thumbs : Geld-, Bank- und Börsenwesen

10

bei  großer  Verminderung  der  Umlaufsmittel  zunächst  ein  Tausch  auf
Grund  des  Kredits  und  der  Kreditpapiere  ein.
Eine  dritte  Geldwerttheorie,  die  Produktionskostentheorie,
stammt  von  dem  Engländer  Senior  und  ist  auch  von  Karl  Marx  vertreten ­
  worden.  Entsprechend  der  objektiven  Wertlehre  hängt  der  Wert
des  Geldes,  wie  der  jeder  anderen  Ware,  von  seinen  Produktionskosten
ab.  Sind  die  Herstellungskosten  der  Ware  stärker  gefallen  als  die  Gewinnungskosten ­
  des  Edelmetalls,  so  müsse  ein  Sinken  der  Warenpreise
eintreten.  —  Diese  Theorie  erblickt  zu  einseitig  die  Veränderungen  im
Geldwerte  nur  auf  seiten  des  Edelmetalls,  übersieht  den  Einfluß  von
Produktionsveränderungen  auf  der  Warenseite.  Der  Tauschwert,  also  die
Kaufkraft  des  Geldes,  steigt  durch  alle  Produktionsverbilligungen.
Während  die  genannten  Theorien  den  Wert  des  Geldes  vom  Wert  des
Metalles  ableiten  und  so  den  Tauschgutcharakter  des  Geldes  feststellen
Metallisiert),  versucht  Knappt,  den  Tauschwert  des  Geldes  statt  auf
das  geprägte  Metall,  auf  die  „N  o  m  i  n  a  l  i  t  ä  t  d  e  r  W  e  r  t  e  i  n  h  e  i  t"
zurückzuführen.  Der  Wert  des  Geldes  beruhe  nicht  auf  den  natürlichen
Eigenschaften  seines  Stoffes,  sondern  darauf,  daß  der  Staat  kraft  Gesetzes ­
  gewissen,  von  ihm  gekennzeichneten  Stücken  „Geltung"  verleihe.  Für
das  Wesen  des  Geldes  sei  es  gleichgültig,  ob  die  Geldzeichen  aus  Papier
oder  aus  Metall  hergestellt  seien.  Ausschlaggebend  sei  stets  der  staatliche
Befehl,  das  Vertrauen,  das  diesem  die  Allgemeinheit  entgegenbrächte.
Die  Rechtsordnung  schaffe  das  Geld,  es  sei  einfach  ein  Rechnungsmittel.
  Die  Werteinheit,  die  der  Staat  seiner  Geldschöpfung  zugrunde ­
  legt,  stelle  nicht  den  Wert  der  gemünzten  Metallmengen,  sondern
nur  ein  bestinimtcs  Quantum  abstrakter  Kauf-  und  Zahlkraft  dar.  Nur  mit
Zahlmarken,  mit  „ch  a  r  t  a  l  e  n  Stücken"  könne  man  bei  den  Kulturvölkern ­
  unserer  Zeit  Zahlung  leisten.  Diese  Tatsache  bezeichnet  Knapp
alsdie  Chartalvcrfassung  des  Geldes.  Neben  der  „chartalen"
Zahlung  stehe  der  „girale"  Geldverkchr:  Übertragung  von  Werteinheitcn
durch  Verfügung  über  ein  Guthaben  zugunsten  eines  Dritten.
Diese  juristisch-dogmatischen  Ausführungen  Knapps  hat  Friedrich
B  e  n  d  i  x  e  n  (im  „Wesen  des  Geldes"  und  in  zahlreichen  anderen  Abhandlungen) ­
  nach  der  wirtschaftlichen  Seite  ergänzt.  Er  begründet  eine
*)  Staatliche  Theorie  des  Geldes.  Die  1.  Auflage  ist  1905  erschienen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.