Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

E.  Merck,  chemische  Fabrik,  Darmstadt.

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BADEGELEGENHEIT  ist  den  Arbeitern,  sowie  den  in  den  Fabrikbetrieben  und  Magazinen ­
  beschäftigten  Beamten  hinreichend  geboten.  Es  stehen  15  Zellen  für  Vollbäder  und
19  Zellen  für  Duschbäder  zur  Verfügung.  1  H
BEAMTENKASINO,  ARBEITERKANTINE.  Die  Lage  der  Fabrik  außerhalb  der  Stadt
Darmstadt  und  die  Einführung  der  englischen  Arbeitszeit  machten  es  notwendig,  den  Beamten ­
  die  Möglichkeit  der  Beköstigung  innerhalb  der  Fabrik  zu  bieten.  Ebenso  mußte
für  die  Verpflegung  der  teils  sehr  entfernt  wohnenden  Arbeiter  Fürsorge  getroffen  werden.
Zu  diesen  Zwecken  wurden  besondere  Gebäude  für  ein  Beamtenkasino,  sowie  für  eine
Arbeiterkantine  errichtet.
Das  Kasino  enthält  neben  den  entsprechenden  Küchen-  und  Vorratsräumen,  sowie  den
Wohnräumen  für  das  Dienstpersonal  zwei  größere  Restaurationssäle  und  mehrere  kleinere
Speisezimmer.  An  dem  Mittagstisch  nehmen  täglich  280—300  Personen  teil.  Die  Beamten
zahlen  pro  Gedeck  40  Pfg.  Die  Unterhaltung  des  Kasinos  erforderte  in  den  letzten  3  Jahren
einen  durchschnittlichen  Zuschuß  der  Firma  von  23  000  M.
Die  Arbeiterkantine  liefert  Mittagessen  und  Abendessen,  die  in  einer  mit  den  neusten
technischen  Einrichtungen  versehenen  Kochküche  zubereitet  werden.  In  Verbindung  mit
ihr  steht  eine  Kaffeeküche.  Zur  bequemeren  Verabfolgung  der  Speisen  ist  die  Küche  durch
Schaltervorrichtungen  direkt  mit  dem  großen  Speiseraum  der  Kantine  verbunden.
Für  das  Mittagessen  in  der  Kantine  zahlen  die  Arbeiter  20  Pfg.  im  Abonnement.  Es
nehmen  zurzeit  630—650  Personen  am  Mittagstische  teil.  Der  Zuschuß  der  Firma  zu  den
Aufwendungen  des  Kantine  belief  sich  in  den  Jahren  1910—1912  durchschnittlich  auf
22  000  M.
Den  nicht  am  Mittagstische  teilnehmenden  Arbeitern  stehen  in  den  Speiseräumen  der
Fabrikbetriebe  Kochapparate  zum  Wärmen  der  mitgebrachten  Eßwaren  zur  Verfügung.
Es  sind  in  der  Fabrik  54  derartige  Apparate  aufgestellt,  ihre  Benutzung  verursacht  der  Firma
einen  Kostenaufwand  von  6000  M.  pro  Jahr.
WOHNUNGSFÜRSORGE.  Auf  dem  Gebiete  der  Wohnungsfürsorge  ist  seit  Verlegung
der  Fabrik  ebenfalls  eine  ausgedehntere  Betätigung  geplant.  Es  besteht  das  Projekt  zur  Erbauung ­
  einer  Kolonie  von  200  Einfamilienhäusern  auf  einem  an  das  Fabrikterrain  angrenzenden ­
  Gelände  an  der  Frankfurterstraße.  Vorläufig  ist  in  nächster  Nähe  der  Fabrik  eine
Häuserkolonie  mit  insgesamt  36  Arbeiterwohnungen,  bestehend  aus  2—3  Zimmern  mit
Küche,  errichtet.  Die  wöchentlichen  Mietpreise  betragen  1,95  M.  bis  4,35  M.
JUNGGESELLENHEIM.  Ein  sogenanntes  Junggesellenheim  bietet  unverheirateten
und  verheirateten  Arbeitern,  die  nur  zum  Sonntag  ihren  Wohnort  aufsuchen,  Wohngelegenheit.
  Für  die  Benutzung  eines  Bettes,  eines  Waschtisches  und  eines  Schrankes,  sowie  für
Beleuchtung  und  Heizung  sind  75  Pfg.  pro  Woche  zu  entrichten.
UNTERHALTUNGSBIBLIOTHEK.  Aus  Anlaß  der  Feier  der  25jährigen  Tätigkeit
von  Geh.  Kommerzienrat  Dr.  L.  Merck  und  Medizinalrat  Dr.  E.  A.  Merck  in  der  Firma
stiftete  diese  die  Mittel  zur  Begründung  einer  Unterhaltungsbibliothek  für  Beamte  und  Arbeiter. ­
  Bei  der  Eröffnung  am  1.  Februar  19x0  betrug  der  Bücherbestand  2000  Bände.  Ergänzungen ­
  erfolgen  seitdem  regelmäßig  in  jedem  Jahre.  Im  Jahre  1912  belief  sich  die  Zahl
der  Ausleihungen  auf  13  180.
            
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