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Meierei C. Bolle A.-G. Berlin.
Die Meierei wurde im Jahre 1881 von dem 1910 verstorbenen Königl. Geheimen
Kommerzienrat Carl Bolle gegründet.
1911 erfolgte die Gründung der Meierei C. Bolle Actiengesellschaft, 1. Vorstand Dr. Carl
Bolle, gestorben Oktober 1911. Nachdem vorübergehend Leiter des Unternehmens Direktor
CarlPernet als Delegierter des Aufsichtsrates. Vorstand seit 1. Januar 1912 Direktor C. Reuter.
Versorgung Groß-Berlins mit Kindermilch, Vollmilch und Milchprodukten.
Meierei und Büro Berlin NW 21, Alt-Moabit 98/103.
Größe des Grundstücks Alt-Moabit 28 500 qm, wovon 14 000 bebaut sind.
Dem Betriebe dienen:
9 Dampfkessel mit ca. 870 qm Heizfläche,
5 Dampfmaschinen mit ca. 700 Pferdekräften,
5 Kompressoren für Eis und Kühlwasser mit 500 000 Kalorien Stundenleistung,
2500 Glühlampen und 90 Bogenlampen,
6 Gleichstromdynamomaschinen von über 450 Kilowatt Stromerzeugung,
320 Wagen, 500 Pferde,
2500 Angestellte.
Tägliche Milcheinlieferung 130 000 Liter.
Eigene Kuhhaltung für Kindermilch in Köpenick-Marienhain.
HAUSKAPELLE DER MEIEREI (Bild 1). Die Kapelle wurde am 3. Juli 1893 in
Gegenwart I. M. der Kaiserin, die zur Feier eine Altar- und eine Kanzelbibel mit Widmung
stiftete, eingeweiht, umfaßt etwa 1500 Sitzplätze, hat eine Orgel mit 35 klingenden Stimmen
und dient des Sonnabends den wöchentlichen Gottesdiensten für die Angestellten, des
Sonntags der Sonntagsschule für deren Kinder, im übrigen zu Taufen und Trauungen
unter dem Personal. Die Meierei hat einen eigenen Geistlichen, der auch Konfirmanden
unterricht erteilt, eine besondere Fabrikzeitung, den Fabrikboten, redigiert und mit Unter
stützung einer Diakonisse Gemeindepflege übt.
DER FABRIKBOTE DER MEIEREI C. BOLLE A.-G. (Bild 2). Derselbe ist ein un
entgeltliches Sonntagsblatt für alle Angestellten, das neben religiöser Belehrung profane
Unterweisung, Unterhaltung, Politik, Meierei- und Familiennachrichten u. a. bietet.
DER FESTSAAL (Bild 3). Er enthält ein Ausstellungsarrangement von Modellen.
Ansichten, Produkten usw. aus der Meierei, sowie eine Sammlung von Kerbschnitzereien
des Schnitzvereins (siehe Bild 12) und dient vor allem Versammlungen der Angestellten zur