Full text : Bankpolitik

21.  Oie  Begründung  und  Kriti!  der  Diskontpolitik.

73

Werksanlagen  Vorräte  Debitoren  und  Wechsel

in  Prozenten  der  Gesamtinvestition

bei  sechs  Kohlenwerken

75

2

23

bei  neun  Eisenwerken

64

12

24

dagegen  bei  denBaumwollfabriken

35

38

27

bei  den  Dampfmühlen

17

47

36

Vorräte,  Wechsel  und  Debitoren  werden  als  Grundlage  für  Bstriebskredit
  angesehen,-  die  Vorräte  betrugen  zu  Ende  1912  2%  bei  den  Koly
lenwerken,  38%  bei  den  Baumwollfabriken  und  47%  bei  den  Wühlen.
Auf  diese  beiden  letztgenannten  Gruppen  mutz  eine  Erhöhung  des  Leihgeldpreises ­
  natürlich  ganz  anders  wirken  als  auf  die  Kohlenwerke.  Auf
die  festgefügten  Gesellschaften  der  Schwerindustrie  und  die  amerikanischen ­
  Trusts,  die  sich  das  Betriebskapital  durch  Obligationen  beschaffen
können,  hat  die  Erhöhung  der  Bankrate  wenig  Einflutz.  In  Zeiten,  wo
diese  Produktionszweige  im  Vordergrund  der  Konjunktur  stehen,  wird
die  Erhöhung  des  Diskonts  nicht  jene  Branchen  treffen,  die  am  stärksten
beschäftigt  sind,  sondern  jene,  welche  im  Verhältnis  zu  ihrem  stehenden
Kapital  am  stärksten  Kredit  benötigen.  Ini  Effektenhandel,  der  mit
einer  sehr  starken  Ouote  von  Leihgeld  arbeitet,  sind  Zinserhöhungen
für  längere  Zeit  nur  bei  starkem  Steigen  der  Kurse  zu  ertragen,'  hier
wirkt  die  Diskonterhöhung  schon  in  jenem  Zeitpunkt  wo  ihr  Satz  die
Zinshöhe  der  Rentenwerte  und  oft  auch,  wenn  er  die  Rentabilitätsrate
der  Aktien  erreicht;  in  der  Industrie  —  anders  im  Handel  —  wird  der
Nutzen  nur  in  einem  Teil  der  Unternehmungszweigc  und  nur  für  einen
Teil  des  Umsatzes  ausgezehrt.
Seiner  hängt  der  Grad  der  Wirkung  der  Diskonterhöhung  auf
die  preise  derjenigen  Güter,  bei  deren  Herstellung  oder  Handel  Betriebskredit ­
  in  starkem  Watz  benützt  wird,  von  der  höhe  der  Hausseengagements ­
  und  der  Vorräte  in  Industrie  und  Handel  ab.  Wenn  die  Lagerbestände ­
  gelichtet  sind,  kann  auch  bei  Zinsänderung  nicht  viel  verkauft
werden,  und  darum  bleiben  die  ersten  Diskonterhöhungen  in  jeder  Konjunktur
  auf  die  Warenpreise  ohne  Einflutz.
2.  Die  Wirkungen  auf  die  Zahlungsbilanz  werden  nur  dann  eintreten, ­
  wenn  der  heimische  Diskont  im  Verhältnis  zu  jenem  des  Auslandes ­
  sich  ändert,'  geht  aber  das  Ausland  in  gleicher  Weise  vor,  so  ist
keine  Veränderung  gegenüber  dem  bestehenden  Zustand  erzielt;  wenn
die  Bank  von  England  von  3  auf  4,  die  Reichsbank  von  3%  auf  4%%
erhöht,  so  wird,  möchte  man  auf  den  ersten  Blick  meinen,  der  Anreiz
auf  das  englische  Kapital,  Wechsel  in  Deutschland  zu  prolongieren,
            
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