Full text : Bankpolitik

65.  Die  Konzentration  der  Kreditbanken.

267

billigere  Beschaffung  des  Akzeptkredits  und  die  kommerziellen  Vorteile ­
  des  Anschlusses  an  einen  Großbanken;  ern  den  Sieg  der  Konzentrationsbewegung
  entschieden.  Oft  hat  sich  hier  der  Fall  ereignet,  daß
ein  Industrieunternehmen  die  Lokalbank  oder  den  Privatbankier,  seine
bisherige  Bankverbindung,  verlassen  mutzte,  wenn  seine  Kreditbedürfnisse ­
  für  die  alte  Verbindung  zu  grotz  wurden.  Ferner  haben  die  Großbanken
  infolge  ihrer  starken  Placementskraft  auch  die  internationale
Finanzierung  an  sich  gerissen  und  führen  die  Vorteile  aus  solchen  Transaktionen ­
  nur  den  ihnen  angeschlossenen  Unternehmungen  zu.  Aus  diesen
Gründen  sind  die  Lokalbanken  entweder  in  Abhängigkeit  von  den  Großbanken ­
  geraten  wie  meistens  in  veutschland  oder  direkt  in  sie  aufgegangen ­
  wie  in  England,  oder  sie  konnten  sich  gegenüber  den  vordringenden ­
  Großbanken  überhaupt  nicht  entwickeln  wie  in  Frankreich,  wo
erst  in  den  letzten  Jahren  eine  Gegenbewegung  gegen  die  zu  starke  Konzentration ­
  einsetzte.
Immer  mehr  ist  aus  dem  regulären  Geschäft,  von  der  Effektenkommission
  abgesehen,  der  Privatbankier  verschwunden.  Vas  Privatbankgeschäft ­
  beruht  auf  dem  vertrauen  zur  Person  des  Inhabers.  Wenn
der  Inhaber  sich  zurückziehen  will  oder  stirbt  und  weder  ein  verwandter
noch  eine  im  Geschäft  selbst  herangezogene  Persönlichkeit  das  Haus
übernehmen  kann,  muß  der  Uebergang  in  eine  Lank  oder  die  Liquidation ­
  gewählt  werden.  Oie  neuere  Generation  von  Bankierssöhnen  ist
aber  zumeist  weder  kaufmännisch  umfassend  ausgebildet  noch  so  unternehmungsfreudig, ­
  daß  sie  im  mühsamen  regulären  Bankgeschäft  die
Konkurrenz  mit  den  Großbanken  aufzunehmen  Lust  hätte.
Und  diese  Konkurrenz  ist  auch  in  der  Tat  außerordentlich  schwer.  Oer
Privatbankier  kann,  wenn  wir  von  vereinzelten  Ausnahmen  absehen,
Filialen  nicht  errichten,-  die  Art  seiner  Organisation  verträgt  dies  nicht;
es  gibt  noch  in  unseren  Tagen  Bankhäuser,  die  keine  weitere  Differenzierung ­
  der  Arbeitsteilung  außer  der  Scheidung  zwischen  Kasse  und
Buchhaltung  kennen.  Der  Bankier  übersieht  das  Geschäft  in  allen  seinen
Details,  Kassierer,  Korrespondent  und  Buchhalter  arbeiten  unter  seinen
Augen,  er  kann  sich  auf  seine  Leute  verlassen  und  darum  den  umständlichen ­
  Kontrollapparat  der  Großbanken  entbehren.  Gerade  aber  aus
diesem  Grunde  widerstrebt  es  dem  Wesen  des  Privatbankiers  Filialen
zu  errichten  und  überhaupt  ein  Geschäft  zu  treiben,  das  er  nicht  in  allen
seinen  Phasen  aufs  genaueste  übersehen  kann.  Aus  ähnlichem  Gedankengang ­
  heraus  haben  so  manche  Privatbankiers,  wenn  sie  an  die  Spitze
von  Großbanken  traten,  ein  instinktives  Mißtrauen  gegen  die  Errichtung
von  Filialen  bewiesen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.