Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Mech.  Weberei  am  Mühlbach,  Augsburg-Pfersee.

Jedem  Mieter  ist  ein  Gartenanteil  von  durchschnittlich  30  qm  Größe  zugeteilt,  der
demselben  zur  unentgeltlichen  Nutznießung  überlassen  ist.
BADEGELEGENHEIT.  Sämtlichen  Arbeitern  der  Fabrik  ist  durch  ein  Abkommen
der  Firma  mit  einer  benachbarten  Badeanstalt  Gelegenheit  geboten,  gegen  Erlag  von  10  Pfg.
ein  warmes  Wannenbad  und  von  5  Pfg.  ein  Brausebad  mit  Wäsche  zu  erhalten;  die  Mehrkosten ­
  werden  von  der  Firma  bestritten.
KRANKENKASSE.  Die  Beiträge  der  Krankenkasse  sind  auf  4  y 2  %  des  wirklichen
Arbeitsverdienstes  festgesetzt;  die  Firma  hat  hiervon  statt  des  gesetzlichen  einen  Drittels,
freiwillig  die  Hälfte  der  Beiträge  übernommen.
UNTERSTÜTZUNGEN.  Die  Firma  schuf  ein  Arbeiter-Unterstützungs-Konto,  das  eine
ungefähre  Höhe  von  111000  M,  aufweist  und  ein  Beamten-Unterstützungs-Konto  mit
etwa  76  000  M.,  welche  ausschließlich  aus  Mitteln  der  Firma  dotiert  werden,  ohne  irgendwelche ­
  Beiträge  von  seiten  der  Angetellten  und  Arbeiter.  Hiervon  werden  unterstützungsbedürftigen ­
  Personen  Zuschüsse  gewährt,  teilweise  geschieht  dies  auch  in  Form  von  Pensionen. ­

FABRIKSPARKASSE.  Um  den  Angestellten  und  Arbeitern  Gelegenheit  zu  geben,
sich  eine  Sparpfennig  für  Fälle  der  Not  zurückzulegen,  schuf  die  Firma  eine  Fabriksparkasse,
bei  welcher  freiwillige  Einlagen  mit  4%  %  pro  Jahr  verzinst  werden.  Einlagen  in  die  Sparkasse ­
  können  bereits  von  1  Mark  an  erfolgen  und  werden  dieselben  auf  Wunsch  jederzeit
wieder  zurückbezahlt.
NÄHKURSE.  Zum  Zwecke  der  Fortbildung  im  Nähen  und  in  anderen  Handfertigkeiten
errichtete  die  Firma  vor  einigen  Jahren  Abendkurse  für  Arbeiterinnen  unter  Leitung  einer
geprüften  Lehrerin,  welche  von  einer  größeren  Anzahl  unserer  Arbeiterinnen  besucht  wurden.
Seit  kurzer  Zeit  vereinigten  wir  diese  Kurse  mit  den  von  hiesigen  Frauenvereinen  gegründeten
Nähabenden,  woran  wir  uns  mit  einem  regelmäßigen  größeren  jährlichen  Beitrag  beteiligen.
ARBEITERVEREIN.  In  der  Fabrik  besteht  ein  Arbeiterverein  (Werkverein),  dem
sich  etwa  die  Hälfte  der  Gesamtarbeiterschaft  angeschlossen  hat  und  deren  Prinzip  es  ist,
im  friedlichen  Einvernehmen  mit  dem  Arbeitgeber  zu  leben,  die  also  den  freien  Gewerkschaften
fern  stehen.  Der  Verein  hat  das  Bestreben  seinen  Mitgliedern  in  wirtschaftlicher  Hinsicht
Vorteile  zu  bieten  und  sie  in  jeder  Notlage  zu  unterstützen.  So  gewährt  er  durch  eine,  unabhängig ­
  von  der  Fabrikkrankenkasse  geschaffene  Krankenhilfskasse  deren  Mitgliedern
Krankengelder,  Wöchnerinnen-Unterstützungen  und  Sterbegelder,  wozu  sich  die  Firma
statutarisch  verpflichtet  hat,  ein  Drittel  der  Beiträge  zu  übernehmen.
Im  Falle  der  Bedürftigkeit  und  Würdigkeit  werden  Vereinsmitglieder  unterstützt,
bei  militärischen  Übungen,  bei  Verheiratung,  zum  Besuch  von  Ausstellungen  und  Fachschulen ­
  werden  Zuschüsse  geleistet,  im  Krankheitsfalle  wird  eine  Hauspflege  vermittelt.
Erstkomunikanten  der  Mitglieder  erhalten  Geschenke,  insbesondere  aber  werden  bei  der  alljährlich ­
  stattfindenden  Weihnachtsfeier  Familienangehörige  und  Kinder  reichlich  beschenkt. ­
  Durch  einen  Gesangverein,  der  aus  Vereinsmitgliedern  besteht,  wird  auch  die
Geselligkeit  gepflegt,  ebenso  besteht  eine  gut  ausgestattete  Vereinsbibliothek  zur  freien
Benutzung.
Um  den  Verein  in  die  Lage  zu  versetzen,  all  diese  Vorteile  seinen  Mitgliedern  bieten
zu  können,  gewährt  die  Firma  regelmäßig  größere  Zuwendungen  zum  Vereinsvermögen,
welche  den  hier  angeschlossenen  Arbeitern  zugute  kommen.
            
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