fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

7. Der Komprador. 
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Mollat, Volkswirtschaftliches Lesebuch. 
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Geschästskasse des fremden Kaufmanns und tritt persönlich ein für alle Forderungen 
desselben gegen chinesische Landsleute, er verkörpert in seiner Person alle Beziehungen 
der fremden Firma zu ihren chinesischen Kunden und führt mit diesen, nur unzureichend 
kontrolliert, alle Verhandlungen; er hat fast unbeschränkte Herrschaft über alle chinesischen 
Angestellten seines Chefs und erfreut sich — selbst vor Überwachung ziemlich sicher — 
zahlreicher Möglichkeiten, einen Einblick in den Geschäftsbettieb des fremden Kaufmanns 
zu gewinnen. And diese Machtfülle, die aus der natürlichen Eigenart der chinesischen 
Verhältnisse gewissermaßen herausgewachsen ist, wird planmäßig dadurch gesteigert, daß 
sich -das Organisationsgeschick der Chinesen auch hier betätigt. Während ein scharf 
zugespitzter Konkurrenzneid jeden fremden Kaufmann mehr oder minder isoliert, läßt 
das nüchtern erkannte gemeinsame Interesse die Kompradore in geschäftlicher Fühlung 
miteinander bleiben. Den zersplitterten Kräften der Ausländer kann daher auch hier, 
innerhalb des eigenen Geschäftes des fremden Kauftnanns, ein geschlossener und daher 
meist unüberwindlicher Widerstand, der nicht einmal als solcher immer zu erkennen ist, 
entgegengesetzt werden. Am weitesten scheint das im Süden, gleichsam an der Geburts 
stätte des Kompradors, in Kanton und Hongkong, entwickelt zu sein; jedenfalls ist dort 
die Organisation am besten nachweisbar. In Mittel- und Nord-China ist sie vielleicht 
noch etwas zurückgeblieben; das dürste wohl damit im Zusammenhang stehen, daß die 
fremden Kaufleute anfangs ihre chinesischen Angestellten, insbesondere Kompradore, aus 
Bequemlichkeitsgründen regelmäßig aus dem Süden bezogen. Diese wurden allerdings 
schon durch die gemeinsame Abstammung aus einer fremden Provinz zusammengehalten. 
Aber die organisierten ortsangeseffenen Kaufleute suchten sich dieser unbeliebten Ein 
dringlinge zu entledigen. Diese Emanzipationsbewegung, die heute, insbesondere im 
Pangtsetal, zum Abschluß gekommen zu sein scheint, lähmte begreiflicherweise das 
Streben nach Zusammenschluß; sie lähmte es, beseitigte es jedoch nicht. Wo daher 
bisher der Zusammenhalt der Kompradore noch mangelhaft ist, dürfte er in der Zukunft 
noch stärker hervortreten. 
Es ist selbstverständlich, daß diese große natürliche und noch künstlich gesteigerte 
wirtschaftliche Machtfülle in den Händen der Kompradore nicht unbenutzt gelassen wird. 
Das beweisen auch die Erfolge. Sehr häufig wird der chinesische Angestellte beim 
gemeinschaftlichen Geschäfte fetter als sein Chef, der fremde Kaufmann. Daß er an 
allen Abschlüssen ebensoviel verdient als dieser, wird auch in China kaum noch bestritten; 
nur darüber ist kürzlich eine kleine Zeitungsfehde im fernen Osten entbrannt, ob es 
wahr ist, was ein sehr erfahrener fremder Kaufmann jüngst behauptet hat, daß der 
Komprador stets das doppelte verdient. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, daß 
die Kapitalkraft des Chinesen die des Fremden vielfach übersteigt. Ebensowenig ist 
aber auch verwunderlich, daß der Komprador, der so stattliche Nebenverdienste sich zu 
beschaffen weiß, in allen vertraglichen Einzelverpflichtungen sich den vielgerühmten Luxus 
peinlichster Ehrlichkeit leisten kann, zumal da er klar erkannt hat, daß auf diesem 
beschränkten Feld der alte Spruch: „Ehrlich währt ain längsten" gilt.
	        
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