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Erwin Respondek,
Die Gesamtsumme der in Frankreich und im Auslande gezeichneten
Renten beläuft sich nach Ri bot auf 756,5 Mill. Frcs. und entspricht
einem nominellen Kapital von 15 130 Mill. Franken. Durch den nie
drigen Emissionskurs und die auf sofortige Bar- und Vollzahlungen ge
währten Bonifikationen sinkt der effektive Ertrag unter diese Ziffer.
Zunächst fällt der nominelle Betrag durch den Emissionskurs von 88 %
auf 13 314 Mill. Frcs. Hiervon gehen 0,15% als Vergünstigung an die
Zeichner ab, die sofort bei der Zeichnung den Betrag voll einzahlten.
Sie betrugen nach den Angaben des Finanzministers 71 Mill. Frcs., so
daß dem Staate nur 13 243 Mill. Frcs. effektive Mittel bereit gestellt
wurden. Eine zweite und die bedeutsamste Frage liegt in der Klassi
fizierung der Zeichnungen nach Barzeichnung und Konvertierung, da ja
die Einzahlungen laut Prospekt in Bar und Titres erfolgen durften.
Die vom Finanzminister bekanntgegebenen Zahlen zeigen hier das fol
gende Bild:
Bar (unter Ausschluß der Bonifikation von 71,00 Mill. Frcs.) 6368,00 Mill. Frcs.
Konvertierung: a) N.-V.-Wechsel . . .... 2227,9
b) N.-V.-Obligationen . . . 3191,9
c) s}4% Amort. Rente . . 24,5
d) 3 % ewige Rente .... 1430,5 6874,80
Insgesamt 13242,80 Mill. Frcs.
Auf das Ausland kommen von diesem Ergebnis im ganzen etwa
800 Mill. Frcs. England steht mit einem Betrage von 602 Mill. Frcs.
an erster Stelle, während in den anderen befreundeten und verbündeten
Ländern namentlich durch Vermittlung der im Auslande arbeitenden fran
zösischen Banken nach einer Schätzung des Ministers R i b o t etwa
200 Mill. Frcs. gezeichnet wurden. Dieses Ergebnis muß als sehr gering
bezeichnet werden, da es zu der großen Propaganda, die man dort ent
faltete, in keinem rechten Verhältnis steht. Die englische Zeichnung
von 602 Mill. Frcs. dient lediglich als Bezahlung für die Schuldverbind-
lichkeiten der französischen Regierung. Von diesen Geldern fließt somit
auch nicht ein „penny“ nach der französischen Republik. Außer den
Vereinigten Staaten von Amerika und Schweden, die keinen Betrag
für die französische Siegesanleihe ausgaben, haben vor allem die Schweiz
20 Mill. Frcs. und Holland 80 Mill. Frcs. gezeichnet. Wahrscheinlich
rühren diese Zeichnungen von der französischen Kundschaft her, die in
neutralen Ländern für Rechnung der Franzosen hohe Summen Kapitalien
verwalten und sie schon im Frieden der Kontrolle und Erfassung durch
den Fiskus entziehen 1 ). -lii 'Ü -i i; 4 ;
x ) Die „Frankfurter Zeitung“, n. Februar 1916, No. 41, S. 3 (siehe auch L’Economiste
Franfais 1916, S. 206) berichtet über die einzelnen Beträge, die auf die europäischen und
außereuropäischen Staaten fallen, ausführlicher: Übertrag 39,10 Mill. Frcs.
Kanada 12,00 Mill. Frcs. Norwegen .... 9,00
Argentinien . . . 10,00 „ „ Portugal 4,50
Brasilien .... 2,30 „ „ Spanien 1,80
Ägypten 8,80 „ „ Dänemark .... 4,00
Monaco 6,00 ,, „ Griechenland. . . 4,70
Summa 39,10 Mill. Frcs. Insgesamt 63,10 Mill. Frcs.