Religiöse Bewegung; Luther.
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darauf mit den ebenfalls nur privatim verbreiteten Asterisci
(Sternchen), ohne im übrigen den tiefen Gegensatz zu erkennen,
in den ihn seine ersten öffentlichen Außerungen nicht bloß zur
Meinung der Kirche, sondern auch zum päpstlichen Stuhle gebracht
hatten. Vielmehr meinte er noch immer in seinen Thesen die
reine kirchlich- päpstliche Ansicht über den Ablaß gegen falsche
scholastische Lehren verteidigt zu haben, verehrte nach wie vor
im Papste den höchsten Richter der Christenheit und lebte des
Glaubens, er werde nur für eine genauere Aufklärung der
Kurie zu sorgen haben, um Recht zu erhalten.
Von diesem Standpunkte aus hatte er schon früher die
Thesen an seine kirchlichen Obern geschickt, die sie nach Rom
zelangen ließen. Von diesem Standpunkte aus arbeitete er
setzt bis Mitte Mai 1518 Erklärungen zu den Thesen aus, die
er ebenfalls dem Papste zur Kenntnisnahme bestimmte. Und
in dem Widmungsschreiben unterwarf er sich noch ganz dem
Papste, freilich unter der Voraussetzung, daß Christus aus
seinem geweihten Munde spräche. „Ich falle Eurer Heiligkeit
zu Füßen und ergebe mich ihr samt allem, was ich bin und
habe. Verhänget Leben, verhänget Tod; saget zu, saget ab;
bestätiget, verwerfet, wie Euch beliebt: Eure Stimme werde
ich als die Stimme Christi anerkennen, der in Euch regiert
und redet.“ Es ist die Stimmung, die in einem gleichzeitigen
Briefe an Staupitz wiederkehrt: „Christi Urteil erwarte ich
vom römischen Stuhle zu hören.“ Aber freilich: sollte der
Papst nicht Ehristi Stimme folgen, so ist Luther zum Wider⸗
stand bereit, und todesfreudig schaut er dem Martyrium ent—
gegen. „Der einige nichtige Leib, durch viel und stetige Be⸗
schwerde geschwächt, ist noch übrig; richten sie den, durch List
oder Gewalt, Gott zu Dienst, so machen sie mich ärmer um
eine Stunde oder zwei meines Lebens. Mir genügt mein süßer
Erlöser und Erbarmer, der Herr Jesus Christus: dem will ich
ingen, so lang' ich lebe.“
War das die Stimmung, die in Rom Entgegenkommen
finden konnte? Die erste Antwort auf den lutherischen Handel,
die von Rom her öffentlich verlautete, ging nicht vom Papste