Full text : Bankpolitik

72

II.  Der  Geldmarkt.

ins  Ausland  gehemmt.  Die  Preissenkung  der  Effekten  vermindert  die
Neigung  zum  Ankauf  auswärtiger  Werte,  erhöht  den  Anreiz  zum  Verkauf ­
  von  Effekten  an  das  Ausland.
3.  Sie  hat  die  rasche  Einziehung  kurzfälliger  Korderungen  an  das
Ausland  zur  Kolge:  Wer  einem  im  Ausland  wohnenden  Runden  Wechselkredit ­
  gegeben  hat,  wird  leichter  geneigt  sein,  diesen  zu  verlängern,  wenn
er  mit  dem  Geld  im  Inland  niedrigen  Zins  als  wenn  er  hohe  Vergütung
erhält;  umgekehrt  wird  der  ausländische  Gläubiger  bereitwilliger  den
Wechsel  auf  den  inländischen  Schuldner  bei  hohem  Zinsstand  verlängern
oder  ihn  wenigstens  später  im  Inland  diskontieren,-  weün  der  Diskont
in  Deutschland  3%  ist,  so  wird  der  auswärtige  Besitzer  eines  Wechsels
auf  Deutschland  den  Wechsel  in  einem  weit  frühzeitigeren  Stadium  in
Deutschland  diskontieren  als  wenn  ihm  ein  fünfprozentiger  Abzug
gemacht  wird.  —  Die  Diskonterhöhung  wird  überhaupt  die  Rapitalien,
die  auf  kurze  Krist  zu  verleihen  sind  und  internationale  Anlage  suchen,
leichter  zur  Anlage  im  Inland  veranlassen.
Diese  Gründe  sind  unter  bestimmten  Doraussetzungen  in  einigen
Reichen  zutreffend,  aber  sie  haben  durchaus  nicht  jene  Allgemeingeltung,
wie  es  Theorie  und  Praxis  auch  heute  noch  annimmt.
1.  Die  Eindämmung  des  wirtschaftlichen  Verkehrs  und  die  Preissenkung ­
  treten  nicht  bei  jeder  Diskonterhöhung  ein:  wäre  dies  der  Kall,
dann  wären  die  höchsten  Preise  beim  niedrigsten  und  die  niedrigsten
Preise  beim  höchsten  Diskont  zu  verzeichnen,  was  zweifellos  nicht  zutrifft. ­
  Die  preissenkende  Wirkung  wird  nur  in  jenen  Kälten  eintreten,
in  welchen  der  Diskont  den  Gewinn  des  Unternehmers  ganz  wegnimmt;
dieser  Punkt  wird  beim  Effektenhandel  frühzeitig,  beim  Warenhandel  erst
bei  starker  Erhöhung  der  Rate,  zum  Teil  überhaupt  nicht,  bei  der  Industrie ­
  nur  in  bestimmten  Produktionszweigen  erreicht.  Man  mutz  bedenken,
datz  l  %  Diskontunterschied  nur  %  %  pro  Vierteljahr,  bei  einem  Rredit
von  1  Million  somit  nur  2500  NU.  im  Iahr  beträgt.  Der  Kabrikant  und
der  Raufmann  arbeiten  nicht  durchwegs,  auch  nicht  zum  grötzten  Teil
mit  so  geringen  Margen.  Kür  die  Industriezweige  aber,  die  mit  hohem
eigenen  Betriebskapital  arbeiten  oder  bei  denen  das  Betriebs-  im
Verhältnis  zum  Investitionskapital  nur  eine  mätzige  Proportion  bildet,
hat  die  Erhöhung  des  Satzes  für  Leihgeld  nur  eine  geringe  oder  überhaupt ­
  keine  Bedeutung.  Wie  grotz  hierin  der  Unterschied  zwischen  den
einzelnen  Industriezweigen  ist,  das  zeigt  die  folgende  Gegenüberstellung, ­
  die  aus  den  Industriestatistiken  des  österreichischen  Rompatz  von
1913  zusammengestellt  ist.  Es  betrugen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.