64. Die Grganisation der Banken.
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Funktionen. Auch bei den Versicherungsgesellschaften sind die Agen
turen in den weitaus meisten Fällen lediglich mit der Annahme von
Versicherungsanträgen, nur in Ausnahmsfällen auch mit der Annahme
von hgpothekenanträgen betraut, über welche die Entscheidung aber
immer in der Zentraldirektion erfolgt. Die Banken dieser Gruppe ziehen
einen erheblichen Teil der Sparkapitalien des Landes in bestimmte Ver
wendungsrichtungen hinein: der örtliche Zusammenhang zwischen Ge
winnung und Verwendung des Sparkapitals ist bei ihnen verschwunden,
ebenso jener zwischen Herkunft des Kapitals aus bestimmten Berufs-
zweigen und Verwendung in denselben. Oie zentrale Leitung großer
Vermögensmassen verlangt einfache leicht übersichtliche Anlagen.
Dezentralisierte Grganisation für das Aktiv- und Passivgeschäft
besitzen die Noten- und Kreditbanken. Die Filialen der Notenbanken
emittieren Noten und nehmen Depositen an, aber sie befassen sich auch
mit Diskont und Lombard. Ueberall auf dem Kontinent wurde von
den Notenbanken wegen der starken Vorteile der dezentralisierten Kre-
ditgewährung und Erlangung von Währungsgeld die Errichtung von
Zweigniederlassungen gefordert, vielfach sogar in den Privilegien zur
Pflicht gemacht. Da aber eine Filiale der Notenbank nur bei entwik-
keltem industriellem Unternehmertum Gewinn bringt, hat das von
den Staaten unter dem Druck der öffentlichen Meinung durchgesetzte
Prinzip der weitgehenden Dezentralisierung der Notenbanken die Er
richtung einer Reihe von passiven Filialen veranlaßt.
Auch bei den Kreditbanken wurde lange um die Frage gerungen,
ob dem Sgstem der Zentralisation oder jenem der Dezentralisation der
Vorzug gegeben werden sollte. Zn der englischen Literatur um die Mitte
des vorigen Jahrhunderts und in der deutschen Lankpraxis der neun
ziger Zahre wurde die Frage mit Nachdruck erörtert; sie kann heute als
entschieden bezeichnet werden, nachdem jene englischen Institute, die sich
gegen Filialbildung gesträubt hatten, als Fusionsobjekte behandelt
wurden und auch das reguläre Geschäft aus dem Kontinent sich zum
weitaus größten Teil bei den Banken mit zahlreichen Filialen konzen
triert hat.
Der Einleger trägt sein Kapital dort hin, wo es bei gleicher Sicher
heit und Verzinsung für ihn am bequemsten erreichbar ist; ebenso wird
der Industrielle und Kaufmann nur dort ein Konto errichten, wo er
über dasselbe rasch verfügen kann, wo die Banken ferner die Effekten
in die letzte Hand unterbringen wollen, dort müssen sie so nahe wie mög
lich dem Sparer selbst Hinrücken. Die drei Geschäftszweige der Annahme
von Scheckeinlagen, von Sparkapitalien und der Durchführung des Effekten-