Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

271*

Kantine  und  Badeanstalt.

Arbeiterwohnhäuser.

Papierfabrik  Baienfurt,  A.-G.

Die  Papierfabrik  Baienfurt  A.-G.  wurde  im  Jahre  1872  gegründet  und  beschäftigt
heute  380  Arbeiter,  20  Beamte  und  Meister.  Von  jeher  war  sie  bestrebt,  ein  patriarchalisches ­
  Verhältnis  zwischen  Leitung  und  Arbeiterschaft  zu  pflegen.  Dies  ist  ihr  auch  gelungen, ­
  so  daß  sie  heute  über  einen  in  jeder  Beziehung  zuverlässigen,  anhänglichen  Arbeiterstamm ­
  verfügt,  der  unzufriedenen  Elementen  kein  Aufkommen  gestattete.
PRÄMIEN.  Lange  Dienstzeit  wird  durch  Prämien  anerkannt.  Die  Prämie  beträgt
bei  zehnjähriger  Arbeitszeit  für  männliche  Arbeiter  jedes  Jahr  20  M.,  für  weibliche  10  M.
In  ihrem  Genuß  stehen  gegenwärtig  105  Männer  und  12  Frauen.
Bei  25jähriger  Dienstzeit  wird  ein  Diplom  mit  einer  Ehrengabe  von  100  M.
an  männliche  und  50  M.  an  weibliche  Arbeiter  verabreicht.
Inhaber  solcher  Diplome  sind  unter  unserer  heutigen  Arbeiterschaft  25  Männer  und
2  Frauen.
FABRIKFEST.  Zur  Pflege  eines  freundschaftlichen  Verhältnisses  zwischen  Direktion, ­
  Beamten  und  Arbeitern  wurde  früher  jährlich  einmal  das  sog.  „Fabrikfest“  gefeiert,
zu  dem  neben  den  Familien  der  Beteiligten  auch  dem  Betrieb  nahestehende  Personen  geladen ­
  wurden.
WEIHNACHTSGESCHENK.  So  günstig  dieses  Familienfest  zum  guten  Einvernehmen
beitrug,  so  hat  doch  die  Direktion  erkannt,  daß  eine  Gabe  in  Form  eines  Weihnachtsgeschenkes ­
  von  größerem  Nutzen  wäre.  Wir  haben  deshalb  mit  dem  System  des  Fabrikfestes ­
  gebrochen.  Seit  2  Jahren  reichen  wir  allen  Arbeitern  ohne  Ausnahme  ein  Weihnachtsgeschenk, ­
  wobei  Verheiratete  und  kinderreiche  Familien  besonders  berücksichtigt
werden.
KLEINKINDERSCHULE.  Zur  Unterstützung  unserer  Arbeiterfamilien  haben  wir  in
Gemeinschaft  mit  der  Ortsgemeinde  eine  von  Ordensschwestern  geleitete  Kleinkinderschule
gegründet,  die  gegenwärtig  von  ca.  100  Arbeiterkindern  besucht  wird.  Sämtliche  Arbeiterkinder ­
  sind  vom  Schulgeld  befreit,  außerdem  veranstaltet  die  Fabrik  alljährlich  eine  Weihnachtsbescherung ­
  für  sie.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.