die  in  günstigen  Zeiten  mehr  subsidiären  Charakter
I  hat,  im  Zenit  einer  Konjunkturperiode,  in  Kriegs-  oder  in  Panikzeiten
jedoch  für  den  Geldmarkt  durch  die  entscheidende  Stützung  eine  außerordentliche ­
  Bedeutung  gewinnt;  um  die  Position  der  Notenbank  klarer
zum  Ausdruck  zu  bringen,  wird  in  der  folgenden  Darstellung  im  Gegensatz ­
  zur  bisherigen  Tradition  zunächst  der  Geldmarkt  und  die  Stellung  der
Depositenbanken  auf  demselben  und  dann  erst  die  Notenbank  und  ihr
            
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