Full text: Bankpolitik

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II. Oer Geldmarkt. 
tenöedung 10 oder 100% war. Nur 1839 war im letzten Augenblick 
für kurze Zeit ein sechsprozentiger Sah in Nraft gewesen. Seit der 
peelschen Akte aber begann die Bank planmäßig den Diskont nach dem 
Stand der Wechselkurse, dem Goldabfluß ins Innere und der Noten 
inanspruchnahme zu richten. 1847 und 1848 erhöhte sie den Diskont 
rasch bis auf 8 % und ein parlamentscommittee begrüßte das Vorgehen 
als zweckentsprechend. (1847 hatte die Lankakte suspendiert werden 
müssen, da die Notengrenze fast erreicht war, von der Möglichkeit der 
Erhöhung der Emission wurde aber kein Gebrauch gemacht), von 
1851—1857 veränderte die Bank 34 mal den Diskont, durchschnittlich 
fünfmal im Jahr: sie hatte mit 2% die Periode begonnen und hatte 
durch die zu niedrigem Diskont erfolgte Diskontierung amerikanischer 
Finanztratten zur Nrise, die in der Spekulation in amerikanischen Eisen- 
bahnwerten ihre Ursache hatte, beigetragen. Am 6. Oktober 1856 
erhöhte sie den Diskont auf 6% für Zwei- und 7 % für Dreimonat 5 
Wechsel und verkürzte die Laufzeit von Lombarddarlehen, am 16. Ok 
tober 1856 lehnte sie Effektenlombardierung überhaupt, am 11. No 
vember den Diskont von wechseln mit mehr als einmonatlicher Lauf 
zeit ab. Die Situation spitzte sich im folgenden Jahre noch stärker zu: 
Am 12. Oktober ging der Satz auf 7, am 9. November auf 10%, am 
12. November wurde die Bankakte suspendiert, aber es mußte diesmal 
von der Ermächtigung erhöhter Notenemission Gebrauch gemacht 
werden. Bald nach Beendigung der Nrise war der Diskont wieder 2%; 
1858—65 wurde der Diskont 81 mal geändert, durchschnittlich 10 mal 
jährlich (1865 17 mal im Jahr, von 3 bis 7%),- 1866—1873 84 mal 
(1873 selbst 24 mal, durchschnittlich zweimal im Monat!). 
Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts bestand zwischen den 
Geldmärkten der verschiedenen Reiche noch fast keine Verbindung. 
Ein Arbitcagegeschäft war in den dreißiger Jahren des vorigen Jahr 
hunderts selbst zwischen so nahegelegenen Städten wie Paris und Lon 
don kaum möglich, da ein Brief von London nach Paris mit der Nurs- 
meldung drei Tage benötigte, die Sammlung des für eine größere 
Sendung nötigen Silbers gleichfalls mehrere Tage dauerte und die 
Paketpost nur zweimal in der Woche verkehrte, das Silber, das es 
zu befördern galt, auch sehr kostspielige Fracht (wegen des schweren 
Gewichts) bedang. Das änderte sich mit Einführung des Eisenbahn- 
und Telegrammverkehrs, ferner mit dem Uebergang zunächst Frank 
reichs zur Goldwährung, während noch die hohen englischen Diskont 
sätze von 1847 und 1848 am Nontinent spurlos vorübergegangen wa 
ren, wurde Paris und die deutschen Plätze von der Nrise des Jahres
	        
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