Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

bat  ein  Unternehmen  an  Rohstoffen  160.000  Rkk.,  an  Fabritaten
  im  Produktionsprozeß  200.000  Mk.,  anfertigen  Produkten  100.000,.
an  Außenständen  100.000  Mk.,  so  wäre  die  Summe  der  liquiden  Aktiven ­
  560.000  Bis.;  der  Betriebskredit  ist  aber  nicht  von  diesem  Betrag,
  sondern  vom  Realisationswert  der  einzelnen  Aktiven  zu  bemessen.
Die  unverarbeiteten  Rohstoffe  kann  man  mit  geringen  Abzügen
als  realisierbar  ansetzen,'  bei  den  Außenständen  wird  die  Bewertung
von  der  Art  der  Schuldner  abhängen,  meist  werden  auch  hier  die  Abstriche ­
  vom  Bilanzwert  niedrig  sein.  Dagegen  ist  in  der  Regel
bei  den  fertigen  noch  unverkauften  Produkten  und  vornehmlich  bei  den
im  Produktionsprozeß  befindlichen  Gütern  eine  ansehnliche  Margen
einzusetzen.
Auf  den  ersten  Blick  wird  es  befremdlich  erscheinen,  daß  die  Rkarge^
die  bei  der  Kreditgewährung  gegenüber  dem  Bilanzwert  angelegt
wird,  bei  einem  Fabrikat  höher  angesetzt  werden  soll  als  bei  einem
Rohstoff.  Für  die  Praxis  der  Bankleitung  ist  aber  dieser  Unterschied
von  großer  Bedeutung:  Oie  Rohstoffe  haben  einen  Weltmarkt:  bei
Zusammenbruch  des  Banmwollhändlers  kann  die  Bank  die  Baumwolle, ­
  gleichviel  wo  sie  liegt,  durch  telegraphische  Grdre  an  einen  Makler
verkaufen  lassen.  Oie  Veräußerung  irgend  eines  fertig  gestellten  Textilproduktes ­
  dagegen  ist  schwierig,-  da  es  vielleicht  nur  in  einem  bestimmten ­
  Umkreis  verkäuflich  ist,  seht  es  Lokalkenntnis  voraus;  die  Fertigstellung ­
  der  im  Verarbeitungsprozeß  selbst  begriffenen  Güter  setzt  Fortbetrieb ­
  der  Fabrik  voraus.  Rehmen  wir  ein  anderes  Beispiel:  Eine
Schokoladefabrik  stellt  die  Zahlungen  ein:  der  Verkauf  des  Eacao  ist
durch  telegraphische  Grdre  möglich,  er  wird  gewissermaßen  unter  Berücksichtigung ­
  der  Transportkosten  auf  den  Weltmarkt  zurückgeschaffte
Oie  Schokolade  dagegen  ist  zumeist  nur  lokal  oder  überhaupt  nicht
absetzbar.  Oie  Fabrik  mag  zusammengebrochen  sein,  weil  ihr  Produkt ­
  nicht  Anklang  fand,  die  Produktionskosten  zu  hoch,  die  Lage
zu  ungünstig  war.  Ein  großer  Bestand  an  Vorräten  fertiger  waren
kann  eben  in  diesen  Ursachen  begründet  sein.  Run  müßte  die  Bank,
wenn  sie  die  im  Produktionsprozeß  befindlichen  Güter  zum  Bilanzwert
belehnt  hat,  um  ihren  Kredit  zu  retten,  die  Produktion  fortsetzen  und
dabei  riskieren  „gutes  Geld  dem  schlechten  nachzuwerfen",-  die  Warenvorräte ­
  aber  haben  —  im  Gegensatz  zu  den  Rohstoffen  —  durch  öie
Verarbeitung  individuellen  Charakter  erhalten.
Die  meisten  theoretischen  Oarstellungen  unterscheiden  zwischen
gedeckten  und  ungedeckten  Krediten.  Für  die  Praxis  ist  aber  dieser
Unterschied  nicht  in  erster  Linie  entscheidend,  es  kommt  vielmehr  auf'
            
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