104
économique lieferte. Er sah dasselbe als die dritte grosse Er
findung zu denjenigen der Schrift und des Geldes an. Voltaire
sagte von ihm, er sei ein Narr, der viel gute Augenblicke habe.
Die Bezeichnung Menschenfreund, die von Mirabeaus Ver
öffentlichungen als Beiname auf ihn selbst überging, ist jedoch
noch nicht so charakteristisch, als der Titel eines „ältesten
Sohns der Doctrin,” den er für sich in Anspruch nahm. Eine
seiner Schriften soll 18 Auflagen erlebt haben. Ehe er sich,
zu Qiiesnay bekehrte, hatte er öffentlich schon andere, wenn
auch philanthropische Ansichten verfochten. Das Wichtigste
aber bleibt, dass grade er es gewesen, der sich mit dem Ta
bleau économique sofort und am meisten abgegeben hat.
Er versichert in der fraglichen Erklärungsschrift, man müsse
nicht glauben, mit leichter Mühe in den wahren Sinn desselben
eindringen zu können; aber seine sogenannte Explication be
weist nur, dass sich das Unklare, was die eigne unvergleich
lich bessere Fassung bei Quesnay einschloss, noch viel unver
ständlicher hatte ausspinnen lassen. *
Alles Enthusiasmus ungeachtet, mit welchem das ökono
mische Tableau Quesnays die Jünger und einen Theil des
Publicums erfüllte, ist es dennoch am allerfrühesten der Ver
nachlässigung anheimgefallen. Dieser Gang der Sache erklärt
sich aber weit mehr aus der Oberflächlichkeit derjenigen, welche
der Physiokratie ihre Aufmerksamkeit widmeten, als aus einem
richtigen Urtheil über das Verfehlte jenes speculativen Entwurfs.
Dupont hatte in einer Vorbemerkung zu seinem oben ange
führten Abdruck dieser Quesnayschen Arbeit gar keine an sich
falsche Idee befürwortet, indem er daran erinnerte, dass mit
ein paar Begriffen ohne Rechnung sich ebensowenig eine ge
hörige Einsicht in die IHervorbringung und Vertheilung ge
winnen, als etwa die Höhe der Berge ohne Kunstmittel fest
stellen lasse. Freilich war diese Andeutung einer erst gegen
wärtig in strengerer Gestaltung hervorgetretenen Wahrheit sehr
weit von einer klaren Einsicht entfernt, und sie schloss zu
gleich den Irrthum ein, dass die in Begriffen und Grössen
bostimmungen ganz willkürliche Ausführung Quesnays ein zu
treffendes Bild der Vorgänge verzeichnet habe. Nichtsdesto
weniger dürfen wir nicht darauf verzichten, bcmerklich zu
machen, dass der wunderlich calculirende Denker doch in einem
Punkt Recht gehabt habe. Die allgemeine Idee eines ökono-